Antje Feiks
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir absolvieren das letzte Plenum vor den Sommerferien; ein guter Zeitpunkt, um über Tourismus zu reden. Trotzdem möchte ich über die Kehrseiten der schönen Urlaubszeit sprechen. Das tun wir viel zu wenig, und es handelt sich dabei auch nicht um eine Petitesse. Es gibt immer mehr Menschen, die sich schlichtweg keinen Urlaub leisten können. Knapp 20 % konnten sich schon 2021 nicht einmal mehr einen einwöchigen Urlaub leisten; ähnlich oder schlimmer sehen die derzeitigen Erhebungen aus. Preissteigerungen führen dazu, dass der Besuch von kulturellen Einrichtungen, kulturellen Veranstaltungen und Gastronomie ausfallen muss. Logischerweise müssen die Einrichtungen und Gastronomiebetreiber steigende Kosten umlegen. Wie sollen sie sonst von dem leben, was sie jeden Tag tun? Dennoch ist die Folge, dass eine dreiköpfige Familie im Restaurant gut und gerne hundert Euro lässt. Das ist für viele kaum mehr zu schaffen. Es mag nach Träumerei klingen, aber ich wünsche mir, dass jeder, der gerne möchte, an Freizeiterlebnissen und Reisen teilhaben kann. Ich wünsche mir, dass diejenigen, die solche Angebote machen, erstens davon leben können und zweitens nicht bis zur Erschöpfung arbeiten müssen. (Beifall bei den LINKEN) Hotellerie und Gastronomie sind mit Sicherheit keine Branchen, in denen es sich einfach gut leben lässt. An vielen Stellen ist nur noch aufgrund der Leidenschaft, die Betreiberinnen und Betreiber an den Tag legen, überhaupt ein Angebot da, und Gastronomen stehen oft weit über die zulässigen Arbeitszeiten in der Gaststätte und bewirten Gäste – auch, weil sie keine Fachkräfte finden. Jetzt könnte man es sich leicht machen und sagen, dass das der Markt regeln muss; aber das sehen wir anders. Erholung ist ein lang erkämpftes Recht und wirkliches Abschalten ist in den eigenen vier Wänden weitaus schwerer als an anderen Orten. Und wie soll man in einer Dreizimmerwohnung mit drei Kindern wirklich entspannen? Auch im touristischen Bereich macht sich mithin die soziale Spaltung mehr und mehr bemerkbar. Weil wir die Gefahren und die Situation derzeit sehen, fordern wir im touristischen Bereich ein Umdenken. Betreiberinnen und Betreiber von Beherbergungsbetrieben, Reiseanbieter, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen sollen dabei unterstützt werden, ihre Angebote für diejenigen bewusst zu öffnen, die aufstocken müssen, die Sozialleistungen beziehen, die niedrige Einkommen haben. Wer sich sozial engagiert, muss davon profitieren können. Damit werden Beschäftigte gefördert und Menschen mit niedrigem Einkommen unterstützt. Um Fachkräften gute Arbeitsbedingungen im touristischen und gastronomischen Bereich zu bieten, wollen wir ernsthafte Pilotprojekte, in denen neue Arbeitsformen getestet werden. Warum nicht eine Fachkraft für mehrere Einrichtungen einstellen, dann aber mit einem Stundenrahmen, der sinnvoll ist und mit einer Bezahlung, die stimmt? Solche neuen Beschäftigungsmodelle entstehen leider in der Privatwirtschaft nicht von allein oder nur sehr langsam, aber der Freistaat kann hier gezielt mit Förderung helfen. Weiterhin wollen wir, dass Betreiberinnen und Betreiber, die preiswerten und nachhaltigen Urlaub in den Regionen anbieten, dauerhafte Unterstützung bekommen. Es darf nicht sein, dass diejenigen, die ein geringes Einkommen haben, nur noch in Jugendherbergen übernachten können. Und wir fordern ganz generell, dass neben Kultur auch Segmente der Tourismusbranche als Daseinsvorsorge verstanden werden, denn Attraktivität von Regionen bemisst sich eben auch daran, ob es eine touristische und Freizeitinfrastruktur gibt. Wenn Menschen im Urlaub oder an Wochenenden keine offenen Einrichtungen vorfinden, werden sie nicht wiederkommen. Beispielsweise betonte der Oberbürgermeister der Stadt Zittau, dass aufgrund der angespannten finanziellen Lage der Kommunen die Tourismusförderung, insbesondere im ländlichen Raum, kaum agieren kann. Daseinsvorsorge, ob im Tourismus oder in der Kultur, geht nur mit einer starken Unterstützung der Akteure und Akteurinnen vor Ort. Das sind nur ein paar Gedanken, auf welchen Weg man sich begeben könnte. Im Masterplan Tourismus hat die Staatsregierung wunderbar klingende Themenfelder benannt, die hauptsächlich die Touristen, die eben nicht in Sachsen leben, im Blick haben. Um bösen Zungen vorzubeugen: Wir wünschen wirklich allen einen schönen Urlaub in nah und fern. Er ist wohlverdient, er ist eine erkämpfte Errungenschaft und in schnelllebigen Zeiten umso wichtiger. Den Betreiberinnen und Betreibern von touristischen und gastronomischen Einrichtungen wünschen wir eine erfolgreiche Hauptreisezeit und viele Gäste aus nah und fern. Wir wünschen uns auch, dass alle Kinder und Jugendlichen in Sachsen erlebnisreiche Ferien haben und dass es möglichst vielen gelingt, Auszeit und Erholung an den Orten zu genießen, wo sie dies gern möchten. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN)
