Doreen Voigt
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wie Herr Wurzler bereits ausführte, ist Bildung von zentraler Bedeutung und wegweisend für unsere nachfolgenden Generationen. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass Kindertageseinrichtungen Bildungseinrichtungen sind. Was Kinder dort erleben und erfahren, legt den Grundstein für deren weitere Bildungsbiografie. (Beifall Jens Hentschel-Thöricht, BSW) Doch aktuell sind die Rahmenbedingungen alles andere als passgenau und zukunftsweisend. Erschöpfte Kinder und Familien treffen auf ein erschöpftes und überlastetes System. Alle versuchen ihr Bestes, aber ihr Potenzial kann sich nicht entfalten. Pädagogische Konzepte und relevante sozialpädagogische Entwicklungsfelder verkümmern in den Schubladen, da sie aufgrund fehlender personeller und zeitlicher Ressourcen keinen wirklichen Zugang in den gelebten Kita-Alltag erlangen. Das frustriert alle Beteiligten und nimmt vor allem den Kindern wertvolle Bildungs- und damit Zukunftschancen. Allerdings offeriert der demografische Wandel die einmalige Chance, den Betreuungsschlüssel in Kitas – Horte dürfen wir nicht vergessen – merklich den erweiterten Ansprüchen anzupassen und dem erschöpften System die Möglichkeit zur Heilung zu gewähren. Denn durch den Erhalt von Personal bei zeitgleichem Rückgang der zu betreuenden Kinder kann eine spürbare Qualitätsverbesserung durch mehr Zeit für Bildung und zur individuellen Förderung der Kinder in der Kita erreicht werden. Vor allem gibt es auch die Möglichkeit, die sozial-emotionale und sprachliche Bildung der Kinder ab dem Eintritt in die Kita bestmöglich zu begleiten und zu fördern. Da erst diese Fähigkeiten Kinder in die Lage versetzen, für weitere Bildungsangebote offen zu sein. (Beifall BSW) Bevor wir über Bildungsinhalte in Kitas diskutieren, müssen wir die grundlegenden Kompetenzen fokussieren, indem wir Kitas in die Lage versetzen, sich entsprechend des gesellschaftlichen Wandels adäquat und bedürfnisorientiert weiterzuentwickeln. Deshalb muss die Novellierung des Sächsischen Bildungsplans unter Einbeziehung der pädagogischen Fachkräfte erfolgen; denn wir brauchen ein Instrument, das den Alltag bereichert und nicht im Bücherschrank verstaubt. Im Bildungsplan muss eine Verbindlichkeit geschaffen werden, die derzeit nicht gegeben ist. Die aktuellen Empfehlungen sind nicht das geeignete bildungspolitische Instrument, um Veränderungen in Gang zu setzen Es fehlt das Signal, gewollt zu sein. Eine gute, das heißt personell starke und bedürfnisorientierte Kita legt die Grundlagen für spätere Schulerfolge. Gleichzeitig können wir damit erhebliche Mehraufwendungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe reduzieren. Exemplarisch sei an dieser Stelle das Thema Schulbegleitung zu nennen. Wehret den Anfängen ungleicher Voraussetzungen; denn sie potenzieren sich mit zunehmender Dauer. So sah es bereits Ovid. Auf unser heutiges Thema übertragen, sollten wir uns jetzt von nur symptomkaschierenden Maßnahmen verabschieden und einen Weg beschreiten, der zur ganzheitlichen und chancengerechten Bildung unserer Kinder beiträgt. (Beifall BSW) Daher muss das Kitamoratorium zwingend umgesetzt werden. Der Städte- und Gemeindetag verweist jedoch zu Recht darauf, dass die aktuelle Ausgestaltung des Moratoriums zu einer Ungleichverteilung der Belastungen zwischen Land und Kommunen führt. Schon jetzt tragen diese einen unverhältnismäßig hohen Anteil der Personal- und Betriebskosten, wodurch dringend notwendige Investitionen sowie eine Entlastung der Eltern bei den Kitabeiträgen nicht finanzierbar sind. Damit der gewünschte Effekt des Moratoriums nicht an den Haushalten der Kommunen scheitert, muss endlich eine tatsächliche Dynamisierung des Landesanteils erfolgen. Eine Landespolitik der versteckten Kürzungen zulasten der Städte und Gemeinden sowie der frühkindlichen Bildung passt weder zu den schwindenden Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler an sächsischen Schulen noch zu dem Versprechen, kommunale Aufgaben in der Sanierung der Infrastruktur nun endlich ermöglichen zu wollen. Kitamoratorium – ja und jetzt, aber nur in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden. Weil wir mehr Zeit für eine bessere Bildung an Kitas und Horten brauchen, dürfen wir nicht wieder den Fehler begehen, zu schnell den Rotstift bei der frühkindlichen Bildung anzusetzen. Danke. (Beifall BSW und Matthias Berger, fraktionslos)
