Ingo Flemming
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Bereits seit vielen Jahren bestimmt die Forderung nach mehr Umweltund Klimaschutz den gesellschaftlichen Diskurs in vielen Lebensbereichen. Die Politik wird auf allen Entscheidungsebenen angehalten, entsprechend zu handeln und die gesetzlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Das gilt auch für die Bauwirtschaft. Aber nicht die Politik kann die Bauwirtschaft neu aufstellen. Das muss sie schon selber machen, und sie macht das auch. Die ganze Sache hat aber einen Haken: Die Auflagen und Vorschriften, die die Bauwirtschaft einzuhalten hat, werden immer zahlreicher und komplizierter. Man kann durchaus sagen, dass es zu einer Last wird, die die Bauwirtschaft einengt und deren Innovationsmöglichkeiten behindert. Deshalb sind aus unserer Sicht Vorsicht und Bedacht angesagt, aber eben auch eine gehörige Portion Vertrauen in die Baubranche. Die Bauwirtschaft steht vor gewaltigen Herausforderungen. Sie steht im Spannungsfeld einer Vielzahl von Forderungen: Bezahlbarkeit, Termintreue, hohe Qualität, technische Neuerungen, Nachhaltigkeit, Generationengerechtigkeit, Digitalisierung, Ressourceneinsparung. Man könnte die Reihe fortführen. Deshalb hat die Baubranche in den letzten Jahren einen gewaltigen Innovationsschub erhalten. Bereits heute leistet sie einen großen Beitrag zu Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz. Doch gesellschaftliche Forderungen und daraus resultierende politische Handlungen sind oft überzogen, praxisfern und laufen den wirklichen Möglichkeiten des Bausektors zuwider, ja verhindern diese teilweise sogar. Fakt ist trotzdem: Im Baubereich steckt nach wie vor enormes Potenzial für den Klima- und Ressourcenschutz, welches weiter ausgeschöpft werden kann und muss. Es ist unbestritten, dass der Bausektor als Wirtschaftszweig einen Beitrag zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme in dieser Zeit leisten kann. Angesichts des abzubauenden Investitionsstaus allerorten bei der öffentlichen Hand und der seit Jahren gestiegenen Nachfrage nach Bauleistungen im privaten Bereich oder des Ziels, in Deutschland 400 000 Wohnungen in jedem Jahr neu zu bauen, kann die Lösung aber nicht in der Reduzierung der Bautätigkeit liegen. Vielmehr muss ein Umdenken aller am Bau Beteiligten stattfinden und der Fokus auf die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus gelegt werden. Die Baubranche muss dabei den Balanceakt zwischen der weiterhin profitablen wirtschaftlichen Tätigkeit und der Transformation hin zu einer CO -Neutralität bewältigen. Deshalb ist es uns als CDU sehr wichtig, aufzuzeigen, wie das Streben nach mehr Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz in der Bauwirtschaft aktuell bereits umgesetzt und die Branche weiter politisch unterstützt werden kann. Einige Beispiele seien genannt. Die Digitalisierung hält Einzug in die Bauindustrie und kann einen erheblichen Beitrag hinsichtlich eines nachhaltigen Bauens leisten. Das Thema BIM – Building Information Modeling – revolutioniert seit einigen Jahren die Prozesse von der Planung über das Bauen bis zur Umsetzung des Lebenszyklusgedankens hin zur Nutzungsdauer von Bauwerken. Ein anderes Beispiel sind die Baustoffe. Gegenwärtig werden Verfahren zur Zementherstellung erforscht, bei denen die für seine Herstellung notwendigen Temperaturen durch Elektrolyse erzeugt werden. Das Gleiche ist auch beim Wasserstoff als Energieträger wie auch in der Stahlindustrie und in der Zementindustrie im Gange. Die Entwicklung wird aber noch dauern und ist teuer. Im Ergebnis wären wir bei diesen Produkten aber CO -neutral, und das wäre ein wesentlicher Beitrag zu mehr Klimaneutralität. Die TU Dresden hat einen Carbonbeton entwickelt, dessen Kohlenstofffasern dünner als ein menschliches Haar sind. Damit können bis zu 80 % des Bewehrungsstahls eingespart werden. Die CO -Emission wird um die Hälfte reduziert. Zunehmend rücken auch wieder traditionelle Baumaterialen wie Lehm, Holz und Naturfasern in den Blick der Bauherren und ihrer Planer. Entwicklungen in diesem Bereich müssen unterstützt werden. Wir als Koalition tun dies zum Beispiel mit dem Holzbaukompetenzzentrum. Kollege Löser sagte bereits, dass viele von uns heute Morgen auf einer Fachveranstaltung dieses Zentrums waren. Wir müssen aber auch im Genehmigungsbereich unterstützen. Die durchschnittliche Entfernung von der Kiesgewinnungsstätte zum Betonmischwerk oder der Baustelle beträgt im Moment in Sachsen 35 Kilometer. Zweiter Vizepräsident André Wendt: Herr Flemming, die Redezeit ist abgelaufen.
