Sandra Gockel
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sie sehen mich heute in schwarz. Solche Anträge machen mich einfach nur traurig. (Beifall bei der CDU – Oh-Rufe von der AfD) Es ist bemerkenswert, dass die AfD die kürzlich veröffentlichte Selbstbefragung der GEW für anschlussfähiger hält, als das, was Sie in den anderen Bundesländern als Partei vertritt. Dort setzt sie sich für Kopfnoten ein, in Sachsen will sie sie relativieren, indem sie die verbalen Begründungen entbehrlich findet. Diese Idee hatte bereits UrsulaMarlen Kruse vor einiger Zeit. Ich wusste nicht, dass Sie sich so nahestehen. (Zurufe von der AfD) Weder die Note noch die verbale Einschätzung fallen vom Himmel, (Dr. Rolf Weigand, AfD: Aha! Das habe ich ja gesagt!) sondern stehen am Ende eines gemeinsamen Weges von Lehrern und Schülern und der jeweiligen Lehrerkonferenz. (Dr. Rolf Weigand, AfD: Schüler in der Lehrerkonferenz?) Ich halte die verbale Einschätzung neben der Note für absolut sinnvoll. Das Zeugnis ist ein staatlicher Eingriff, eine nur auf gesetzlicher Grundlage mögliche Bewertung. Die Begründung von Verwaltungsentscheidungen sollte eine rechtsstaatliche Selbstverständlichkeit sein. Natürlich sagt die Kopfnote nur begrenzt etwas über die Person aus. Es wäre verfehlt, jede Note für sich zu betrachten. Das Zeugnis als Ganzes ist entscheidend. In diesem Ganzen geben die Kopfnoten eine Perspektive wieder. Noten bilden eine Reihe, können Entwicklungen abbilden und sind eine besondere Nachricht an den Schüler. Noten und verbale Ergänzungen spiegeln zudem den Eltern ein Bild ihres Kindes wider; manchmal ein unbekanntes. (Beifall bei der CDU) Vielleicht liegt hier ein besonders wichtiger Aspekt, der von jenen, die Noten nur in ihrem Aussagewert für Dritte beurteilen, verkannt wird. Der Verzicht auf eine verbale Begründung nimmt den Noten diese wichtige Erläuterung. Entlastung kann man in anderen Bereichen schaffen, wobei das Thema Entlastung wieder eine subjektive Sache ist. Manche würden sich bereits freuen, wenn sie dadurch entlastet würden, dass ihr Engagement nicht als Kritik an jenen verstanden würde, die eine andere Perspektive auf ihre eigene Belastungsbereitschaft oder -fähigkeit haben. Die Benotung von Verhalten und Einstellungen, also etwas, was erlern- und steuerbar ist, erscheint mir weniger problematisch als die Benotung in Bereichen, in denen es viel auf Begabung ankommt, zum Beispiel in Musik, Kunst oder Sport. Die Kürze der Debatte reicht nicht aus, die Vielzahl der Entlastungsmöglichkeiten zu erörtern. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir künftig auf benotete Hausaufgaben verzichten, keine Herbarien in den Ferien mehr, keine Steinzeithöhlen aus Pappe. Das wäre eine wirkliche Entlastung, nicht nur für die Lehrer, sondern auch für ehrgeizige Eltern. Es würde von dem Problem wegführen, dass der Bildungserfolg, mitunter auch die Sympathien von Lehrern, vom sozialen Hintergrund und elterlichen Engagement beeinflusst sind. Die Kritik an verhaltensorientierter Bewertung verkennt, dass nicht die Note, nicht die Begründung die Probleme sind, sondern jene, die sie anwenden. Wenn Sie als AfD wirklich der Meinung sind, dass in der Regel drei Zeilen am Jahresende Lehrer spürbar entlasten, (Sören Voigt, CDU: Ganzjährlich!) macht mir diese Fantasielosigkeit über Veränderungsmöglichkeit mehr Sorge als eine gefühlte Überlastung. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Einen Antrag, der so etwas unterstützt, können wir nicht unterstützen. Vielen Dank. (Beifall) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Das war Frau Kollegin Gockel für die CDU-Fraktion. – Gibt es weiteren Redebedarf? – Herr Dr. Weigand. (Sören Voigt, CDU: Das wird interessant jetzt!)
