landtag.sachsen.de ↗

Juliane Pfeil

SPD 02.02.2023 Sitzungen 7/66

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte kurz darüber berichten, was ich in der vorigen Woche erfahren habe. Ich war in der vorigen Woche beim Verein pro cognita – Vogtländerinnen und Vogtländer kennen ihn vielleicht. Es ist ein Verein, ein Unternehmen, das sich genau mit diesen Themen beschäftigt, nämlich mit Präventionsarbeit und Weiterbildungen im Bereich Gewaltprävention in Kindergärten. Pro cognita hat einen Koffer entwickelt. Der heißt „Vidulus – meine Gefühle und ich“. Mit diesem Koffer sind sie in Kindertageseinrichtungen unterwegs und unterstützen die Erzieherinnen und Erzieher dabei, mit den Kindern gemeinsam ihre Gefühle eben auch bei Gewalterfahrungen zu reflektieren. Bei einer dieser Weiterbildungen kam es dazu, dass eine Erzieherin, die eben an einer Weiterbildung teilnahm, zum allerersten Mal über die eigenen Missbrauchsfälle in ihrer Jugend gesprochen hat. Diese Erzieherin ist fast 60 Jahre alt. Das zeigt eigentlich, wie lange solch ein Vorfall nachwirken kann und wie wichtig es ist, dass wir solche Missbrauchsfälle schon frühzeitig erkennen. Die Missbrauchsfälle – Kollegin Kuhfuß hat es schon gesagt – finden ganz oft im ganz nahen Umfeld eines Kindes statt, in der Familie, im ganz nahen sozialen Umfeld, eigentlich in einem Umfeld, dem wir zutiefst vertrauen sollten, das und schützt und beschützt. Schlimm ist es auch, wenn aus dem eigenen sozialen Umfeld keine Unterstützung angeboten und wegschaut wird. Liebe Kolleginnen und Kollegen – ich glaube, wir hatten es schon einmal vor geraumer Zeit in einer Debatte –, es gibt nichts Schlimmeres, als wenn unsere Kinder im Freistaat unsichtbar werden. Noch schlimmer ist es, wenn wir ohnmächtig sind und ihnen nicht helfen können, weil wir Angst davor haben, dieses Thema anzusprechen, wenn sich die Erzieherinnen und Erzieher und die Lehrerinnen und Lehrer nicht trauen, mit diesem schwierigen Thema umzugehen. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns mit diesem Antrag auf den Weg machen und klar sagen: Wir brauchen mehr Fortbildung in diesem Bereich, wir brauchen Netzwerke, die sich gegenseitig stärken, wir brechen diese Ohnmacht auf und die Angst davor, über das Thema zu sprechen und das alles zu erkennen, um unsere Kinder zu schützen. Wichtig ist auch – Kollegin Kuhfuß hat es schon erwähnt –, dass wir entsprechende Übersichtsseiten entwickeln, dass wir überhaupt erst einmal ein Verständnis davon entwickeln, welche Angebote es bereits gibt, dass wir ein Netzwerk aufbauen und die verschiedenen Präventionsangebote überhaupt erst einmal kenntlich machen und dass wir es vor allen Dingen auf den verschiedenen Ebenen koordinieren, dass wir Bund, Land und Kommunen in einem Konzept zusammenführen und eben auch den Akteuren etwas an die Hand geben. Unsere Kinder- und Jugendbeauftragte Susann Rüthrich soll einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Ich glaube, sie ist genau die richtige dafür. Susann Rüthrich war immer eine derjenigen, die sich seit Jahren für Kinderrechte eingesetzt haben. Ich glaube, eines der obersten Kinderrechte ist nun einmal, dass man unversehrt aufwachsen kann und keine Gewalt und keinen Missbrauch erfährt. Ich hoffe sehr, dass diese Debatte heute nicht dazu führt, dass wir wieder über Sexualisierung in den Schulen sprechen oder über Ähnliches. Ich glaube, das wird dem Thema an der Stelle nicht gerecht. Es ist ein schwieriges Thema. (Roberto Kuhnert, AfD: Das gehört aber dazu!) Auch vielen herzlichen Dank an das SMS, hoffentlich mit einem guten Masterplan am 31. Dezember für den Landtag. Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der SPD)

Alle Reden von Juliane Pfeil Protokoll ↗