Frank Schaufel
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Eine Fortentwicklung ist immer gut. Wenn es dabei um die schulische Bildung geht, ist es noch viel besser. Wenn dabei die Ergebnisse stimmen, ist es am besten. Mit dem Strategieprozess „Bildungsland Sachsen 2030“ soll der Staatsregierung dieser Wurf nun gelingen. Ohne Frage ist die Ambition groß. Die entstandenen Ideen, Empfehlungen, Maßnahmen, Vorschläge sind noch viel größer. Ich möchte an dieser Stelle lobend erwähnen, dass sich die Staatsregierung für ein so großes Vorhaben nicht nur der eigenen Mitarbeiter bedient, sondern neben einem Expertengremium auch die betroffenen Schüler, Lehrer, Eltern usw. in den Bildungsforen einbezogen hat. Das sind Personen, die ein berechtigtes Interesse an dem Thema „Schule von morgen“ haben und viele Erfahrungen einbringen können. Sie können sich aber denken, dass nach dem Lob die Kritik folgt. Auch wenn der Prozess vielschichtig war und gerade die Einberufung der fünf Bildungsforen eine tatsächliche Mitbestimmung zeigen sollte, gab es kritische Stimmen. In den Bildungsforen, in denen der Praxischeck erfolgen sollte, wünschte man sich, nicht nur die Empfehlungen des Expertenrates bewerten, sondern auch neue Vorschläge einbringen zu dürfen. Es war nicht die Form der Beteiligung, die man bei der Bewerbung für die Foren erwartet hatte. Als Kompromiss konnten die Vorschläge als Anmerkungen der einzelnen Foren aufgeschrieben und an den Kultusminister übergeben werden. Wir dürfen sehr gespannt sein, was davon tatsächlich berücksichtigt wird und inwieweit die regional teilweise unterschiedlichen Einschätzungen am Ende widergespiegelt werden. Ich möchte Ihnen hierzu ein paar Beispiele aus den Handlungsempfehlungen geben. Erstens: Unterricht nach dem Biorhythmus. Was bedeutet das? Die Schule beginnt nicht vor 8 Uhr und ist ganztägig bis 18 Uhr geöffnet. Die Schüler sollen den ganzen Tag lang flexibel lernen können. Während in den Bildungsforen Dresden oder Leipzig die Mehrheit dieser Empfehlung zustimmte, waren es in Chemnitz nur 45 %. Als Begründung wurden die schwierigen Verkehrsanbindungen im ländlichen Raum oder das bloße Verschieben der Unterrichtszeit genannt. Ich mache darauf aufmerksam, dass der Vereinssport bei uns nicht in der Schule, sondern außerhalb von ihr stattfindet. Zweitens: Anstelle von Unterrichtsausfall werden gezielt digitale Lernmedien genutzt. Hier gab es interessanterweise einen gegenteiligen Trend. Beim Bildungsforum Dresden stimmten nur knapp 33 % zu. In Chemnitz waren es 65 %. Was waren die Gründe? Die Befürchtungen waren beispielsweise, dass so einfach der Lehrermangel kompensiert werden soll. Außerdem fehlten den Teilnehmern die notwendigen Unterscheidungen zwischen Grundschule und weiterführender Schule. Drittens: Alternative, auch digital gestützte Rückmeldeformate. Hierbei ging es darum, die Leistungen der Schüler bis mindestens Klasse 8 in anderer Form als durch die klassischen Noten von 1 bis 6 zu bewerten. Während in Dresden fast 65 % zustimmten, waren es in Chemnitz nicht einmal 30 %. Kontrovers wurde hier vor allem die Umsetzung diskutiert. Woher kommen die Ressourcen beispielsweise für schriftliche Rückmeldungen? Wie vergleichbar sind diese Bewertungen? Sehr geehrte Damen und Herren! Diese drei Beispiele sind nur ein Teil der kontrovers diskutierten Empfehlungen. Die abgelehnten Handlungsempfehlungen habe ich dabei noch gar nicht berücksichtigt. Aber bereits hier sind Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen sichtbar. Manchmal ist es der Stadt-Land-Unterschied, manchmal die Ausstattung der Schulen oder der Mangel an Lehrkräften, die zu diesen Unterschieden führen. Insgesamt ist es nun die Aufgabe des Kultusministeriums, sinnvolle und vor allem für alle Regionen umsetzbare Vorschläge für eine Fortentwicklung der schulischen Bildung zu unterbreiten. Ich sagte es bereits am Anfang: Eine Fortentwicklung ist immer gut. Wenn es dabei um die schulische Bildung geht, ist es noch viel besser. Wenn dabei noch die Ergebnisse stimmen, ist es am besten. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der AfD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Die Linksfraktion bitte, Frau Neuhaus-Wartenberg.
