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Volkmar Winkler

SPD 21.09.2023 Sitzungen 7/77

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Es ist mir eine Freude, mich nach dieser hitzigen Ersten Aktuellen Debatte jetzt in sächsische Gärten zurückzuziehen, ganz besonders, weil ich gelernter Gärtner bin und mich sehr oft in meinem eigenen Garten aufhalte. Die Spannbreite von Sachsens Gärten ist sehr groß. Hier gibt es alles, vom Kleingarten – eben genannt – über barocke Schlossgärten bis hin zu Landschaftsparks. Was sie alle eint: Es sind grüne Oasen, in denen die Menschen gern verweilen, um sich vom stressigen Alltag oder von der Politik der AfD zu erholen und einfach abzuschalten. (Beifall bei der SPD, den LINKEN, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung – Widerspruch von der AfD) Es ist ein Rückzugsort für Tiere. Parks und Gärten leisten gerade in den Städten Beachtliches für die Ökosysteme, die Artenvielfalt, die Luftqualität, die Lufttemperatur, den Wasserhaushalt oder die Selbstversorgung, wenn man die Kleingärten einbezieht. Ich will die Zahl noch einmal wiederholen: Es gibt allein in Sachsen 3 400 Vereine, die sich mit Kleingärten beschäftigen. In die Betrachtung sollten wir dabei urbane Gärten einbeziehen – Kollege Breitenbuch hat es angesprochen. Friedhofsanlagen sind wertvolle ökologische Gebiete und bringen ökologische Leistungen. Friedhöfe gelten beispielsweise als Hotspots der Artenvielfalt in den Städten. Ein Grund, warum wir die Debatte heute führen, ist, dass Parks und Gärten in Sachsen zunehmend unter Stress geraten, Stress durch Trockenheit, Stress durch Wassermangel und andere Auswirkungen, die die vom Menschen gemachte Klimakrise mit sich bringt. Dadurch werden sie anfällig für Krankheiten, für Schädlinge. Ein trauriges Bild dafür – das muss ich so sagen – ist das Baumsterben im Großen Garten hier in Dresden. Jeden Tag verliert der Große Garten einen alten Baum. Das ist alarmierend, werte Kolleginnen und Kollegen. Das können und dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Wir werden es nicht hinnehmen. Wir brauchen diese Parks und Gärten als Hitzeinseln – da wiederhole ich mich, und das mache ich gern –, als Wasserspeicher, als Kohlenstoffspeicher und für die Artenvielfalt; gerade in den Städten. Wir brauchen mehr Begrünung und intakte Stadtnatur, nicht nur in Parks und Gärten, sondern auch an Gebäuden und auf Dächern. Die Koalition im Freistaat hat dafür Geld in den Doppelhaushalt eingestellt. In diesem Jahr wurde bereits das Landesprogramm für Stadtgrün und Lärmminderung durch zusätzliche Fördermittel aufgestockt. Es können nun Vorhaben bis zu einem Umfang von 100 000 Euro aus Landesmitteln finanziert werden. Das ist gut angelegtes Geld in einem tatsächlich nachhaltigen Sinn. Wenn man einen ökonomischen Ansatz und hierbei eine Inwertsetzung von Ökosystemdienstleistungen wählt, dann zeigen Ergebnisse aus der Forschung Folgendes: Ein circa 150 Hektar großer Park – der Große Garten hat 150 Hektar – kann in einem intakten Zustand pro Jahr knapp 600 Tonnen CO binden. Das entspricht einer Klimaschutzleistung von etwa 100 000 Euro. Er kann pro Jahr 6 Tonnen Schadstoffe aus der Luft filtern. Damit können Gesundheitskosten – ich nenne keine Summe, weil diese sicher infrage gestellt würde – vermieden werden. Bei Starkregen kann so ein Park bis zu 15 000 Kubikmeter Niederschlag aufnehmen. Das spart der Stadt Dresden mehrere 100 000 Euro, welche sie sonst in den Ausbau einer Kanalisation investieren müsste. Eine gute Parkpflege kostet auch Geld, doch die grünen Oasen geben der Gesellschaft ein Vielfaches davon zurück, nicht nur monetär, sondern auch durch ein besseres Wohlbefinden der Bevölkerung. Das ist wissenschaftlich belegt. Was uns politischen Entscheidern bewusst sein muss: Parks und Gärten stehen in der Stadtplanung in Konkurrenz mit Bau- und Infrastrukturprojekten und ziehen dabei oft den Kürzeren. Grüne Infrastruktur in den Städten sollte Teil der Daseinsvorsorge werden, um sie besser schützen zu können. Das sage ich als Vertreter einer Partei und Fraktion, welche sich für soziales und bezahlbares Wohnen einsetzt und das für sehr wichtig hält. Hier müssen Lösungen gefunden werden, die die Nutzungskonkurrenzen besser ausgleichen. Das Thema Bundesgartenschau wurde genannt. Die SPDFraktion – nicht nur hier im Landtag, sondern auch in der Stadt – unterstützt natürlich die Bewerbung Dresdens für die BUGA. Als Abgeordneter im ländlichen Raum möchte ich mich Frau Mertsching anschließen, die das Problem unserer Kleingärtner genannt hat. Ich will das unterstreichen. Unsere Kleingärtner haben Sorgen in den kleineren und mittleren Städten. Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Herr Winkler, kommen Sie bitte zum Ende.

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