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Sandra Gockel

CDU 05.07.2023 Sitzungen 7/73

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Begabungsförderung ist kein Randthema, nichts Zusätzliches. Es ist der Kern von Bildung in und durch Kita und Schule. Die Debatte führt zu den zentralen Fragen, die immer und immer wieder vor dem Hintergrund des Auftrags aus der Verfassung und der gesetzlichen Maßgaben an die Verantwortlichen gestellt werden müssen. Der Antrag soll die Vielzahl von Aktivitäten und Maßnahmen hinterfragen und zum Diskurs stellen; denn einerseits war es ein sächsisches Markenzeichen – und das soll es zukünftig bleiben –, dass wir neue Wege gegangen sind und Begabungen nicht als Hochleistung gesehen haben, sondern als Anspruch, jedem Kind gerecht zu werden. Diesem Anspruch hat – die Zeiten ändern sich – die Institution Schule besonders gerecht zu werden. Sie hat eine Bringschuld, auch unter den aktuellen Herausforderungen. Eingelöst werden muss dieser Anspruch in der täglichen Begegnung von allen an Schule Beteiligten. Hierin liegt die große Herausforderung. Ziel und Maßstab sind das eine; diesen Anspruch in die Breite zu tragen, vor allem nachhaltig in der Breite zu sichern, das andere. Dieser Anspruch bleibt eine ständige Aufgabe. Diese Aufgaben haben wir mit diesem Antrag der Schulverwaltung gestellt. So positiv das Engagement vieler immer wieder Besonderes hervorbringt, so viel Potenzial bleibt aber strukturell und Finanzausschusses in der Drucksache 7/13742 ab. Es liegen keine Änderungsanträge vor. Ich schlage Ihnen deshalb vor, dass wir im Block abstimmen. Gibt es Widerspruch? – Das ist nicht der Fall. Dann rufe ich auf: die Überschrift, Artikel 1, Artikel 2. Wer möchte die Zustimmung geben? – Gibt es Gegenstimmen? – Sehe ich keine. Gibt es Stimmenthaltungen? – Auch keine. Damit ist dem einstimmig zugestimmt. Wer nun dem Gesetzentwurf zustimmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Gibt es Gegenstimmungen? – Stimmenthaltungen? – Das ist nicht der Fall. Damit ist das Gesetz einstimmig beschlossen. Meine Damen und Herren! Es liegt mir ein Antrag auf unverzügliche Ausfertigung dieses Gesetzes vor. Wird dem widersprochen? – Das ist nicht der Fall. Dann verfahren wir so. Ich schließe den Tagesordnungspunkt, und wir kommen zu im Freistaat Sachsen CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD und konzeptionell noch ungenutzt. Ich wiederhole deshalb: Die Förderung von Begabung ist keine Bitte, sondern wir verlangen den Nachweis, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Das Ausschöpfen der Möglichkeiten gelingt zuerst, wenn die Schulverwaltung ihre Möglichkeiten weiterhin intensiv nutzt. Das erfordert, dass entscheidungswillige und -bereite Lehrer in unseren Schulen wirken können. Konzeptionen sind ausreichend vorhanden. Nun heißt es, Freiräume noch stärker nutzen. Vor allem bedarf es in den Schulen stärker der Unterstützung jener, die sich für die anspruchsvolle Aufgabe der Begabtenförderung engagieren. Was selbstverständlich klingt, ist noch nicht überall Selbstverständlichkeit. Dieses zukunftssichernde Thema hat nur eine Chance, wenn es gelingt, das Heil nicht im Mehr, sondern im Weniger, im Schaffen von Freiräumen zu suchen. „Freiraum durch Persönlichkeit“ lautet seit Beginn der Zweitausenderjahre das afranische Motto. „Freiräume“ meint das Schaffen von Impulsen, Individualität, Motivation und persönlichen Erfolg zu fördern. „Freiräume“ meint auch – ich betone es – ein Mehr an inner- wie außerschulischer Förderung. Eine große Herausforderung ist, die Bereitschaft der Eltern zur