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Janina Pfau

BSW 18.12.2024 Sitzungen 8/4

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! In wenigen Tagen ist Weihnachten, was wir gemeinsam mit unseren Familien und Freunden feiern werden. Wir werden die Zeit für gemeinsame Treffen, Essen und Unterhaltungen nutzen. Aber leider gibt es viele Menschen in Sachsen, für die die Weihnachtszeit keine schönen Tage sind, weil die Einsamkeit, die sie täglich erleben müssen, noch viel schlimmer spürbar ist. Laut dem Zensus 2022 wohnten etwa 24 % der Menschen in Sachsen allein. In den Großstädten ist die Zahl höher gewesen, wobei insbesondere bei älteren Menschen im ländlichem Raum die Zahl der Alleinlebenden größer wird. Alleinsein beschreibt – wie schon die Kollegen gesagt haben – eine momentane Abwesenheit anderer Menschen, einen Zustand, der sogar als angenehm empfunden werden kann. Einsamkeit wird dagegen aber immer als unangenehm wahrgenommen. Häufig wird Einsamkeit unterteilt in emotionale und soziale Einsamkeit. Emotionale Einsamkeit beschreibt das subjektiv empfundene Fehlen von besonders engen Bezugspersonen, etwa einer engen Freundin oder eines Partners. Soziale Einsamkeit empfinden Menschen, wenn sie zwar in ein soziales Netzwerk eingebunden sind, allerdings nicht so, wie sie es sich wünschen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass nicht jeder und jede, der oder die viel allein ist, sich einsam fühlt. Hingegen können sich auch Menschen, die viele soziale Kontakte haben, einsam fühlen; beispielsweise, weil sie die Kontakte als oberflächlich empfinden oder die tiefe emotionale Bindung fehlt. Wir haben vorhin über Armut gesprochen, mein Kollege hat diesen Teil schon eingebracht. Es ist ein wichtiges Thema, über das wir natürlich immer wieder sprechen sollten. Doch das Thema Einsamkeit ist mittlerweile ein Tabuthema geworden, das wir viel zu wenig besprechen. Es ist aber wichtig, dass wir darüber reden. (Beifall BSW) Jeder kennt doch jemanden – es wurde schon angebracht –, der nach der Wende in die West-Bundesländer abgewandert ist. Es waren zum Teil junge Menschen, die entweder keinen Ausbildungsplatz oder keinen Job bekommen haben. Jetzt stellen wir immer häufiger fest, dass die Familienmitglieder, die hiergeblieben sind, immer mehr an Einsamkeit leiden. Hinzu kommt, dass ältere Menschen körperliche Einschränkungen bekommen. Dann fehlt natürlich auch die Mobilität, besonders im ländlichen Raum, welche zusätzlich die Isolierung dieser Personen fördert. Im Einsamkeitsreport, der bereits erwähnt wurde, wurde eingeschätzt: Die Mehrheit der Menschen in Deutschland kenne das Gefühlt der Einsamkeit. Rund 60 % litten im privaten Umfeld häufig, manchmal oder selten unter diesem negativen Gefühl. Für 4 % sei Einsamkeit sogar ein häufiger Begleiter. 13 % geben an, manchmal das Gefühl von Einsamkeit zu haben, 41 % zumindest selten. Im Alter kann Einsamkeit entstehen, wenn weniger soziale Kontakte bestehen als gewünscht; etwa, weil der Partner oder die Partnerin fehlt, verstorben ist oder engste Freunde nicht mehr da sind oder – wie vorhin erwähnt – die Familie weggezogen ist. Die Folgen von Einsamkeit können Depressionen und Antriebslosigkeit sein. Nicht wenige Seniorinnen und Senioren verlieren auf Dauer ihren Lebensmut. Doch wer denkt, dass Einsamkeit – das wurde ebenfalls schon erwähnt – nur ein Problem von älteren Menschen ist, der irrt. Laut der aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse, welche in diesem Monat veröffentlicht wurde, sind immer häufiger junge Menschen von Einsamkeit betroffen. Bei den 18- bis 39-Jährigen geben 68 % an, dass sie sich häufig, manchmal oder selten einsam fühlen. Sie geben auch an, dass sie dies sehr belastet. Junge Frauen sind hiervon im Übrigen öfter betroffen als Männer, und insbesondere die Pandemie hat die Einsamkeit verstärkt. Diese Einsamkeit, die auch Kinder fühlen, kann im Erwachsenenalter beispielsweise Einfluss auf psychische Erkrankungen, eine höhere Stressbelastung oder Mobbing, sogar – wie es schon erwähnt wurde – suizidale Folgen haben. Auch wenn ich es eine sehr schöne Aktion finde, dass in Sachsen Schülerinnen und Schüler Post gegen Einsamkeit an Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen und weiteren Einrichtungen schreiben, um ihnen zu Weihnachten ein wenig von der Einsamkeit zu nehmen, ist es doch unsere Aufgabe, etwas dagegen zu tun. Deswegen ist es wichtig, dass die Finanzierungs- und Beratungsangebote in diesen Bereichen gesichert werden und keine Kürzungen in der aktuell schlechten Haushaltslage vorgenommen werden. (Beifall BSW) Es ist im Gegenteil eigentlich nötig, die bestehenden Angebote auszubauen. Zusätzlich benötigen wir einen Ausbau der Begegnungsstätten, von Kulturangeboten und Freizeitaktivitäten, die ohne finanzielle Belastungen und mit einfachen Zugängen für alle Altersgruppen nutzbar sind. Für die steigende Zahl der jüngeren Menschen, die sich einsam fühlen, benötigt es eine Sensibilisierung der Pädagoginnen und Pädagogen sowie der Schulsozialarbeiter/-innen, aber auch der Eltern, damit sie die Warnsignale von Einsamkeit erkennen. Zudem braucht es den Ausbau von Jugendclubs und Freizeitangeboten, die den sozialen Zusammenhalt und die Partizipation von jungen Menschen fördern. Zusätzlich fordern wir in unserem Antrag auch eine landesweite Hotline gegen Einsamkeit, die bei der Vermittlung von Angeboten und Unterstützung in Notfällen hilft; denn nicht jeder weiß, wo er hingehen muss, wenn es ihm gerade schlecht geht. Enden möchte ich mit einem Zitat einer betroffenen Person, die meines Erachtens die Problematik sehr gut beschreibt: „Ich kann meine eigenen Gedankenschleifen nicht mehr hören. Einsamkeit tut nur weh. Ich schäme mich ein bisschen dafür, einsam zu sein. Einsamkeit ist ähnlich wie Depression. Ich bin so müde davon, mich selbst zu behüten. Einsamkeit hat so viele Gesichter. Man kann so viel haben, aber trotzdem einsam sein.“ Danke. (Beifall BSW und Staatsministerin Petra Köpping) Dritter Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Scheibe: Danke, Frau Pfau. Möchte ein Vertreter oder eine Vertreterin der CDU noch einmal sprechen? (Daniela Kuge, CDU: Nein!) Nun frage ich die AfD-Fraktion. – Bitte.

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