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Lars Wurzler

BSW 27.03.2025 Sitzungen 8/11

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich hatte Ihnen gestern eine Suite versprochen, heute halte ich Wort. Wenn es das Ziel war, die negative Stimmung bei einem Teil der über 30 000 Lehrkräfte zu fördern: Glückwunsch, das ist Ihnen gelungen, das haben Sie gut gemacht. Im ersten Redebeitrag soll es zunächst aber um die durchaus vorhandenen positiven Punkte gehen. Es gibt tatsächlich welche, man muss sie nur finden. Man muss aber bei den meisten über viel Fantasie verfügen, wie sich eine schnelle praktische Umsetzung darstellen ließe, vor allem aber, wie dies flächendeckend und schon ab dem Schuljahr 2025/2026 zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung führen könnte. Ich möchte auch klarstellen, dass weder meine Fraktion noch ich Ihr Paket in Bausch und Bogen ablehnen. Es ist tatsächlich aller Ehren wert, dass der Minister nach mehr oder weniger hundert Tagen im Amt etwas Konkretes vorlegt. Als besonders löblich lassen sich vor allem der Ausbau der multiprofessionellen Teams und der Ausbau der Praxisphasen im Lehramtsstudium benennen. Beides bringt viele positive Aspekte und trägt sicher zur Verbesserung der Situation bei – wäre da nicht das Personal- und Finanzproblem beim Auf- und Ausbau der multiprofessionellen Teams. Ich freue mich schon jetzt auf die verbindlichen Aussagen der entsprechenden Ressorts im Hinblick auf die Haushaltsverhandlungen, dass mit Beginn des neuen Schuljahrs 2025/2026 nicht nur alle bereits bestehenden Stellen – egal, ob Schulsozialarbeit oder jede Art der Schulassistenz – umfänglich bestehen bleiben, sondern auch massiv ausgebaut werden. Frau Ministerin Köpping, Herr Minister Piwarz, Herr Minister Clemens! Sie haben es in der Hand, das zusammen mit uns als Parlament gemeinsam ins Werk zu setzen. Zu der größeren Praxiserfahrung: Ja, das ist eine wirklich gute Idee, die es zu unterstützen gilt. Warum man hier nicht mehr Mut gezeigt hat, beispielsweise mit der kurzfristigen Einführung und Etablierung eines kompletten Praxissemesters, erschließt sich wohl nur profunden Kennern der inneren Abläufe. Auch die Reduzierung von Abordnungen in die Schulverwaltung ist ein richtiger, ein wichtiger Schritt. Leider fehlt mir der Glaube daran, dass daraus viele VZÄ entstehen und dass diese dann genau an den Stellen – Stichwort: MINT an Oberschulen – eingesetzt werden, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Dazu gesellen sich viele kleine, zum Teil eher futuristisch anmutende Dinge, zum Beispiel hybrider Unterricht oder digital gestütztes Selbstlernen. Beides kann sinnhaft sein, wenn man von zwei Voraussetzungen ausgeht und dies als absolute metaphysische Gewissheit anerkennt, nämlich zum einen: Alle Schulen, Lehrkräfte und Schüler hätten im gleichen Maße die gleichen technischen Voraussetzungen. Zweitens: Alle Schüler trügen eine intrinsische Motivation zum Selbstlernenwollen in sich. Das ist genauso wahrscheinlich wie die Annahme, alle sächsischen Lehrkräfte würden dem Kultusministerium und dem LaSuB wöchentlich schriftlich ihre Dankbarkeit dafür zeigen, dass sie Lehrerkraft in Sachsen sein dürfen. (Beifall BSW) Bei allem Sarkasmus: Ich finde Ihre Ideen gut, wenn auch wenig praktikabel, weil zu wenig ausgereift. Nichts kann – nach aktuellem Stand und auch zukünftig – die reale Peerto-peer-Interaktion zwischen Lehrkräften und Schülerschaft ersetzen. Es lässt sich auch bei gutem Willen nicht erkennen, wie durch diese Maßnahmen in gewissen Größenordnungen eine Verbesserung der Unterrichtsversorgung für alle Schularten, insbesondere an Ober- und Förderschulen, entstehen soll. Aber dazu hat der Minister ja weiter tolle Angebote im Köcher, die wir ganz sicher in der zweiten Runde besprechen werden. Hier noch ein paar mehr oder weniger versöhnliche Worte am Ende des ersten Parts; Anlass ist die Abordnungsidee von der Grundschule und vom Gymnasium an die Oberschule. Hier wäre es besser gewesen, ein deutliches, klares Signal zu senden und konkret darauf abzustellen, dass vor allem verbeamtete Gymnasiallehrkräfte an die Oberschulen abgeordnet werden können; denn von der Grundschule auf die Oberschule sieht es ganz anders aus. Die Grundschuldidaktik im Verhältnis zu der erforderlichen Didaktik für angehende Jugendliche ist völlig anders. Aber das scheint manchem wohl eher nebensächlich zu sein. Man könnte sogar meinen, da würde tatsächlich vorausgesetzt, dass alle Lehrkräfte an jeder Schulart das Gleiche tun und die gleiche Didaktik anwenden würden. Na ja, es spielt einfach keine Rolle – es geht ja immer irgendwie um Kinder. Das ist auch eine Sichtweise, nur: die falsche. Was man Ihnen zugutehalten muss: Sie waren bemüht, die Situation zu verbessern. Aber wenn man schon zum großen Wurf ansetzt, wäre das mit mehr realer Fachexpertise und deutlich mehr Vorbereitungszeit sicher besser geworden. Wo wir gerade bei Expertise und Transparenz sind: Wenn der hier immer wieder verkündete veränderte Politikstil Wirklichkeit werden soll, war das, was vorletzte Woche passiert ist, ein glatter Fehlschlag. (Beifall BSW) Wenn die Presse und verschiedene andere offenkundig wichtigere Akteure im Verhältnis zu uns Abgeordneten schon 24 Stunden vorher Ihr Paket kennen, wir im Parlament aber erst zeitlich mit der Pressefreigabe gegen 13 Uhr – und somit einen Tag später – informiert werden, dann sehe ich da mehr als nur ein bisschen Nachbesserungsbedarf. Auch sehr eilfertig, wie es mehrfach bekundet wurde: Man würde für die Maßnahme im Grunde das Parlament gar nicht brauchen.

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