Nam Duy Nguyen
Danke schön. Werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Seit ich zurückdenken kann, war ich in meinem Leben immer in unterschiedlichen Vereinen aktiv. Man kann gar nicht abschätzen, was Sport in der Breite und im Verein bedeutet. Für mich ging es anfangs nicht nur darum, mit meinen Freunden gemeinsam Sport zu machen, sondern es war auch ein Ort, wo ich nach der Schule hingehen konnte. Vieles, was ich heute über Zusammenhalt und Solidarität weiß, habe ich im Sport gelernt. Aus eigener Erfahrung kann ich mich gewissen Vorrednern nur anschließen, dass es enorm erfüllend ist, mit Kindern und Jugendlichen im Verein zu arbeiten. Ich habe als Trainer einer U12 gearbeitet, was viel Spaß gemacht hat, aber auch sehr herausfordernd war, denn es braucht Zeit, Geduld und pädagogische Fähigkeiten. Kindermannschaften zu betreuen bedeutet sehr häufig, dass zwei Trainer, die auch selbst einen vollen Arbeitstag hatten, 30, 40 Kinder betreuen müssen, die wie Flummis übers Feld schießen und gar nicht wissen, wohin mit ihrer Energie. Hinzu kommt ein hoher organisatorischer Aufwand, wenn es um die Betreuung von Spielen geht oder um Spiele am Wochenende. Ehrenamt im Sport hat also sehr viel mit Leidenschaft und Hingabe zu tun. Die Menschen, die im Verein tätig sind, sind begeistert, weil sie den Sport lieben. Aber Ehrenamt ist nicht nur ein Hobby. Es ist auch unbezahlte Arbeit, auf die unser Staat aufbaut, und für die Gesellschaft spielt deshalb das Ehrenamt eine entscheidende Rolle. Dabei rede ich nicht nur von Kinderbetreuung Sturz; das wurde vorhin auch schon erwähnt. Es geht um Gewerkschaften, es geht um die freiwillige Feuerwehr, Kultur, soziale Arbeit und viele andere Bereiche. Es sind Zehntausende Freiwillige jedes Jahr, die Hunderte Stunden leisten, was mitunter auch die öffentliche Daseinsvorsorge erbringen sollte. Ich wäre gern Trainer geworden; aber in Wahrheit ist es so, dass es für die Leute, die normal arbeiten, kaum möglich ist. (Beifall Hajo Exner, AfD) Wer in Sachsen eine Trainerlizenz im Fußball erwerben will, muss mindestens vier oder fünf Tage für Fortbildungen und Prüfungen investieren, und zwar mit dem eigenen Urlaub. Unser Freistaat und auch Bayern sind nämlich die letzten beiden Bundesländer, die arbeitenden Menschen kein Recht auf Bildungsurlaub zugestehen. Das ist ein großes Problem. Das heißt, dass die Ehrenamtlichen in Sachsen, die zum Beispiel eine Trainerlizenz erwerben wollen, erst einmal ihren Erholungsurlaub dafür verwenden müssen, um in ihrer Freizeit die Arbeit leisten zu können, ohne die der Staat nicht funktionieren kann. Das stimmt mich wirklich nachdenklich. Es hat wenig mit Respekt gegenüber den Ehrenamtlichen zu tun. Es wäre wirklich das Mindeste, den Freiwilligen einen fairen Bildungsurlaub zu ermöglichen, das heißt mindestens fünf Urlaubstage und nicht nur drei, wie im Koalitionsvertrag angekündigt. Und wäre das nicht genug, ist der Sport auch noch völlig unterfinanziert. Das wurde auch schon ein paarmal erwähnt. Im Koalitionsvertrag heißt es zwar, dass der Sport in seiner gesamten Breite gefördert werden soll. Real hat man davon in den letzten Legislaturen viel zu wenig gesehen. Im Haushalt 2023/24 waren beispielsweise 250 000 Euro pro Jahr für das Förderprogramm „Ehrenamt stärken im Sport“ eingeplant. Allein im Jahr 2023 wurde dieses Geld innerhalb von drei Monaten ausgeschöpft. Die Vereine mussten sich untereinander kloppen, um an das wenige Geld zu kommen, das ihnen zur Verfügung stand. Die Infrastruktur im Breitensport ist kaputtgespart. Der DFB hat sogar – und darin kann ich Herrn Lippmann zustimmen – den Sanierungsbedarf sächsischer Sportstätten auf 500 Millionen Euro geschätzt, und die Kommunen melden seit Jahren, dass sie eine bessere Grundfinanzierung für den Sport brauchen. Ich frage mich, wie es so weit kommen konnte. Andererseits ist für Prestigeprojekte immer Geld vorhanden. Ein eindringliches Beispiel ist Olympia. Für die Bewerbung Deutschlands für 2040 haben Bund, Land und Kommunen vor, 150 Millionen Euro unter anderem in die Umbauten der Leipziger Arena zu investieren. Herr Kretschmer, Herr Schuster, Sie haben die entsprechenden Verträge im vergangenen Sommer unterschrieben. Ich finde es immer wieder erstaunlich, welche Millionenbeträge Sie plötzlich freimachen können, wenn die richtigen Leute an der Tür klopfen. Aber die Millionen, die notwendig werden, um der Breite der Bevölkerung die Freude am Sport zu gewährleisten, werden zurückgehalten. Das muss sich natürlich ändern. Deshalb mein Vorschlag: Wenn Sie das Ehrenamt stärken wollen, richten Sie fünf Tage Bildungsurlaub ein, wie es der DGB und 70 weitere Organisationen fordern, anstatt Steuergelder nur für Prestigeprojekte rauszuhauen. Die Menschen haben es verdient, dass die Anerkennung für ihr Ehrenamt nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt. Vielen Dank. (Beifall Die Linke und BSW) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Nam Duy Nguyen sprach für die Fraktion Die Linke. Ich frage Herrn Berger, ob er reden möchte. – Nein. Dann eröffnen wir eine zweite Rederunde und ich übergebe an Herrn Kollegen Pallas von der SPD-Fraktion. Bitte schön, Sie haben das Wort.
