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Petra Čagalj Sejdi

GRÜNE 08.11.2023 Sitzungen 7/78

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt kommt mein erster Satz auf Sorbisch; also, verzeihen Sie mir, wenn es nicht so gut läuft. (Die Abgeordnete setzt ihre Rede in sorbischer Sprache fort. – Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU und der SPD) Ich freue mich, dass wir heute in dieser Plenarsitzung das Thema Sorbinnen und Sorben als ein wichtiges Anliegen besprechen und darüber diskutieren und dass wir als sächsisches Parlament deutlich machen werden, welche wichtige Rolle das sorbische Volk bei uns in Sachsen spielt. Wie ich es eben schon gesagt habe, war es leider mein erster Satz auf Sorbisch. Ich wünsche mir, dass ich eines Tages noch viel mehr Sätze sprechen werde. Ohnehin wäre es meiner Meinung nach schön, wenn wir die sorbische Sprache viel häufiger im Parlament hören würden, nicht nur dann, wenn es um den Bericht zur Lage des sorbischen Volkes geht, sondern auch an anderen Stellen. Es ist die zweite Sprache in unserem Freistaat und diese sollten wir auch mehr schätzen, mehr loben und mehr hervorheben. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eine Sprache lebt erst dann richtig, wenn sie gesprochen, wenn sie gehört wird, wenn sie überall und ständig allgegenwärtig ist. Sie wird auch nur dann erhalten, wenn alle daran mitarbeiten, diejenigen, die sie sprechen, und diejenigen, die sie noch nicht sprechen. Dass die sorbische Sprache hier bei uns in Sachsen immer noch präsent ist, das ist natürlich in erster Linie das Verdienst aller Sorbinnen und Sorben, die sich dafür einsetzen, die sie sprechen und die sie vor allem mit uns Nicht-Sorben teilen. Es ist auch ein Ergebnis, das aus den Maßnahmen resultiert, die die Sächsische Staatsregierung gemeinsam mit den Sorbinnen und Sorben in den letzten Jahren entwickelt und umgesetzt hat. Wir sind hier auf einem guten Weg, wie uns der Bericht zeigt. Aber auch bei guten Wegen ist es natürlich immer so, dass auch noch mehr und dass es auch noch besser geht. (Zuruf von der CDU: Genau!) Wie zum Beispiel in der Anhörung zum Bericht deutlich wurde, ist das Problem der sorbischen Lehrkräfte leider immer noch nicht behoben. Wir haben es ja auch in den Wortbeiträgen schon gehört. Wir haben verstärkt einen Lehrermangel an sorbischen Schulen. Ja, Lehrermangel ist derzeit allgemein ein großes Problem in Sachsen, aber Lehrermangel an einer sorbischen Schule ist ein essenzielles Problem. Denn was ist eine sorbische Schule ohne sorbischsprachige Lehrer? Wir haben dazu in der Vergangenheit Anstrengungen unternommen. Wir haben versucht, Lehrkräfte zum Beispiel aus Tschechien zu gewinnen. Aber leider, wie ich lesen kann, ist aus 30 Interessenten am Ende nur eine Anstellung geworden. Da müssen wir uns natürlich fragen: Woran lag das? Wir müssen vielleicht auch auswerten, was an dieser wirklich guten Idee am Ende nicht funktioniert hat. Wo waren denn die Hürden, die die tschechischen Lehrkräfte am Ende davon abhielten, hier bei uns zu unterrichten? In Gesprächen habe ich erfahren, dass es zum Beispiel auch an den bürokratischen Hürden lag, dass der Prozess oft zu lange dauerte, zu kompliziert war und die Interessenten dann zwischenzeitlich abgesprungen sind. Damit meine ich vor allem den Prozess der Anerkennung des ausländischen Studienabschlusses. Wenn wir wirklich Lehrkräfte aus dem Ausland für sorbische Schulen gewinnen wollen, dann müssen wir das auch mit ganzem Herzen angehen, dann müssen wir auch die bürokratischen Verfahren beschleunigen und dann müssen wir auch die Schulen und die Bewerber besser unterstützen. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU und der SPD) Neben den Lehrkräften aus dem Ausland werden wir natürlich auch weiterhin versuchen, Lehrkräfte im Inland zu gewinnen, einerseits neue auszubilden, aber andererseits schon unterrichtende Lehrer in sorbischer Sprache weiter unterrichten zu lassen. Dafür gibt es schon gute, existierende Maßnahmen und Programme wie die sorbische Sprachschule am Landesamt für Schule und Bildung. Auch hier muss man immer begleitend schauen, wie das angenommen wird. Wird es gut angenommen? Und wenn es nicht gut angenommen wird, wo liegen die Hürden? Wo müssen wir vielleicht noch mehr Anreize schaffen, damit nicht-sorbischsprachige Lehrer einen solchen