Juliane Pfeil
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich zitiere zu Beginn aus der Stellungnahme des SMK, weil ich finde, dass dieses sehr treffend zusammengefasst hat. Darin steht nämlich auf Seite 2: „Zu I.: […] Die Antragsteller verfügen über geringe Fachkenntnisse zur pädagogischen Praxis an Kindertageseinrichtungen im Freistaat Sachsen, wenn sie den Sächsischen Landtag feststellen lassen wollen, dass dort flächendeckend ein bildungshemmendes Diktat des Kindes herrscht.“ Herr Minister, großartig, was Ihre Stellungnahme da heute hergegeben hat. Eigentlich würde das schon ausreichen. (Staatsminister Christian Piwarz: Was wahr ist, ist wahr!) Der Sächsische Bildungsplan – die Kollegen haben es schon gesagt; Herr Gasse, Frau Melcher, auch Frau Schaper hat es gesagt – ist eine ganz große Errungenschaft, um den uns sehr viele Bundesländer seit vielen Jahren beneiden. Ja, es war an der Zeit, dass dieser überarbeitet wird, und ja, das dauert; denn dieser Bildungsplan ist unglaublich umfangreich. Er betrifft eigentlich alle Lebens- und Lernsituationen, die Kinder in unseren Einrichtungen haben und bedenkt ganz vieles: Deswegen braucht es Zeit, ihn qualitativ zu überarbeiten. Vor allem macht er eines: Er geht immer vom Kind aus. Frau Melcher hat es gerade gesagt: Unser Bildungsplan ist keiner, der nur davon ausgeht, dass Erwachsene festlegen, was Kinder lernen müssen und welche Fähigkeiten sie zu welchem Zeitpunkt haben müssten, sondern er geht davon aus, welche Fähigkeiten und Bedarfe Kinder haben, und stellt diese in den Mittelpunkt. Er erkennt auch an, dass Kinder unterschiedlich viel Zeit brauchen, um sich entsprechend zu entwickeln. Aufwachsen, das ist nun einmal etwas, das in unterschiedlichem Tempo abläuft. Wir reden an dieser Stelle nicht von großen Kindern, sondern von Kindern, die drei bis sechs Jahre alt sind und die alle Zeit haben sollen, sich selbst zu entdecken. Die AfD erkennt sogar an, dass Kinder unterschiedlich sind, denn in der Begründung kann man zum einen lesen: „Den Grundschullehrern sitzen Kinder mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen gegenüber.“ Aber natürlich ist das keine Feststellung, mit der man sagen will, dass dies Chancen und Herausforderungen sind, die die Kinder haben, sondern für die AfD ist das ein Mangel. So lesen wir in der Begründung auch: „Nur so können langfristig wieder akzeptable Lernergebnisse erreicht […] werden.“ Akzeptabel – ein Kind muss also „akzeptabel“ in unserem System sein. Ich glaube, genau das ist der falsche Ansatz. (Beifall bei der SPD und den BÜNDNISGRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Thema Verschulung in den Kitas hat nicht erst die AfD aufgemacht, das muss man der Ehrlichkeit halber sagen. Auch vonseiten unseres Kultusministers wird zunehmend über ein verpflichtendes Vorschuljahr gesprochen. Wie können wir Kinder besser vorbereiten? Ich war mit den Kolleginnen Firmenich und Melcher erst diese Woche bei einer Veranstaltung der Paritätischen, wo wir sehr viel darüber gesprochen haben. Uns ist sehr viel Skepsis begegnet; denn die Erzieherinnen und Erzieher – das sind die Fachkräfte – haben zunehmend sehr große Sorge, ob sich dieses System dann wirklich noch am Kind orientiert – wir alle, wie wir da saßen. Das ist eher eine Diskussion „Bildungspolitiker gegen Finanzpolitiker“, das wissen wir. Deswegen sollten alle Kitas gern einmal die finanzpolitischen Sprecher einladen; das hilft mehr, als die Bildungspolitiker einzuladen. (Beifall bei der SPD – Heiterkeit des Abg. Holger Gasse, CDU) Wir sind gerade an einer gemeinsamen Stelle. Wir wissen, dass wir ein kleines Sparschwein im Kultusministerium haben, das ist die demografische Rendite, die es uns jetzt und auch zukünftig eigentlich ermöglichen könnte, mehr Personal und damit mehr Qualität in die Einrichtungen zu bringen. Wir als Bildungspolitiker haben alle die Sorge, dass dieses Sparschwein vom Finanzminister geschlachtet wird. Ich glaube, wir alle müssen gemeinsam kämpfen, dass dies nicht geschieht, sondern dass die demografische Rendite im System bleibt. Wir wissen: Es sind nicht nur die Kinder, die mehr Zeit brauchen. Wir wissen, dass auch die Eltern zunehmend mehr Zeit in Anspruch nehmen und dass die Erzieherinnen und Erzieher sehr wohl das gesamte Lebensumfeld des Kindes in den Blick nehmen. Auch für die Eltern braucht es an dieser Stelle mehr Zeit. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir lehnen diesen Antrag natürlich vehement ab. (André Barth, AfD: „Vehement“!) Mir kommt es ein bisschen so vor, als wären wir 50 Jahre in die Vergangenheit gereist. Das wollen wir natürlich nicht. Wir wollen weiterhin eine gute Zukunft für unsere Kinder im Freistaat Sachsen und setzen dafür ganz klar auf mehr Qualität und mehr Zeit für unsere Kinder. (Beifall bei der SPD, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung – Zuruf des Abg. André Barth, AfD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Gibt es noch Redebedarf vonseiten der Fraktionen? – Das ist nicht der Fall. Dann kommt die Staatsregierung zu Wort, Herr Minister Piwarz.
