Albrecht Pallas
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Radfahren ist Freiheit auf zwei Rädern. Das gilt generell, wenn man sich auf das Rad schwingt und losfährt – mit leichtem Gepäck, mit dem Wind um die Nase. Das Gefühl von Freiheit kann man kaum einfacher bekommen. Aber: Als ich in Kindheitstagen Radfahren lernte, war irgendwo Schluss, nicht an einer steilen Wand – es gab keine Leistungsgrenze –, sondern an einer Mauer, einer Schranke, einer willkürlichen Staatsgrenze. (Zuruf AfD) Dass wir jetzt darüber sprechen, dass eine Tour de France in Sachsen starten könnte, ist ein zweiter großer Ausdruck von Freiheit. 40 Jahre nach der friedlichen Revolution, deren Herz hier in Sachsen lag, soll auch das größte Radrennen der Welt dieses historische Ereignis würdigen. Es ist keine Friedensfahrt im wortwörtlichen Sinn, es ist eine Freiheitsfahrt. (Beifall SPD und BÜNDNISGRÜNE) Radfahren ist Freiheit auf zwei Rädern. So passend und schön der historische Kontext ist – 40 Jahre friedliche Revolution, freie Fahrt auch für unsere Radsportlerinnen und Radsportler in einem geeinten Europa, Fahrer aus allen Teilen der Welt –, möchte ich den Fokus auf die sportliche Bedeutung eines Tour-de-France-Starts in Sachsen über diesen Tag hinaus richten, weil ich Sportpolitiker bin, kein Symbolpolitiker. Tausende Kinder und Jugendliche werden Spitzensport auf zwei Rädern erleben, und das nicht vor dem Fernseher, sondern live an der Strecke. Was für eine Chance! Der Radsport hat auch in Sachsen Tradition; wir hörten es bereits. Aber Tradition allein macht den Radsport heute nicht stärker. Man muss sie auch mit Leben füllen und immer neu denken. Daher verbinde ich mit der Unterstützung für die Idee des Grand Départ den Wunsch, dass der Radsport in Sachsen in die Planungen dieses Weltevents eingebunden wird. Die Tour darf nicht an den Vereinen vor Ort vorbeigehen. Ich wünsche mir, dass die Kinder, Jugendlichen und all die Engagierten in den Radsportvereinen von der großen Aufmerksamkeit für dieses Ereignis profitieren. So kann ich mir vorstellen, dass etwa rund um den Tourstart lokale kleinere Radrennen stattfinden. Ich wünsche mir, dass die Radsportvereine Zulauf bekommen. Wenn nur jeder Zehnte, der am Streckenrand stehen wird, sich von der Begeisterung anstecken lässt und dies zum Anlass nimmt, sich im Radsportverein anzumelden oder sich sogar ehrenamtlich dort zu engagieren, hätten wir alle gewonnen. Auch im Radsport gilt: Es geht nichts ohne Ehrenamtliche – als Trainer, als Vorstand, als Streckenposten. Das Schöne am Radsport ist: Es braucht nicht viel. Im Vergleich zu Weltmeisterschaften, beispielsweise im Fußball, oder zu Olympischen Spielen der jüngeren Vergangenheit, für die große Arenen und Stadien gebaut, und die danach nicht mehr genutzt wurden, sind die Straßen und Strecken für das größte Radrennen der Welt schon da. Die Tour kann über unsere Städte und Dörfer – das sind tolle Landschaften –, über historische Etappen wie die jetzt schon mehrfach erwähnte Steile Wand von Meerane führen, ohne dass dafür Millionen Euro in Stahl und Beton investiert werden müssen. Die Kulisse ist da. Die radsportbegeisterten Sächsinnen und Sachsen werden die Strecke säumen. Die Radsportvereine in Sachsen werden viele Veranstaltungen rund um die Tourstrecken anbieten. Der Landessportbund wird sie dabei tatkräftig unterstützen und wir im Sächsischen Landtag auch, so hoffe ich, (Beifall SPD, BÜNDNISGRÜNE und Andreas Nowak, CDU) mit der Zustimmung zu diesem Antrag und – ich bin mir sicher – auch mit konkreter Unterstützung in den kommenden Jahren, wenn es zum Beispiel um die Frage potenzieller finanzieller Unterstützung geht. Meine Damen und Herren, 1990 hat die ganze Welt gespannt nach Sachsen und Ostdeutschland geschaut. 2030 kann und sollte sie das wieder tun, und zwar anlässlich des größten Radrennens der Welt, das hier starten wird und den Gedanken in die Welt trägt: Radfahren ist Freiheit auf zwei Rädern. Wir sind bereit. Vielen Dank. (Beifall SPD, BÜNDNISGRÜNE und Andreas Nowak, CDU) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Pallas sprach für die SPD-Fraktion. Nun spricht für die Fraktion Die Linke Kollege Nguyen. Bitte schön, Sie haben das Wort.