Unterstützung der Kinder nicht vorauszusetzen, aber doch zu erleichtern. Es erfordert, auf die Eltern zuzugehen und Perspektiven nicht nur bei vermeintlichen Hochleistern zu formulieren, sondern die Begabung zu hinterfragen. Schule ist mehr als das Abarbeiten von Lehrplänen. Ich formuliere es etwas zugespitzt: Nur ein Lehrplan allein stärkt noch nicht die Innovationskraft unseres Landes. Es liegt in der Verantwortung der Pädagogen, Lehrpläne mit Inhalten und speziellen Themen zu füllen und Begabungen zu entfalten. Deshalb wurden im Pilotprojekt Sankt Afra im Jahr 2001 die Lehrpläne zum Fundamentum entschlackt, um interessengeleitete und begabungsfördernde Inhalte als Additum individuell zu erschließen. Ähnliches berichten die Experten aus der Kommission „Bildungsland Sachsen 2030“. Wenn ich in den Schulen Gespräche führe, höre ich, dass inzwischen auch Kreativität häufig im GTA-Bereich entsteht, dort, wo Lehrerinnen und Lehrer, wo Schulleitungen und – ich möchte herausstellen – engagierte Schulträger sich jenseits der Bürokratie auf den Weg machen. Seiteneinsteiger bringen in den Schulen Aspekte zum Tragen, die Veränderungen anstoßen. Das ist ein langer Weg. Umso wichtiger ist es, jetzt, vor der Sommerpause, die Debatte zu beginnen; denn jetzt ziehen auch die Familien Bilanz, formulieren ihre Erwartungen und Hoffnungen. Die Kinder stehen im Mittelpunkt, also dort, wo sie sich auch im Schulalltag fühlen sollten. Begabungen hat und kann jede Person entwickeln. Diese Erfahrungen müssen in der Schule uneingeschränkt im Fokus stehen. Nur positive Erfahrungen machen Mut. Diese Form von Schule ist kein Widerspruch zu einer konsequent leistungsorientierten Schule. Kinder sind leistungsfähig, wenn sie ihre individuellen Begabungen entfalten können. Das bringt sie auch dort voran, wo Herausforderungen größer sind. Ich bin überzeugt, dass genau das die Innovationskraft unseres Landes steigern wird. Wenn wir mit dem Antrag Bilanz ziehen, Rechenschaft fordern, so ist das keine Spiegelung der Erfolge in der Vergangenheit, sondern die Frage, wo gute Ansätze sind, die teilweise nicht mehr verfolgt werden, warum Projekte den Weg nicht in die Breite gefunden haben. Es ist die Frage danach, was verändert werden muss, damit die erfolgreichen Wege in Zukunft beschritten werden können. Es ist ein Signal an die Kolleginnen und Kollegen an den Schulen, weiter Mut zu fassen und den Widrigkeiten – die manchmal bestehen, die man ihnen stellt, meist durch wenige bereitet – entgegenzutreten. Eine Debatte über Begabungsförderung, die sich auf Quantitäten beschränkt, verkennt, dass es um Qualität geht. Wenig Themen sind so missverständlich geprägt wie das Thema Begabung. Fatal ist es, dieses Thema mit Hochleistung zu identifizieren, und genauso, allen für alles Begabung zuzuschreiben. Nirgendwo weht der Zeitgeist so heftig wie auf diesem Feld. Umso wichtiger ist es, dass dieses Thema immer und immer wieder diskutiert wird, vor allem aber, dass die Struktur in den Schulen auf Begabungen reagiert, sie erkennt und zum Anlass nimmt, gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Begabungen Raum zu geben heißt, differenziert zu diagnostizieren und Individualität zuzulassen, über Perspektiven zu sprechen und nicht das Hier und Heute für Entscheidungen über das Leben einzelner maßstäblich zu erachten. Wir sind gespannt auf die Antwort und freuen uns auf den weiteren gemeinsamen Weg im Sinne der Kinder und Jugendlichen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die BÜNDNISGRÜNEN spricht nun Frau Melcher, bitte.

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