Juliane Pfeil
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Oftmals wird der Denkmalschutz nur als eine Form von Erhalten und Konservieren gedacht. Man muss sich aber immer bewusst sein, dass die Erzählung der Geschichte immer auch eine zeitgenössische Interpretation ist. Die Denkmalpflege muss sich an zeitgemäße und zukünftige Herausforderungen anpassen und auch Antworten darauf geben; denn nur das Vergangene bewahren zu wollen, ohne es im Licht der Gegenwart zu betrachten, bedeutet Stillstand und keine Entwicklung, die in die Zukunft gerichtet ist. Denkmäler müssen sich auch mit Leben füllen und sind nicht nur tote Zeitzeugen. Wer den Denkmalschutz ohne die wichtigen Herausforderungen des Klimawandels, der Energiewende, der Energieeffizienz, der Barrierefreiheit, der Digitalisierung oder des Fachkräftemangels denkt, ist auf dem Holzweg. (Beifall der Abg. Sabine Friedel, SPD) Dafür gilt es, Lösungen zu finden. Mit diesem Antrag wollen wir als Koalition einen Beitrag dazu leisten. Das lässt sich vor allem unter Abschnitt II des Antrags nachlesen. Wie Sie unschwer erahnen können, haben wir als SPD uns insbesondere für den Punkt der guten Arbeit starkgemacht, denn die Denkmalpflege und das damit verbundene Handwerk brauchen gute Arbeits-, Qualifikations- und Weiterbildungsbedingungen, um auch zukünftig den benötigten Nachwuchs an Arbeits- und Fachkräften zu binden. Wie das SMR in seiner Stellungnahme bereits ausführte, gehen wir das in Sachsen unter anderem mit dem Denkmalnetz an, welches vom Freistaat mitfinanziert wird. Auch die Handwerkskammern in Sachsen leisten bereits einen unverzichtbaren Beitrag. So informiert und berät etwa in Leipzig das Umwelt- und Transformationszentrum der HWK die regionalen Handwerksbetriebe bei technischen, betrieblichen oder rechtlichen Fragen. Die Handwerkskammern bieten in Kooperation mit dem Denkmalnetz Sachsen Praxisseminare für Fachkräfte an. Die Jugendbauhütten und die Handwerksbetriebe bieten Jugendlichen die Möglichkeit, im Rahmen eines freiwilligen Jahres erste praktische Erfahrungen in der Denkmalpflege zu sammeln, und tun damit auch etwas für die Gewinnung der Fachkräfte von morgen. Das sind nur ein paar Beispiele, aber genau diese und weitere gilt es auszubauen. Im Antrag sind uns selbstverständlich noch weitere Punkte wichtig; denn wie vorhin bereits angesprochen, muss sich der Denkmalschutz an die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen anpassen. Eine davon möchte hier besonders nennen: die Energiewende. Der Denkmalschutz und auch die Denkmalpflege wurden aus unserer Sicht zu lange als bremsend wahrgenommen und suchen nun eine neue Rolle – die sich spätestens mit der Feststellung des überragenden öffentlichen Interesses an erneuerbaren Energien verändert hat. Dem muss man jetzt auch Rechnung tragen. Wer den Denkmalschutz als Vehikel zur Verhinderung der erneuerbaren Energie benutzt, der ist auf dem falschen Weg. Kollege Löser hat schon angesprochen, wie viele Häuser unter Denkmalschutz stehen. Ich möchte nur einmal die Zahlen von Dresden und Leipzig nennen: In Leipzig sind es etwa 12 000 Häuser, in Dresden sind es etwa 9 300. Wie schon mehrfach erwähnt – das ist sie übrigens, die Broschüre „Denkmalschutz und Solarenergie in Sachsen“ –, sieht man sehr eindrücklich, wie gut das funktioniert: Solar in Denkmälern integriert, auch in alte Häuserzeilen. Das funktioniert wunderbar. Ich würde jedem empfehlen, sich das anzuschauen, bevor man gleich mit Schaum vor dem Mund behauptet, das funktioniere alles nicht. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir möchten um Unterstützung für diesen Antrag ganz herzlich werben. Ich bedanke mich an dieser Stelle auch für die gute Zusammenarbeit. Denkmalschutz ist oftmals ein träges Thema, aber es dient auf alle Fälle auch dazu, uns zu zeigen, wie viel wir aus unserer Geschichte mitnehmen können und wie wir sie auch in die Zukunft tragen können. Ich bedanke mich an dieser Stelle und bitte um Unterstützung. (Beifall bei der SPD und den BÜNDNISGRÜNEN)