Kurs besuchen, dass sie die Zeit aufbringen können? Das bedeutet für einen Lehrer gerade in der heutigen Zeit, in der es einen Lehrermangel gibt und Lehrer sowieso mehr Stunden haben, auch mehr Stress, mehr Arbeitsaufwand. Wo ist dann der Gewinn für die Lehrkraft, die sorbische Sprache zu erlernen? Wie können wir sie dazu bringen, dieses Engagement wirklich anzunehmen? Darüber sollten wir nachdenken. Das sollten wir uns überlegen. Wir haben gute Ideen in Sachsen. Wir müssen nur an manchen Stellen an der besseren Umsetzung arbeiten. Unser heutiger Entschließungsantrag und die Debatte dazu zeigen, dass wir das wollen, dass wir das können und dass wir das mit ganzem Herzen machen werden. Lassen Sie uns das mit ganzem Herzen tun! Eine Maßnahme, die ich auch sehr gut finde und die mir auch als Nichtsorbin sehr aufgefallen ist, ist das Servicebüro für die sorbische Sprache; denn das Servicebüro unterstützt die Kommunen, die Zweisprachigkeit reinzubringen. Sie unterstützt sie dabei, zweisprachige Schilder anzubringen, zweisprachige Beschreibungen, Beschriftungen anzubringen. Menschen wie mir, die dann in eine Ortschaft kommen und dies zum ersten Mal oder sehr selten erleben, fällt das sofort auf, und es wird uns präsent und gibt uns etwas mit. Ich glaube, das ist ein sehr wichtiger Effekt, den das Servicebüro mit sich bringt und natürlich auch die finanzielle Stütze für die Kommune, die dahintersteht. Lassen Sie uns das weiter begleiten, lassen Sie uns auch weiterhin darauf achten, ob der Betrag von 5 000 Euro ausreicht oder ob wir vielleicht an mancher Stelle noch einmal aufstocken müssen. Ich will aber an dieser Stelle nicht nur über Sprache sprechen; denn – auch wenn ich zugeben muss, dass mir Sprache immer ein besonderes Anliegen ist und dass mir auch die sorbische Sprache sehr am Herzen liegt – es gehört natürlich noch viel mehr zur Unterstützung und Förderung des sorbischen Volkes. Sprache ist nur ein Teil. Sie ist das Fundament – das haben wir heute schon gehört –, aber sie ist nur ein Teil. Ein großer weiterer Teil sind die Rechte und die gleichberechtigte Partizipation. Als Freistaat Sachsen unterstützen wir zum Beispiel die sorbische Domowina als Dachverband. Wir unterstützen die Stiftung für das sorbische Volk und damit auch viele Bestrebungen, Initiativen und Aktivitäten, die in diesem Rahmen stattfinden. Wir haben – und auch das ist etwas Besonderes – den Rat für sorbische Angelegenheiten hier bei uns in Sachsen. Die Frage, die ich mir dabei aber oft stelle, lautet: Ist das Themengebiet, mit dem sich der Rat für sorbische Angelegenheiten beschäftigt, manchmal vielleicht doch zu begrenzt? Müssen wir auch mal darüber hinaus denken, dass es nicht nur Themen sind, die das Siedlungsgebiet betreffen? Denn Sorbinnen und Sorben leben heutzutage nicht mehr nur im Siedlungsgebiet. Sie leben auch darüber hinaus, sie partizipieren auch an anderen Orten, sie bringen Eindrücke ein und nehmen sie auf. Wir dürfen also ganz allgemein, wenn wir uns auf die Unterstützung der Sorbinnen und Sorben beziehen, nicht immer nur auf das angestammte Siedlungsgebiet schauen, sondern wir müssen auch darüber hinaus schauen. Wir müssen auch in die großen Städte schauen, wo mittlerweile viele Sorbinnen und Sorben leben, die Kinder haben, denen sie ihre Sprache vermitteln wollen. Dabei sind auch Gedanken und Ideen, Sprachkurse online möglich zu machen oder in den Städten über das Siedlungsgebiet hinaus Angebote für Kinder zu schaffen, nicht beiseitezuschieben, sondern es ist auch darüber nachzudenken, ob wir dafür noch weiter und verstärkter arbeiten. Das Fördern und Unterstützen ist der wichtigste Punkt. Wir müssen die Sprache unterstützen und die Kultur fördern. Und wir müssen die Erfahrungen, die Sorbinnen und Sorben in unsere Gesellschaft einbringen, als Bereicherung aufnehmen, als Bereicherung für die Minderheit, aber auch für die Mehrheit. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten! Lassen Sie uns das gemeinsam angehen und lassen Sie uns zeigen, dass Sorbinnen und Sorben ein wichtiger Teil der sächsischen Kultur sind! Danke schön. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der CDU) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Das war Frau Čagalj Sejdi für die BÜNDNISGRÜNEN. Für die SPD-Fraktion jetzt bitte Sabine Friedel.

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