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Dr. Daniel Gerber

GRÜNE 31.05.2023 Sitzungen 7/71

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Rohstoff Holz ist mit Abstand der am längsten genutzte Energielieferant der Menschheitsgeschichte. Das hat gute Gründe. Holz wächst – relativ gesehen – schnell nach und war somit in der älteren Vergangenheit in großen Mengen und einfach zu beschaffen. Auch im Kontext der Energiewende muss man zu dem Entschluss kommen, dass Holz als Brennstoff allen fossilen Energieträgern vorzuziehen ist; denn die CO -Emmissionen, die beim Verbrennen entstehen, werden beim Pflanzenwachstum im selben Maß aus der Luft gespeichert. Die genannten Vorteile gelten nur unter einer Grundbedingung, die schon der Sachse Hans Carl von Carlowitz im Jahr 1713 formulierte: Nur, wenn man nicht mehr Holz aus dem Wald entnimmt, als nachwächst, kann man diesen nachhaltig bewirtschaften. Dieses Grundprinzip der Nachhaltigkeit gilt umso mehr, wenn man Holz energetisch nutzen, also verbrennen möchte. Daher ist aus bündnisgrüner Sicht das Zielbild einer nachhaltigen Holznutzung klar die Kaskadennutzung. Der wertvolle Rohstoff Holz muss primär für langlebige und dauerhafte Anwendungen, zum Beispiel im Holzbau, in Gebäuden, für Möbel oder Ähnliches, verwendet werden. Was übrig bleibt, kann in einer Sekundärnutzung für weniger anspruchsvolle Anwendungen, zum Beispiel in recycelter Form, genutzt werden. Nur wenn keine andere Nutzung mehr möglich ist, sollte Holz als Brennstoff verarbeitet und letzten Endes energetisch genutzt werden. Die Logik dieser kaskadierten Mehrfachnutzung sollte eine Sache des gesunden Menschenverstandes sein. Alte Balken oder ein kaputtes Möbelstück kann man immer noch thermisch verwenden – aber sind sie einmal verbrannt, sind sie weg. Die Kaskadennutzung holt damit die maximale Wertschöpfung aus dem kostbaren Rohstoff Holz. Schließlich darf man eines nicht vergessen: Während die Holzverbrennung unter den genannten Einschränkungen bilanziell klimaneutral ist, so ist sie keinesfalls emissionsfrei. Neben CO und anderen Abgasen fällt Staub, insbesondere Feinstaub und Ruß, an. Diese Problematik verschärft sich, wenn der eingesetzte Brennstoff durch Fremdstoffe wie Lacke verunreinigt ist. Es muss daher allen klar sein, dass die Anforderungen an die Luftqualität weiterhin Bestand haben und entsprechende Grenzwerte bei der Verbrennung von Holz eingehalten werden müssen. Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Holz ist ein Energielieferant mit langer Tradition. Natürlich muss man nicht uneingeschränkt an jeder Tradition festhalten; ich denke jedoch, dass wir uns fraktionsübergreifend grundsätzlich einig sind, dass Holz im Speziellen und Biomasse im Allgemeinen eine Rolle im regenerativen Energiesystem der Zukunft spielen können und werden. Nimmt man die beiden diskutierten Anforderungen, nämlich erstens die nachhaltige Bewirtschaftung und zweitens die Einhaltung der Luftqualitätsziele ernst, dann ist klar, dass Holz nicht als flächendeckender Energielieferant infrage kommt. Aus bündnisgrüner Sicht setzen wir sowohl bei der Wärme- als auch bei der Stromversorgung auf einen Technologiemix. Im Strombereich werden Wind und Sonne durch flexibel gesicherte Leistungen ergänzt. Hier können auch Biomassekraftwerke eine Rolle spielen. Im Wärmebereich können unterschiedliche Technologien für die verschiedenen Rahmenbedingungen zum Einsatz kommen. Klimaneutrale Fernwärme sollte zum Beispiel überall dort der Regelfall sein, wo sie verfügbar ist. Dass wir als ostdeutsche Länder mit den großen Fernwärmenetzten dafür gut gerüstet sind, zeigt eine heute veröffentlichte Datenanalyse der dena. Im Neubau sind Wärmepumpen auch in Verbindung mit Photovoltaik im Regelfall die effizienteste und ökonomischste Lösung. Im Bestand und insbesondere dort, wo bereits heute mit Biomasse geheizt wird, kann das sicherlich auch in Zukunft eine sinnvolle Lösung sein. Weitere Technologien wie Solarthermie und grüne Gase komplettieren am Ende den möglichen Technologiemix. In diesem Sinne fordert unser Antrag, Holz als Baustein für die Energiewende anzuerkennen. Wir betonen dabei besonders den regionalen und regenerativen Charakter der Biomasse und bekennen uns damit klar zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung. Außerdem fordern wir den Einsatz des aktuellsten Stands der Technik. Insbesondere durch geeignete technische Maßnahmen können und sollten Emissionen verhindert und die Luftqualität damit verbessert werden. Mit diesem Verständnis für unseren Antrag bitte ich um Zustimmung. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN und der Staatsregierung)

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