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Sandra Gockel

CDU 01.06.2023 Sitzungen 7/72

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Ich bin optimistisch, dass der jetzt bestrittene Pfad gute Antworten erbringt. Ich bin optimistisch, dass die Arbeit der Kommission Impulse gibt, die den notwendigen Veränderungsprozess befördern. Wir müssen als Gesetzgeber den Rahmen schaffen. Wir haben darauf zu achten, dass es um keine isolierte Debatte geht, sondern wir müssen diese als gesellschaftlichen Diskurs führen. Deshalb müssen von mir an dieser Stelle nur einige Schlagwörter genügen. Erstens: Schulhausbau. Ich habe Schule in Bestandsgebäuden des 19. Jahrhunderts und Neubauten entwickelt. Eine zentrale Einsicht bringe ich mit. Schulbauten sind in Beton gegossene Bildungspolitik. Wenn wir Flexibilität in den Lern- und Unterrichtsmöglichkeiten wollen, kann dies nicht durch eine Ansammlung gleicher Klassenzimmer, die auf einem bestimmten Klassenteiler geeicht sind, geschehen. Es gibt Themen, die vor einem größeren Forum viel besser darzustellen wären; aber es braucht auch Kleinteiligkeit. Wir können heute noch nicht absehen, wie Schule in 30 Jahren aussieht. Allein diese Debatte um den Schulhausbau würde Einsichten fördern in das, was notwendig ist. An der Flexibilität und Entwicklungsoffenheit im Schulhausbau zu sparen, ist der teuerste und am wenigsten nachhaltige Weg. Schule muss Lebensraum sein. Zweitens: Digitalisierung. Die Feststellung, dass digitale Medien und KI in der Schule der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen werden, ist banal. Das Erschließen von Wissen, der Zugriff auf Datenbanken und die ubiquitäre Verfügbarkeit von Wissen machen das bloße Erlernen von Themen absurd. Schüler müssen lernen, Wissen zu erschließen und zu verarbeiten. Dazu braucht es Neugier, aber auch solide Grundfertigkeiten im Lesen und im Umgang mit Zahlen und naturwissenschaftlichen Phänomenen. Der Grundschule wird daher eine noch stärkere Bedeutung zukommen. War Schule früher ein Tor zu modernen Entwicklungen, kommt heute Neues aus dem privaten Bereich in die Schule. Diesem Paradigmenwechsel muss man aktiv begegnen. Die Leistung – ich nenne ihn nur stellvertretend für viele –, die der Lehrer Schmidt auf Youtube erbracht hat, nötigt mir Respekt ab. Diese Entwicklung wird schneller gehen, und hier ist es nicht damit getan, das gutzuheißen. Die neuen Schulwege sind Glasfaserleitungen, sind personell gut ausgestattete IT-Organisationseinheiten. Die Digitalisierung macht es nicht billiger, aber vieles einfacher. Drittens: Flexibilität. Die Schule der Zukunft muss für die Schulleitungen autonomer im Handeln sein und flexibler gestaltet werden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schüler gerecht zu werden. Dazu gehören zum Beispiel flexible Stundenpläne, und ein stärkerer Ausbau der Kombinationsmöglichkeiten bei der Fächerwahl. Kompetenzen entwickeln sich nicht chronologisch. Andere Länder – wie heute schon erwähnt; wir haben es in Estland gesehen – sind schon weiter darin, entwicklungsgerecht zu unterrichten und zu bewerten. Wir sprechen allzu oft über Dysfunktionalität, über Schwächen – und sehen oft nicht, dass alles seine Zeit hat. Diese Zeit brauchen die Kinder, sie brauchen ihre Zeit. Die Entdeckung der Langsamkeit – dies sage ich als Praktikerin – würde durch gut verarbeitete Erkenntnisse viele Lernprozesse beschleunigen. (Beifall bei der SPD und vereinzelt bei der CDU – Beifall bei der Staatsregierung) Viertens: Kompetenzorientierung. Statt des reinen Wissensvermittlungsansatzes müssen Schülerinnen und Schüler gebildet werden und gezielt – wie wir es heute schon gehört haben – auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorbereitet werden. Hierbei stehen Kompetenzen wie Kreativität, Problemlösungsfähigkeit und Teamwork natürlich im Fokus. Es braucht Freiraum für Ehrenamt und interdisziplinäre Lernwege. Schule muss die Antwort geben auf das Warum. Nur so ist Motivation möglich. Fünftens: Personalisierte Lernwege. Schüler müssen in Zukunft noch stärker individuell gefördert werden. Lernplattformen und digitale Tools unterstützen natürlich, um den Lernfortschritt zu messen und den Unterricht an die Bedürfnisse der Schüler anzupassen. Es kann nicht darum gehen, den Kindern nur eine Prüfung zuzugestehen, in einem standardisierten Prozess zu fixieren. Hier sind viele Länder weiter. Ich bin optimistisch, dass die Expertenkommission auch hier neue Wege wählt. Diese Gedanken sind nur einige Beispiele dafür, wie die Schule der Zukunft aussehen könnte. Vieles werden wir nicht antizipieren können, da auch für Experten Prognosen schwierig sind, zumal wenn sie – frei nach Karl Valentin – die Zukunft betreffen. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung)

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