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Iris Firmenich

CDU 27.04.2023 Sitzungen 7/70

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Bund hat im Jahr 2016 ein Förderprogramm aufgelegt, das speziell auf die Verbesserung der Sprachkompetenz ausgerichtet war. Mit dem Titel „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ sollten vor allem Kitas mit einem überdurchschnittlichen Anteil an Kindern mit sprachlichem Förderbedarf eine besondere Unterstützung bei der alltagsintegrierten Sprachförderung erhalten. Die Aufgabe der an diesen Kitas eingesetzten zusätzlichen Sprachkräfte bestand vor allem darin, das pädagogische Fachpersonal in den Einrichtungen fachlich zu beraten und anzuleiten, wie man sprachliche Bildung in den Kitaalltag einbauen kann, wie man mit den Eltern arbeitet und wie man die Integration der Kinder und ihrer Familien unterstützt. Von diesem Programm profitierten allerdings nur 10 % aller Einrichtungen. In Sachsen waren das zuletzt 359. Das Programm wurde etwas überraschend zum Ende vergangenen Jahres beendet, und erst nach massivem Protest – sowohl aus der Praxis als auch aus den Ländern und der Politik – hat der Bund entschieden, die Laufzeit bis zum 30. Juni dieses Jahres zu verlängern. Diese Entscheidung werden müssen. Der Hinweis in der Rohstoffstrategie ist genau der, dass man sich diese Anpassung anschauen muss. Aber ich kann nicht ein Ergebnis vorwegnehmen. Ich habe vorhin schon gesagt, die Rohstoffstrategie ist die Zielbestimmung, der Handlungsrahmen, in dem wir uns bewegen. Einzelne Maßnahmen werden jetzt definiert und dementsprechend die Konsequenzen gezogen. Dazu gehört auch die Überprüfung, inwieweit zum Beispiel die Förderund Feldesabgabe verändert werden muss. Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Ich frage noch einmal die BÜNDNISGRÜNEN. – Kein Fragebedarf. Dann ist die Zeit für die Fragestunde abgelaufen. Ich bedanke mich bei Ihnen, Herr Minister, für die Beantwortung der Fragen. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Damit kann ich den Tagesordnungspunkt beenden und rufe auf Alltagsintegrierte Sprachförderung Kindertagesbetreuung weiterentwickeln Prioritätenantrag der Fraktionen GRÜNEN und SPD und auch den Zeitpunkt empfinden wir nach wie vor als nicht glücklich; denn die Corona-Pandemie mit Kita- und Schulschließungen sowie die große Zahl vor allem ukrainischer Kinder, die infolge des Krieges zu uns gekommen sind, haben den Bedarf an sprachlicher Bildung eher erhöht. Der Bund hat die sprachliche Förderung nun als Handlungsfeld in den Kriterienkatalog und auch in das vorhandene Budget des KiTa-Qualitätsgesetzes aufgenommen und somit die Verantwortung für die Weiterführung der sprachlichen Bildung an die Länder übereignet. So viel zur Ausgangslage. Die Bedeutung der Sprache als wichtigstes Mittel der Kommunikation ist uns sehr wohl bewusst. Im Sächsischen Bildungsplan widmet sich das Kapitel 2.3 ausführlich dem Thema „Kommunikation“. Ob nonverbal oder verbal, jedes soziale Miteinander ist auf irgendeine Weise auch Kommunikation. Wenn ein Baby seine Mutter anlächelt, freut es sich, wenn sein Lächeln erwidert wird, und „Mama“ ist in der Regel das erste Wort, das Babys lernen – übrigens international. Etwas später werden es die Sprache und die Schrift sein, die unersetzlich sind, um mit anderen in Austausch zu treten, einen Dialog zu führen, seine Bedürfnisse und Gedanken auszudrücken, zuzuhören, Erfahrungen zu sammeln und so seinen Horizont zu erweitern. Sprachliche Kompetenzen bilden also die Voraussetzung für gelingende Bildungsbiografien und ermöglichen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Deshalb kann man mit Fug und Recht sagen: Kommunikation ist der Schlüssel zur Welt, insbesondere die Sprache. Der Sächsische Bildungsplan ist in Bezug auf sprachliche Bildung also schon ein gutes Fundament für die