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Dr. Claudia Maicher

GRÜNE 13.02.2025 Sitzungen 8/8

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich bin sehr dankbar, dass wir diese Debatte heute hier führen, weil der Blick auf die Zeit danach durchaus angebracht ist. Die ganze Bedeutung der Kulturhauptstadt Europas realisieren wir eigentlich jetzt erst Schritt für Schritt. Wir waren an den komplexen Vorbereitungen auch hier im Landtag beteiligt. Wir haben jetzt ein umfassendes Programm mit 223 Projekten und über 1 000 Veranstaltungen vorliegen. Ja, ich war auch bei der Eröffnung der Kulturhauptstadt. Ich habe die Stadt erlebt als eine Öffnung der Chemnitzerinnen und Chemnitzer mit Begeisterung für das, was jetzt kommt. Das war ein wunderbarer Empfang der Kulturhauptstadt. Was die Kulturhauptstadt nun alles in Bewegung setzt, werden wir erst im Nachhinein erfassen, weil es um mehr geht als um dieses Jahr. Ich glaube, dass es eine riesige Chance ist, nicht nur für Chemnitz, sondern für die Region und auch für uns als Freistaat, weil es die Möglichkeit schafft, mit Weltoffenheit und aktivem Miteinander zu zeigen, dass das sächsische Kulturerbe ein Teil des europäischen Kulturerbes ist. (Beifall BÜNDNISGRÜNE und Martin Dulig, SPD) Wichtiger ist aber tatsächlich, heute schon zu schauen: Was passiert nach 2025? Können die Errungenschaften genutzt werden? Deshalb sind die Entscheidungen zur Legacy der Kulturhauptstadt recht bald zu treffen. Natürlich geht das nicht unabhängig von den finanziellen Spielräumen für Weiterentwicklungen und langfristige strukturelle Verankerungen, die auch beim Staatshaushalt diskutiert werden müssen. Das gilt natürlich für das Potenzial der kulturellen Entwicklung, aber auch der wirtschaftlichen und vor allem der sozialen Entwicklung vor Ort und im Freistaat. Ich möchte auch ein paar Beispiele nennen, die dafür stehen und fortgeführt werden sollen in ihrem Anspruch, Menschen zusammenzuführen, neue Wege zu gehen, Experimentierfelder zu zeigen. Das betrifft zum Beispiel die Funkenakademie, ein Experimentierfeld zwischen Kunst und Technologie, bei dem Kunstschaffende, Forschungsinstitutionen, mittelständische Unternehmen zusammenkommen, oder die „Nacht der Jugendkultur“, die eine selbstorganisierte Aktivität von Jugendlichen in der Region darstellt, die Möglichkeiten schafft, eigene Ideen von kulturellen Veranstaltungen in den Mittelpunkt zu stellen und zu präsentieren. Das betrifft auch die „Makerhubs“ – das wurde gerade schon gesagt –, die das Selbermachen mit Handwerk, mit Unternehmen, mit Fachkräftenachwuchs, aber auch mit Kreativtourismus verbindet. Das betrifft das Festival „Moderner Tanz“, das in den öffentlichen Raum geht und damit sichtbar und erlebbar für alle wird, die künstlerische Erprobung des öffentlichen Raums schafft und ein Bildungsprojekt für alle Generationen ermöglicht. Und es betrifft auch den Lernort und Erinnerungsort NSUDokumentationszentrum – das sind alles Dinge, die jetzt entstehen. Diese Potenziale müssen wir weiter nutzen. Es braucht auch die Unterstützung durch die Staatsregierung, um eine solche Strategie zu entwickeln. (Beifall BÜNDNISGRÜNE und SPD) Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir sollten aber auch kritische Stimmen zur Wirkung der Kulturhauptstadt nicht übergehen. Damit meine ich jetzt mal nicht die Nörgler und die Hetzer aus der rechten Ecke, sondern ich meine die, die sich mit der Frage beschäftigen, was eigentlich bestehende Strukturen der Kultur von der Kulturhauptstadt haben. Es ist doch wesentlich, das auch in den Blick zu nehmen. Und ja, es muss auch diskutiert werden, wie der richtige Umgang mit Rechtsextremismus ist. Die Kulturhauptstadt kann aus meiner Sicht gerade mit den Mitteln der Kunst einen starken Gegenimpuls erzeugen und das auch mit neuen Formaten tun, die sichtbar werden, ob es KaraokePartys sind, Kunst im öffentlichen Raum, Cosplay-SzeneTreffs, Hip-Hop-Workshops und -Battles, Workshops zu „sharing economy“ in den Chemnitzer Garagen. Überall bei diesen Formaten stehen Menschen im Mittelpunkt, die zusammenkommen können. Die Stadtgesellschaft ist im Fokus. Dabei geht es um Offenheit, um Neuentdeckung, um die Auseinandersetzung der verschiedenen Realitäten, um Zuversicht, um all das, was zukunftsfeindlichen und angstgetriebenen Kräften den Wind aus den Segeln nimmt. Nicht ohne Grund wird das eben auch so massiv von denen angefeindet. Es braucht positive Ideen und engagierte Menschen, die bestärkt werden. Das muss im Fokus stehen. Es ist vor allen Dingen unsere Aufgabe, mit breiter Solidarisierung der demokratischen Zivilgesellschaft der Kultur den Rücken freizuhalten. Deswegen möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal allen danken, die sich an dem Eröffnungstag als Demonstrierende mit einem bunten Fest dem Naziaufmarsch in den Weg gestellt haben und die demokratische Kultur, die Vielfalt feiern wollten und das auch sichtbar gemacht haben (Beifall BÜNDNISGRÜNE, SPD und Die Linke) Herzlichen Dank.

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