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Nam Duy Nguyen

Die Linke 27.06.2025 Sitzungen 8/17

Werter Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Die Idee, dass die weltbesten Radprofis 2030 durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fahren, ist nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern auch eine tolle Gelegenheit von großer gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und auch kultureller Tragweite. Die Tour de France ist das größte Radrennen der Welt mit einer Strahlkraft in über 180 Länder, erreicht also jährlich ein Milliardenpublikum. Diese Bewerbung, die von einem breiten Bündnis getragen wird, eröffnet Mitteldeutschland die Chance, sich selbstbewusst als eine weltoffene und sportbegeisterte Region zu präsentieren. Sportlich ist die Tour de France ein Ereignis, das Menschen inspiriert. Sie kann der Radsportförderung in Sachsen einen nachhaltigen Schub verleihen, insbesondere im Breitensport und in der Nachwuchsarbeit. Wenn Kinder und Jugendliche Weltklasseathleten vor der eigenen Haustür erleben, entsteht Motivation, selbst aktiv zu werden. Das ist nicht nur so dahergesagt. Die Erfahrungen, beispielsweise in Großbritannien, etwa beim Grand Départ der Tour de France im Jahr 2014 in Yorkshire, wurden wissenschaftlich ausgewertet. Es wurde auch gezeigt, dass ein solches Ereignis messbar mehr Kinder und Jugendliche für den Radsport begeistert und in die Vereine bringt. 60 % der befragten Schulen organisierten begleitende Radsportprojekte. 28 % der Kinder gaben an, dass sie mehr Rad fahren möchten, weil sie die Tour de France live erlebt haben, und in den folgenden zwei Jahren stieg sogar der Radverkehr in der Region messbar. Sachsen und der Osten sind eine historische Fahrradregion. Das wurde bereits von verschiedenen Seiten vorgetragen. Das Diamant-Rad wurde bereits erwähnt. In den Achtzigerjahren war es derart begehrt, dass es in den Westen heimlich als „Sachsenporsche“ exportiert und dort auch gehandelt wurde; es ist also ein Stück Radsportkultur mit Kultstatus. Die Friedensfahrt – das wurde auch schon erwähnt – war damals ein Riesenspektakel. Die Kinder haben damals Sammelbilder getauscht als wäre es die Fußball-WM. Auch wirtschaftlich kann der Grand Départ ein absoluter Motor werden. Die Erfahrungen anderer Austragungsorte in der Vergangenheit, zum Beispiel Düsseldorf, zeigen, dass Investitionen durch den Tourismus vielfach zurückfließen, wenn man es richtig anstellt. Sachsen würde natürlich auch von der medialen Aufmerksamkeit profitieren. Gesellschaftlich besteht, wie der Antrag herausstellt, ein noch größerer Anspruch. Die Tour de France steht symbolisch für das Überwinden von Grenzen und all die Werte, die in der gestrigen Debatte zum Haushalt und Sport bereits vorgetragen wurden. Es ist richtig, dass das 40. Jahr der Wiedervereinigung dafür einen starken Rahmen bietet. Gleichzeitig, das möchte ich an dieser Stelle betonen, sollte dieses Jubiläum nicht nur Anlass für festliche Worte sein. Vielmehr müssen wir auch ehrlich fragen, warum das Vertrauen in Demokratie und Politik mitunter schwindet und vor allem in Ostdeutschland eine rechtsextreme Partei so stark werden konnte. (Beifall Die Linke) Der Grand Départ ist deshalb eine Einladung, genau hier anzusetzen und nicht nur Bilder der friedlichen Revolution zu würdigen, sondern auch offen über Brüche, Enttäuschungen und Transformationslasten zu sprechen. Eine Veranstaltung, die Menschen zusammenbringt, sollte nicht zugleich gesellschaftliche Wunden unter Verschluss halten. Letzter Punkt. So ein großes Sportereignis gibt auch einen praktischen Anstoß, die öffentliche Infrastruktur weiterzuentwickeln, Investitionen in Mobilität, Verkehrswege, Barrierefreiheit und Sportstätten, aber auch in die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum, die dringend notwendig sind, zu tätigen. Ein Projekt dieser Größenordnung wird ein weiterer Grund sein, hier endlich mutiger voranzugehen. Wir sollten daher heute gemeinsam ein starkes Signal der Unterstützung aussenden. Der Antrag der GRÜNEN ist ein wichtiger Baustein auf diesem Weg. Ich finde den Ansatz zur Einbindung europäischer Partnerstädte, den kulturellen Austausch und auch das Thema Nachhaltigkeit überzeugend. Ich denke, dass dies Ausgangspunkte sind, die dazu beitragen können, dass aus dem Grand Départ nicht nur ein Spektakel wird, sondern ein Fest mit nachhaltiger Wirkung. Deshalb werbe ich um breite Unterstützung für diesen Antrag. Vielen Dank. (Beifall die Linke, SPD, BÜNDNISGRÜNE) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Nguyen sprach für die Fraktion Die Linke. Damit hätten wir die erste Rederunde absolviert. Wir eröffnen jetzt die zweite Rederunde. Für die Fraktion BÜNDNISGRÜNE spricht Kollegin Meier; bitte schön.

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