Arbeit in den Kitas, er bezieht bereits die Kindertagespflege sowie die Horte ein. Trotzdem wenden wir uns diesem Thema zu, denn die Gesellschaft entwickelt sich weiter. Neue Herausforderungen verlangen neue Antworten. Nicht zuletzt wollen wir die Erfahrungen der Sprach-Kitas nicht verlieren, sondern weiterführen und allen zugänglich machen. Mit unserem Antrag wollen wir zunächst einen Überblick über die Entwicklung der sprachlichen Kompetenzen im Elementar- und Primarbereich sowie über die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen in den vergangenen fünf Jahren gewinnen. Wir wissen, dass ganz allgemein die Sprachkompetenz in diesen Altersgruppen nachgelassen hat. Was sind aber die Ursachen und was ist zu tun, um Defizite abzubauen? Welche Angebote und Maßnahmen zur Förderung der sprachlichen Bildung gibt es bereits über das Bundesprogramm hinaus, und wie vielfältig ist das Thema in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte verankert? Zwei Gründe für den Mehrbedarf an sprachlicher Förderung habe ich bereits genannt: die Folgen der Corona-Pandemie und die Zuwanderung nicht deutschsprachiger Kinder. Doch ich glaube, es ist nicht richtig, nur auf den Migrationshintergrund oder die soziale Herkunft als Ursachen zu schauen. Es gibt noch andere, unter Umständen folgenreichere Auswirkungen gesellschaftlicher Entwicklungen, auf die ich kurz eingehen möchte. Die Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege des Freistaates Sachsen hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass viele Kitas während der Corona-Pandemie das Zähneputzen nach den Mahlzeiten eingestellt haben – mit den entsprechenden Folgen für die Mundgesundheit der Jüngsten. Wie wichtig ein gesundes Gebiss für die Sprachentwicklung und für das Lernen an sich ist, hat die Anhörung zu unserem Antrag zur Zahn- und Mundgesundheit eindrücklich gezeigt. Hier gibt es einen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Mundgesundheit. Für manche Kinder ist leider der Zahnputzimpuls in der Kita der einzige am Tag, und deshalb werden wir die Mundhygiene als Aufgabe der Kitas verbindlich regeln. Ein anderes Thema ist die Digitalisierung. Sie ist Fluch und Segen zugleich. Zwei Beispiele: Da treffen sich morgens vor einer Grundschule eine Handvoll junger Mütter, die ihre Kinder zur Schule bringen. Sie stehen anschließend eine ganze Weile zusammen und unterhalten sich. Manch eine hat noch ein kleines Kind im Kinderwagen dabei. Wenn dann der Plausch beendet ist, gehen sie ihrer Wege, den Blick auf das Handy in der Hand gerichtet, den Kinderwagen vor sich herschiebend. Das Kind im Wagen sucht vergeblich den Blickkontakt zur Mutter. WhatsApp, Instagram und Co. sind offensichtlich interessanter. Oder wenn ich bei einem Vorlesetag in einer Kita frage, wem denn abends vor dem Einschlafen vorgelesen wird, dann melden sich von Jahr zu Jahr weniger Kinder, bei denen dieses Ritual zu Hause noch dazugehört. Viele hören Geschichten, schauen ein Video an oder gehen ganz ohne Gute-Nacht-Geschichte zu Bett. Dabei ist doch gerade dieses Ritual für eine gute Nacht so wichtig, um ein Kind behütet schlafen zu legen. Tablets sind heute nicht nur Ersatz für Bücher, sie sind die neuen Nannys. Kinder können wischen, aber keinen Stift mehr richtig halten oder mit der Schere etwas akkurat ausschneiden. Wer meint, das trifft nur Kinder aus sozial schwachen Familien, der irrt. (Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE: Kinder können wischen?!) – Ja, übers Tablet und das Handy; das haben auch Sie sicherlich alles schon gesehen. Und das betrifft eben Kinder aus allen sozialen Schichten in der Stadt und auf dem Land gleichermaßen. (Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE: Das haben Sie richtig gesagt!) Die schöne bunte Welt der Kinderbespaßung mittels digitaler Geräte mag auch für manche Eltern eine Entlastung