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Holger Hentschel

AfD 01.02.2023 Sitzungen 7/65

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Noch einmal kurz eine Erwiderung auf Kollegen Flemming von der CDU-Fraktion. Keiner hat etwas gegen modernes Bauen, auch wir von der AfD-Fraktion nicht, und jetzt kommt das große Aber: Aber Bauen muss bezahlbar bleiben oder – besser ausgedrückt entsprechend der heutigen Zustände – Bauen muss wieder bezahlbar werden. Seit Jahren bleiben die Zahlen der fertiggestellten Wohnungen hinter den Erwartungen zurück, ebenso die Zahlen der Bauanträge. Die Erwartungen werden befeuert durch die steigende Nachfrage. Die Nettozuwanderung der vergangenen Jahre wurden nie mit den Möglichkeiten des zur Verfügung stehenden Wohnraums abgeglichen. Diese generieren nun weiteren erheblichen Bedarf. Ebenso befördert die zunehmende Zahl an Singlehaushalten die Erwartungen. Aber auch die zunehmende Zahl an moralisch und technisch verschlissenen Wohnungen, die aus energetischen oder sonstigen Gründen nicht mehr effizient zu sanieren sind, erhöhen den Bedarf an Wohnungsneubau. Die politisch definierten Zielsetzungen von bundesweit 400 000 neuen Wohnungen pro Jahr werden auch in Zukunft nicht erreicht werden. In der Tendenz – das sagen alle Prognosen – werden die Fertigstellungszahlen weiter zurückgehen. Ursächlich dafür sind die steigenden Kreditkosten, abnehmende Fachkräftezahlen und Materialangebote und folgend auch hier deutlich steigende Preise. Die Baupreiskosten liegen schon seit Jahren über den einfachen Inflationswerten. Die derzeitige Inflationsrate von 8 bis 10 % gibt dabei nur wenig Trost. Während in den vergangenen Jahren der stetig und deutlich zunehmende Planungs- und Ausstattungsaufwand durch günstige Bauzinsen verdeckt wurde, schlagen sich diese Kosten nun erheblich in den Kalkulations- und Baupreisen nieder. Die Klimarettungspolitik – Stichwort Null-Energiehaus – hat einen Aufwand zur Dämmung der Außenbauteile generiert, der nicht mehr durch die Energieeinsparung gedeckt wurde. Hier ist das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens wirksam. Die zusätzlich investierten Geldbeträge wirken sich immer weniger auf die Höhe der eingesparten Heizkosten aus. Das gilt auch hinsichtlich des ökologischen Fußabdrucks. Die aufgewendeten grauen Energien amortisieren sich nicht in der Energieeinsparung. Was bei den Dämmungen schon seit Anfang der 2000erJahre zu beobachten und mittlerweile beinahe banal ist, schlägt nun aber auch bei den Heizanlagen durch. Während vor 20 Jahren eine Gasheizung für ein Einfamilienhaus oder auch ein kleines Mehrfamilienhaus mit 8 000 bis 15 000 Euro eingebaut und über Jahre günstig betrieben werden konnte, sind Heizungen heute mit Verpflichtung zur Energieerzeugung vier- bis fünfmal so teuer. Eine Luftwärmepumpe mit PV-Anlage und einer Speichereinheit zur teilweisen Deckung des Strombedarfs kostet circa 50 000 bis 60 000 Euro und ist bei überproportional steigenden Strompreisen auch im Betrieb nicht wirklich günstig. Energieautark ist man damit aber immer noch nicht. Dabei liegt der ökologische Fußabdruck der Investition mit allen Komponenten, also auch der grauen Energie, weit über dem der Gasheizung. Der erhöhte Aufwand der Gebäudedämmung und -technik zeigt sich auch im exponentiellen Aufwachsen der technischen Normen, Richtlinien und sonstigen Vorschriften, deren Gültigkeit bis zur nächsten Überarbeitung immer kürzer wird. Ingenieurmäßiges Arbeiten mit vereinfachten Modellen ist nicht mehr vorgesehen. Prüfungen auf Plausibilität oder gar Richtigkeit, zum Beispiel mit überschlägiger Berechnung, sind kaum noch möglich. Die Planungen werden immer aufwendiger und die Pläne detaillierter, während die Handwerker, die immer häufiger die deutsche Sprache nicht mehr wirklich beherrschen, die Pläne nicht verstehen. Die Politik hat in den letzten Jahren versucht, die finanziellen Nachteile durch Fördermittel auszugleichen und in der öffentlichen Wahrnehmung zu vernebeln. Zu welchen Verwerfungen es führt, wenn die Fördermittel ausgesetzt werden, hat man Anfang 2022 gesehen, als dies radikal gestrichen wurde, weil der Missbrauch überhandnahm. Die Forderung an die Gebäudeeffizienz, Fernziel Klimaneutralität, eröffnet eine Dimension weiterer Realitätsferne. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young schätzt die Sanierungskosten zur Erreichung der Klimaziele in Deutschland auf 3 Billionen Euro. Das ist mehr als das Zehnfache der jährlichen Wohnungsbauinvestitionen in Deutschland, also Sanierung und Neubau. In der nächsten Runde mehr. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Das war Kollege Hentschel für die AfD-Fraktion. Kollege Böhme spricht nun für die Fraktion DIE LINKE.

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