Lars Wurzler
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Genügt es nicht, dass wir morgen eine Aktuelle Debatte zu den 21 Punkten des Ministers haben? Nachher doppelt sich etwas. Nein, es genügt nicht. Es doppelt sich auch nichts, dafür ist das Thema zu groß, zu vielschichtig, zu komplex, vor allem aber zu wichtig, als dass man es auf die 21 Punkte reduzieren darf. Was unsere Redebeiträge betrifft, werden wir Themen – um das Wort des Kollegen Urban von letzter Woche aufzugreifen – im Schweinsgalopp streifen und versuchen, verständlich zu erklären, dass Bildung nicht nur Schule, nicht nur Unterricht, eine Unterrichtsstunde nicht nur 45 Minuten Arbeit und dann mindestens 10 Minuten Pause oder dass Schulsozialarbeit kein Luxusgut ist, das man nach Belieben streicht, weil andere Prioritäten wie BUGA prestigeträchtiger sind. Wozu nun eigentlich wieder? Glaubt man den immer wieder nahezu apodiktisch vorgetragenen Mantras wie „Sachsen ist Spitzenreiter unter den Bundesländern bei der Bildung“, ja, mehr noch, „Wir sind die Besten bei Pisa“, dann ist einfach alles im Lot. Stunde die Bildung unserer Kinder wert? der Zukunft im Freistaat! Fraktion BSW Sachsenfonds und Sondervermögen: sichern, in die Zukunft investieren Fraktion SPD Kaputte Brücken in Sachsen – gegen Investitionsstau BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Linke 15 Minuten; Staatsregierung dreimal je 10 Minuten, wenn gewünscht. Wir kommen zu Debatte unserer Kinder wert? der Zukunft im Freistaat Fraktion BSW Bedauerlicherweise stimmen diese so sicher geglaubten Inhalte schon lange nicht mehr. Spitzenreiter bei der Bildung im Vergleich mit anderen Bundesländern ist Sachsen nur noch bei der Vergleichsstudie des Instituts der Deutschen Wirtschaft im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und dort mit spektakulären 70 von 100 Punkten. Wenn man die Ansicht vertritt, dass die Drei eine tolle Note ist, dann ist Sachsen in seiner Mittelmäßigkeit Spitzenreiter unter den noch Schwächeren. Es lag bestimmt wie immer an den Fragenden, also an der Lehrkraft. Die Anforderungen waren zu hoch, das Buch zu ausgelesen. Aber man selbst trägt keine Schuld. Aber Pisa – so gern es bei verschiedenen Anlässen, egal ob bei Diskussionen oder vor Besuchergruppen, erzählt wird – erfasst schon seit mehr als einem Jahrzehnt kein Bildungslandranking mehr. Doch kommen wir endlich zu greifbaren Inhalten, quasi zu einem Präludium, dem versprochenermaßen schon sehr bald eine Suite folgen wird. Der erste Satz soll das Thema Wertschätzung zum Inhalt haben, in diesem Falle Wertschätzung vor allem gegenüber den sächsischen Lehrkräften. Lehrkräfte genießen in der Öffentlichkeit einen – sagen wir es einmal so – eher durchwachsenen Ruf: mal zu faul, mal überbezahlt, mal nicht in der Lage, den Kindern das Richtige beizubringen, ob inhaltlich oder bei der Erziehung. Lehrer, das kann jeder. Jeder war in der Schule oder hat Kinder oder kennt einen faulen Lehrer usw. usf. Kurzum: Jeder hat eine Meinung zu Bildung im Allgemeinen und zu Lehrern im Speziellen. Viele halten sich ohnehin für bessere Lehrkräfte, im Grunde ist es wie bei Bundestrainern. Nicht zuletzt deshalb sollen zukünftig zum Beispiel Rettungsschwimmer im Freistaat Lehrer werden dürfen. Wozu ein überflüssiges Studium mit Ballast wie Methodik, Didaktik, Berufsethos oder rechtlichen Grundlagen? Ein Schnellkurs – und fertig. Deshalb ist es an der Zeit, an dieser Stelle eine Lanze für alle Lehrkräfte im Freistaat zu brechen. (Beifall BSW) Doch halt! Es gibt doch Wertschätzung im Freistaat durch den Dienstherren. Ich vergaß: Das Kultus schätzt doch seine Lehrkräfte in besonderem Maße. Eine Lehrkraft, die – es ist schon fast unglaublich zu nennen – 40 Jahre im sächsischen Schuldienst verweilt, bekommt – man höre und staune – 500 Euro brutto Einmalprämie. Das heißt – kühle Rechner werden es schon ermittelt haben –: 1,04 Euro pro Monat brutto. Wenn das kein Grund ist, im Freistaat – – (Christian Piwarz, Staatsminister der Finanzen: Das ist für alle im öffentlicher Dienst! Was reden Sie denn hier? Das ist die ganz normale Jubiläumsprämie!) Es ist unnötig zu erwähnen, dass weder LaSuB noch Kultus Geld für derartige Feierlichkeiten ausgeben können oder wollen; denn bei der schieren Masse an Lehrkräften, die jedes Jahr ihr 40-jähriges Dienstjubiläum im Freistaat feiern dürfen, käme man schnell in eine finanzielle Schieflage. Eine weitere Wertschätzung ist ganz sicher der sogenannte Schulleiterbrief, gern verteilt zu Ostern, Weihnachten oder Schuljahresende. Dieser fristet dann sein trauriges Dasein, ausgelegt in Lehrerzimmern, wo er, außer Staub zu sammeln, nichts bewirkt. Aber wozu überhaupt Wertschätzung? Lehrkräfte haben keinen besonderen Auftrag, keinen besonderen wirtschaftlichen Mehrwert. Ich möchte die Begriffe „kein“ und „besonderen“ als zynisch verstanden wissen. Sie sollen nur lehren, nur bilden, nur erziehen. Das kann wohl nicht so schwer sein. Es geht nur um die Bildung unserer Kinder, um unsere Kinder, um unsere Zukunft. Doch genug des Jammerns. Bevor gleich andere Redner weiterer Fraktionen mit mehr oder weniger salbungsvollen Worten folgen werden und die allgemeine Aufmerksamkeit zunehmend weiter abnimmt und bevor ich wieder zu Ihnen sprechen darf, möchte ich mir treu bleiben und Taten – dieses Mal zur Wertschätzung – sprechen lassen. Aus diesem Grund und als mein Beitrag der Wertschätzung der sächsischen Lehrkräfte werde ich einen Preis ins Leben rufen, der erstmalig am 5. Oktober 2026 verliehen werden soll. Dazu nutze ich die ab April erfolgende Diätenerhöhung von 361 Euro mit einem zusätzlichen Beitrag zur Aufrundung, damit zumindest von diesem Parlament –
