Daniela Kuge
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es ist lobenswert, dass die BÜNDNISGRÜNEN dieses Thema in der heutigen Aktuellen Debatte aufgegriffen haben, um den Schutz der Menschen als vorrangiges Anliegen zu betrachten. (Beifall des Abg. Dr. Daniel Gerber, BÜNDNISGRÜNE) Ich möchte – Kollegin Kuhfuß ist schon gut auf die Probleme eingegangen – noch einige Aspekte aus gesundheitspolitischer Sicht einbringen und damit die Punkte von Kathleen Kuhfuß unterstreichen. Die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 °C hat sich in Deutschland im Vergleich zu den Fünfzigerjahren verdreifacht. In unseren Breitengraden nehmen Hitzewellen aktuell drei- bis viermal so schnell zu. Das vergangene Jahr war das viertwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dabei nehmen die besonders heißen Tage nicht nur in ihrer Häufigkeit, sondern auch in der Stärke zu. So kam es im Jahr 2022 – bei 4 500 Menschen – zu einer hitzebedingten Übersterblichkeit. Die Prognosen zeigen kein gutes Bild für die Zukunft. Modellrechnungen gehen davon aus, dass die hitzebedingte Mortalität zwischen 1 und 6 % pro 1 Grad Temperaturerhöhung steigen wird. Auch Rettungseinsätze und Krankenhausaufenthalte nehmen zu. Die hohen Temperaturen wirken sich auf verschiedene Art und Weise auf unseren Körper aus. Der Wasserund Elektrolytverlust durch Überhitzung schadet nicht nur dem Kreislauf, sondern auch dem Gehirn und den Nieren. Hinzu kommt, dass sich Vorerkrankungen der Nieren, des Herzens und der Lunge verschlechtern können. Auch das ungeborene Leben leidet unter der Hitze. Die Rate an Frühgeburten erhöht sich bei einer Hitzewelle regelmäßig. Selbst wenn man sich nicht zu einer Risikogruppe zählt, sinkt die Leistungsfähigkeit, da der Körper dauerhaft auf 34 °C heruntergekühlt werden muss. Doch die Hitzeperioden beeinträchtigen nicht nur durch hohe Temperaturen. Auch Pollenflug, Luftverschmutzung, bodennahes Ozon sowie UV-Strahlung, die sich intensiviert, ziehen Nachteile für Mensch und Umwelt mit sich. Das führt zu gereizten Augen und zu Atemwegserkrankungen. Die höhere UV-Strahlung ist – das dürfte mittlerweile jeder wissen – für die Haut und die Augen schädlich. Das kann zu Krebserkrankungen der Haut oder auch zu Linsentrübungen führen. Empfehlungen zur Erstellung eines eigenen kommunalen Hitzeplanes gibt der Bund gemeinsam mit den Ländern bereits seit dem Jahr 2017 heraus; es ist keine neue Erfindung des Bundesgesundheitsministers Lauterbach. Kommunen können zum Beispiel einen eigenen Hitzeplan erstellen oder einen Leitfaden für den Gesundheitsbereich erarbeiten. Dadurch, dass der Klimawandel zunimmt, werden wir sicherlich weiterhin über dieses Thema debattieren können. Unsere europäischen Nachbarn im Süden sind etwas weiter als wir. Sie haben bereits einen Hitzeplan, ein Hitzewarnsystem – zum Beispiel in Frankreich – mit vier Stufen. (Carsten Hütter, AfD: Ja, da ist’s ganz schön heiß momentan!) Dort gibt es kühle Räume, es wird Wasser ausgegeben und in den Kliniken wird die Bettenzahl aufgestockt. Hinzu kommt – das sollten wir uns und vielleicht auch das Sozialministerium überlegen – eine breite Kampagne in der Öffentlichkeit. Das mag vielleicht überflüssig klingen. Es hat aber einen Nutzen; denn vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie zur Risikogruppe gehören, zum Beispiel Personen über 65 Jahre, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen. Daher ist es vielleicht gut, darauf hinzuweisen, dass ein hoher Sonnenschutz benötigt wird. Sichere Sonnenbrillen, genügend Wasser trinken und keine körperliche Überbelastung – zum Beispiel durch Sport – sollten das Mindestmaß sein. Zahlreiche Trinkbrunnen im öffentlichen Raum – das kann jede Kommune für sich entscheiden – würden dabei helfen, gesundheitliche Zwischenfälle durch zu wenig Flüssigkeitszufuhr einzudämmen. Kathleen Kuhfuß ist bereits darauf eingegangen. Ich denke, Ihnen ist deutlich geworden, wie zunehmende Hitzewellen unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden negativ beeinflussen und welche Möglichkeiten es gibt, dem entgegenzuwirken. In Runde zwei wird mein Kollege Robert Clemen auf weitere Aspekte eingehen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und vereinzelt bei den BÜNDNISGRÜNEN – Beifall bei der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Die AfD-Fraktion, Herr Prantl, bitte.
