Antje Feiks
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Nachdem mein Kollege Franz Sodann über die Perspektiven zu Kultur gesprochen hat, möchte ich einige Punkte zum Tourismus ansprechen. Wider Erwarten sehen die Zahlen im Tourismus nicht schlecht aus. Allerdings sind wir als LINKE nicht der Auffassung, dass man sich darauf ausruhen kann. Dazu will ich konkret vier Aspekte benennen: Erstens ist stark davon auszugehen, dass aus den als positiv zu betrachtenden Zahlen keineswegs abzulesen ist, inwiefern Menschen mit geringerem Einkommen zu ihrer wohlverdienten Erholung außerhalb der eigenen vier Wände kommen. Schon vor Corona konnte sich ein guter Teil der sächsischen Bevölkerung Urlaub schlicht nicht leisten, und genau an dieser Stelle stehen wir in der Verantwortung. Das Recht auf Erholung ist lange erkämpft und Studien belegen, dass Erholung an Orten, die nicht das eigene Zuhause sind, viel besser erreicht werden kann. Dementsprechend müssen eine Tourismusstrategie oder ein Masterplan und die dazugehörige Förderkulisse beinhalten, dass gerade Objekte – ob gemeinnützig oder nicht –, die Familienerholung anbieten, besonders bedacht werden müssen. Ganz ehrlich: Eine Förderung in Höhe von 9 Euro pro Tag, die es für berechtigte Personen gibt, um seinen Urlaub zu verbringen, reicht nicht. Auch eine Jugendherberge kostet Geld, eine preiswerte kleine Baude, ein Gasthof – hier wäre es sinnvoll eine Förderung auf die Beine zu stellen, die wirklich etwas ermöglicht. Das hilft nicht nur Familien und Alleinerziehenden, sondern auch den Einrichtungen; zumal diese Einrichtungen, von denen wir hier sprechen, in der Regel nicht in den größeren Städten zu finden sind, sondern dort, wo die Strukturen sowieso schon weitaus schwächer sind. Warum nicht genau solche Einrichtungen, die dem Grunde nach einen Dienst an der Gesellschaft leisten, besonders fördern? Mir erschließt sich – ehrlich gesagt –, nicht, warum das allein der Markt regeln sollte. Kurz gesagt: Urlaub muss in unseren Augen für alle möglich sein, und die, die es sich nicht leisten können, brauchen an der Stelle mehr Unterstützung. Das wäre solidarisch und perspektivschaffend. Zweitens sind wir bei den Diskussionen, was den nachhaltigen Tourismus angeht, noch lange nicht an einem Punkt, an dem man sagen kann, dass wir über Konzepte reden, die über die nächsten 15 oder gar 20 Jahre tragen können, also in der Perspektive. Die große Frage ist doch, wie Reisen in Zukunft aussehen wird. Da ist die Förderung von Ganzjahrestourismus sicherlich ein richtiger Schritt. Das Programm „Sachsen geht weiter“, in dem auch die Nachhaltigkeit steckt, ist ein zaghafter Anfang, so bezaubernd die Top-50-Projekte auch sein mögen. Aber stehen am Ende wirklich eine touristische Infrastruktur und Objekte, die nachhaltig sind, das heißt, die nach ökologisch sinnvollen Maßstäben betrieben werden, die in Zukunft Normalität sein müssen? Das heißt für uns aber auch, dass wir in den Regionen Rahmenbedingungen vorfinden müssen, die der Tourismus braucht – und da sind wir wieder beim viel zitierten Radweg, den es nicht gibt, oder beim Radweg, an dem weit und breit keine gastronomische Einrichtung zu finden ist. Zur Nachhaltigkeit gehören auch gute Arbeitsplätze im Tourismussektor. Das ist mein dritter Punkt. Tourismus und Gastronomie sind Branchen, in denen Menschen naturgemäß arbeiten, wenn andere Urlaub machen oder ihre Freizeit verbringen. Dennoch brauchen wir Strategien, um diese Arbeitsplätze, eben, weil sie so wichtig sind, attraktiv zu gestalten. Wir wünschen uns an der Stelle, dass wir schnell Pilotprojekte aufs Gleis bringen, um attraktive Arbeitsplätze im Tourismus auch in den Regionen jenseits der größeren Städte zu schaffen; denn trotz aller Fakten und Rahmenbedingungen muss es Menschen, die im Tourismus und der Gastronomie beschäftigt sind, möglich sein, überhaupt Familien zu haben, ein Familienlieben zu führen. Sie müssen von ihrem Einkommen leben können, Freude an der Arbeit haben, und genau dafür brauchen wir eher früh als spät kreative Vorschläge und Versuche. Mein vierter und letzter Punkt ist, dass der sächsische Incomingtourismus von ausländischen Touristen lebt. Wenn sich Reisen in Zukunft ändert und zum Beispiel Fliegen durch die Welt nicht mehr so exzessiv möglich sein wird, braucht es auch hier langfristige Überlegungen und Strategien, wie es funktionieren kann, dass Betten ausgelastet sind oder unsere kulturellen Einrichtungen besucht werden. Immer noch gilt in unseren Augen, dass Sachsen an seinem Image als weltoffene Region arbeiten muss. Da ist Germany Travel Mart hilfreich, aber wir müssen dazu die notwendigen gesellschaftlichen Debatten führen. Ich hoffe, dass diese großen Fragen im Rahmen der Diskussion um den neuen Masterplan, der entstehen soll, eine Rolle spielen; denn ohne diese zu beantworten, kann von Zukunftsfestigkeit keine Rede sein, wenngleich diese selbstverständlich nicht unerreichbar ist. Kurz zu Herrn Kumpf: Sie haben sehr viel Unmut angesprochen, bekommen dafür sicher sehr viel Beifall und sind möglicherweise damit auch erfolgreich. Aber außer einem kleinen Vorschlag, haben Sie keine konkreten Vorschläge gebracht. (Beifall bei den LINKEN) So funktioniert Politik nicht. (Zurufe von der AfD) Das fängt beim Problemerkennen und Problembenennen an, dann muss man in eine Diskussion gehen und alle Seiten abwägen, (Zurufe von der AfD) dann kommt man zu konkreten Vorschlägen. Die haben bei Ihnen komplett gefehlt. Zu guter Letzt möchte auch ich einen großen Dank an die Touristiker und Touristikerinnen und die Kulturschaffenden, die wir in Sachsen haben, aussprechen; denn ihre Hingabe und ihr Innovationspotenzial an ganz vielen Stellen machen unsere sächsische Tourismus- und Kulturlandschaft aus und lassen sie in vielen Teilen dort stehen, wo sie stehen Zweiter Vizepräsident André Wendt: Die Redezeit ist abgelaufen.
