Doreen Voigt
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Der Antrag widmet sich einem zentralen Thema im Bereich der frühkindlichen Bildung, welches in den letzten Jahren viel zu kurz gekommen ist, der Qualitätsdebatte und der damit verbundenen Forderung, die frühkindliche Bildung zu verbessern. Es ist höchste Zeit, Kindertageseinrichtungen an die veränderten gesamtgesellschaftlichen Bedingungen anzupassen. Sie müssen wieder zu Orten werden, in denen Kinder und deren Familien bestmöglich begleitet und unterstützt werden. Die Überarbeitung und Weiterentwicklung des Sächsischen Bildungsplans wird daher ausdrücklich von uns begrüßt. Allerdings darf der Bildungsplan nicht dazu missbraucht werden, unsere Kinder zu überangepassten Grundschulkindern zu machen. Die frühkindliche Bildung als eigenständiger Bildungsbereich muss vielmehr darauf abzielen, Kinder ganzheitlich in ihrer Entwicklung zu begleiten. Dabei sind die sich entwickelnden Interessen und Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. (Beifall BSW) Eine kindgerechte und bedürfnisorientierte Pädagogik bei konsequenter Umsetzung der Kinderrechte sehen wir als grundlegend für den Sächsischen Bildungsplan an. Der Überarbeitungsprozess des Sächsischen Bildungsplanes braucht daher den Abgleich zwischen den theoretischen Erkenntnissen und der Fachpraxis. Wir wollen am Ende kein Instrument haben, welches durch seine Inhalte besticht, aber in der Fachpraxis niemals Umsetzung findet, da die dortige Arbeitswirklichkeit gar nicht über die entsprechenden Rahmenbedingungen verfügt. Die Forderung, inklusive Bildungsansätze zu stärken, erachten wir ebenfalls für richtig, gerade mit Blick auf eine inklusive Ausgestaltung des SGB VIII. Damit das uns aber gelingt, müssen wir jetzt die hierfür notwendigen Voraussetzungen schaffen. So bedarf es der Anpassung der Sächsischen Integrationsverordnung, die aktuell eher als Hemmschuh betrachtet werden muss. Zudem muss der interdisziplinäre Ansatz von Teams schnellstmöglich umgesetzt werden. Starre bürokratische Strukturen müssen aufgelöst werden, um Kinder mit Beeinträchtigungen ohne stigmatisierende Verfahren in den Einrichtungen begleiten und entsprechend ihrer Potenziale fördern zu können. (Beifall BSW) Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft den Übergang von der Kita in die Schule. Diese Phase ist gerade für Kinder eine wahre Umbruchphase und ein wichtiger Schritt im Rahmen ihrer persönlichen Entwicklung. Daher braucht es Konzepte, die es sowohl Kitas, Schulen als auch Horten ermöglicht, Kinder und deren Familien bedürfnisorientierend zu begleiten. Damit könnte ein guter Start in die schulische Laufbahn garantiert werden. Daher müssen beide Institutionen ein gemeinsames Bild vom Kind entwickeln. Es braucht – wie gefordert – entsprechende Weiterbildungsangebote sowohl für pädagogische Fachkräfte als auch für Lehrerinnen und Lehrer, vor allem eine wertschätzende Begegnung auf Augenhöhe zwischen beiden Professuren. (Beifall BSW) Mit Blick auf die Zeit werde ich hier meine Ausführungen beenden. Dem Antrag werden wir zustimmen. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die damit verbundenen inhaltlichen Ziele nur dann Wirkung in der Praxis entfalten können, wenn wir die dafür nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Ansonsten würden wir ein schon jetzt durch die unterschiedlichen Erwartungshaltungen überlastetes System noch weiter unter Druck setzen und damit das Ziel einer spürbaren Qualitätsweiterentwicklung verfehlen. Daher fordern wir einen kindgerechten Personalschlüssel und keinen Finanzierungsschlüssel. Des Weiteren fordern wir die konsequente Umsetzung des im September 2024 verabschiedeten Kitamoratoriums, einen Kita-Gipfel mit allen Akteuren, der die Qualitätsoffensive und das Thema Finanzierung in Einklang bringt; denn die aktuelle Finanzierungslogik muss zwingend hinterfragt werden. Frühkindliche Bildung und damit Kinder, Familien und pädagogische Fachkräfte dürfen dem haushalterischen Rotstift nicht geopfert werden. (Beifall BSW) Eine Bildungsoffensive und eine Anpassung der Rahmenbedingungen kostet Geld. Aber das muss uns die Zukunft unserer Kinder wert sein. Danke. (Beifall BSW) Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Wir hörten Frau Voigt von der BSW-Fraktion. Jetzt hören wir den ersten Mann in der Runde, Herrn Eisenblätter von der SPD.