sein, aber die Folgen spüren wir spätestens in der Schule, nicht nur bei der Sprachkompetenz, sondern beim emotional-sozialen Verhalten, beim Körpergewicht oder bei der Grob- und Feinmotorik. Wenn bei den Schuleingangsuntersuchungen im Schuljahr 2021/2022 rund 35 % der Schulanfänger Störungen in der Sprache und beim Sprechen aufwiesen und wenn dieser Anteil schon seit einigen Jahren so hoch ist, dann gibt es ein Aufgabenfeld, dem wir uns noch intensiver als bisher widmen müssen – genau das ist Ziel unseres Antrages. Anders als beim Bundesprogramm wollen wir die alltagsintegrierte Sprachförderung auf alle Einrichtungen in Sachsen ausweiten und dabei auch erstmals explizit die Kindertagespflege und die Horte einbeziehen. Natürlich geht das nicht in gleicher Weise wie beim Bundesprogramm. Es braucht einen anderen Ansatz, der auch die unterschiedlichen Verhältnisse in den Einrichtungen und ihre Bedarfe berücksichtigt. Was ist uns wichtig? Gegenwärtig bestehende Strukturen wollen wir zusammenführen und vorhandene Kompetenzen, zum Beispiel die LakoS für die Sprachausbildung und die SLfG für die gesundheitliche Bildung, mit einbeziehen. Das Programm ist flächendeckend auf ganz Sachsen auszurollen, und es soll sich an alle Kindertageseinrichtungen, an alle sächsischen Kitas einschließlich Horte und Kindertagespflege richten. Für die Sprachförderung soll ein Konzept erarbeitet werden, welches nach einer bestimmten Laufzeit evaluiert werden muss. Die Steuerung des Landesprogrammes soll in die Hände einer Koordinierungsstelle gelegt werden. Die fachliche Begleitung der Kitas sowie die Fortbildung des pädagogischen Fachpersonals werden bei den Jugendämtern Sprachmentoren oder Sprachmentorinnen übernehmen; was im Übrigen eine wertvolle berufliche Perspektive für bisher im Bundesprogramm tätige Sprachfachkräfte sein kann. Die Einrichtungen benötigen für ihre Arbeit geeignetes Material und sollen auch externe Weiterbildungsangebote in Anspruch nehmen können, und dafür werden sie Sachkosten erhalten. Weiterhin wollen wir den Einrichtungen Unterstützung bei der Fortschreibung ihrer pädagogischen Konzeption gewähren und dabei einen besonderen Fokus auf sprachliche Bildung und Gesundheit legen. Für all diese Maßnahmen haben wir bereits im laufenden Doppelhaushalt Vorsorge getroffen. Die in unserem Land im Rahmen des KiTa-Qualitätsgesetzes des Bundes zur Verfügung stehenden Mittel, einschließlich der Landesmittel für die Horte, werden wir unter anderem für mehr Personal an den Einrichtungen mit dem Fokus auf mehr Qualität bei der pädagogischen Arbeit – vor allem bei den Themenbereichen des Bildungsplanes Gesundheitsbildung und motorische Entwicklung, alltagsintegrierte sprachliche Bildung und Schulvorbereitung sowie Medienkompetenz und Demokratievermittlung – einsetzen. Durch diese kleine Schlüsselverbesserung können in Sachsen ab dem 1. August dieses Jahres etwa 1 000 zusätzliche pädagogische Fachkräfte beschäftigt werden. Meine Damen und Herren! Unser Sächsischer Bildungsplan ist gut. Aber er bedarf der Weiterentwicklung. Deshalb erwarten wir, dass bis Mitte des Jahres 2025 dieser Bildungsplan fortgeschrieben und auch spezifischer auf die Altersgruppen null bis drei, drei bis sechs und auf den Hort ausgerichtet wird. Wir Bildungspolitiker werden den Prozess aufmerksam begleiten und erbitten bis zum 30. März nächsten Jahres einen Zwischenbericht des Ministeriums zum Fortschritt bei der Umsetzung dieser genannten Vorhaben. (Beifall bei der CDU) Dies sind die Ziele, die wir mit unserem Antrag verfolgen. Dafür bitte ich Sie um Ihre Zustimmung. Danke schön. (Beifall bei der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollegin Firmenich sprach für die CDU-Fraktion. Nun spricht für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kollegin Melcher, bitte schön.

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