Iris Firmenich
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Es ist natürlich eine Herausforderung, nach dem ernsthaften Thema dieser Fragerunde, die wir gerade hatten, so einen Themenwechsel hinzubekommen, wie ich es jetzt vorhabe. Ich halte dieses Thema aber nicht für weniger wichtig. Meine Enkeltochter ist vor Kurzem in die Schule gekommen. Vor einigen Tagen kam sie sehr traurig nach Hause und erzählte mir, dass eine Mitschülerin sie ausgelacht habe. Die Mitschülerin habe zu ihr gesagt: Du stinkst. Die anderen Mitschüler haben dann natürlich mitgemacht. Was war passiert? Das Mädchen hatte ihren Mitschülern nur erzählt, dass sie auf einem Bauernhof wohnt, auf dem es Hühner, Kaninchen und Ziegen gibt. Das allein war schon der Grund für andere Kinder, sie zu ärgern und zu rufen: Bauernhof, das ist doof! Mir tat meine Enkeltochter in diesem Moment sehr leid; denn sie ist ein aufgewecktes und freundliches Kind. gen finden, die genau dieses Land nicht mehr haben wollen. Das ist unsere Aufgabe, dafür arbeite ich, dafür arbeiten wir gemeinsam. Deshalb sollten wir an dieser Stelle zusammenbleiben, auch wenn wir vielleicht an der einen oder anderen Stelle eine unterschiedliche Haltung haben, wie man so einen Krieg beendet. Die Frage, ob Russland der Aggressor ist, ob nichts von diesem Land Russland gehört, ob diese ganzen Abstimmungen null und nichtig sind und ob wir natürlich die Forderung haben, dass dieses Land wieder frei und als Ukraine in ihrer Gänze sein muss, ist doch wohl geklärt. Die Frage ist jetzt, in welcher Art und Weise wir uns engagieren, wo wir Grenzen setzen, wie wir die Dinge organisieren. Das sollten wir aber nicht miteinander vermengen und uns diesbezüglich gegenseitig keine falsche Dinge unterstellen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Vielen Dank an den Ministerpräsidenten für die Beantwortung der Fragen. Damit kann ich diesen Tagesordnungspunkt beenden. Ich rufe auf und Gartenbau in der Sachsen authentisch vermitteln der Fraktionen CDU, mit Stellungnahme der Staatsregierung Gleichzeitig habe ich mich sehr darüber geärgert, dass die Erzieherin dieses Thema nicht aufgenommen hat und lediglich die Kinder aufgefordert hat, damit aufzuhören. Für sie war das erledigt. Die anderen Kinder wissen offensichtlich auch nicht Bescheid, wer dafür sorgt, dass in unserem Land immer genügend Lebensmittel zu kaufen sind. Hier wäre eigentlich ein Anknüpfungspunkt gewesen, dieses Vorkommnis zum Anlass zu nehmen und über die Bauern und deren Arbeit, über ihre wichtigen Leistungen für unser täglich Brot aufzuklären. Aber weder die Erzieherin noch der Klassenlehrer haben das aufgegriffen. Leider ist Mobbing von Bauernkindern kein Einzelfall. Hier haben wir wohl Handlungsbedarf. Unser Antrag zielt genau darauf ab, das Wissen über die Herkunft unserer Lebensmittel und deren Entstehung sowie über die Menschen, die Tag für Tag dafür fleißig arbeiten, in die Schulen zu tragen. Wir wollen, dass ein realistisches Bild von unserer Landund Forstwirtschaft gezeichnet wird, dass Kinder und Pädagogen gleichermaßen in Kontakt mit der Praxis kommen, sich im Stall und auf dem Feld, im Wald und im Gewächshaus umschauen und sich von Bauern, Förstern und Gärtnern über ihren Beruf berichten lassen. Das Kultusministerium hat sehr ausführlich zum Antrag Stellung genommen. Dafür sei herzlich gedankt. Zur Verankerung der Themen Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft sowie Gartenbau im Lehrplan geben die verschiedenen Anlagen Aufschluss. Darin habe ich erfreulich oft die Auseinandersetzung mit Wald- und Forstwirtschaft gefunden. Auch Boden, Düngung, Klima, Ernährung und Nachhaltigkeit sind in verschiedenen Fächern und Jahrgangsstufen im Lehrplan vorgesehen. Der Schulgarten spielt eine bedeutende Rolle. Gern arbeiten die Schulen mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst zusammen, nutzen Waldjugendspiele, Waldschulheime und Wanderungen mit Förstern. Die EU-Schulprogramme für Obst, Gemüse und Milch werden von vielen Schulen in Anspruch genommen. All das sind gute Ansätze. Allerdings – und das stimmt mich bedenklich – findet sich in den Lehrplänen wenig zur Landwirtschaft allgemein und wenn, dann am ehesten bei den Förderschulen. Es liegt darüber hinaus im Ermessen der Pädagogen, ob und in welcher Weise sie die Themen im Unterricht umsetzen. Nun kann man nicht erwarten, dass sich die Lehrkräfte in allen Facetten des Ackerbaus und der Viehzucht auskennen, aber sie könnten sich entweder fortbilden oder – besser noch – externe Fachkompetenz an die Seite holen. Fortbildungsangebote gibt es ja laut Stellungnahme der Staatsregierung in ausreichendem Umfang. Bei der Einbeziehung externer Partner ist jedoch noch Luft nach oben. Der Besuch der Zooschule reicht dafür nicht aus. Hier wäre es wichtig, die Partner so auszuwählen, dass den Schülerinnen und Schülern dieses realistische Bild von unserer Landwirtschaft vermittelt wird. Der Familienbetrieb, der ökologisch produziert, gehört genauso dazu wie die Agrargenossenschaft mit mehreren Tausend Hektar Ackerfläche nebst Milchviehhaltung und Fleischproduktion. Projekte wie „Bauer für einen Tag“ oder „Tag des offenen Hofes“ bieten sich an. Dort würden die jungen Menschen und die Lehrkräfte aus erster Hand nämlich erfahren, dass die Landwirtschaft genauso wie die Forstwirtschaft in den vergangenen 30 Jahren eine atemberaubende Entwicklung durchlaufen hat, dass im Stall, auf dem Feld und auch im Wald mit hochmoderner Technik gearbeitet wird und die Digitalisierung längst Einzug gehalten hat. Sie würden erkennen, dass der Beruf des Landwirts ausgesprochen anspruchsvoll ist; denn Landwirte müssen Generalisten sein. Sie müssen Tierzucht und Pflanzenbau beherrschen und sich mit dem Boden und der Düngung auskennen. Die moderne Technik müssen sie nicht nur bedienen, sondern möglichst auch noch reparieren können. Die zahlreichen Vorschriften zum Umwelt- und Naturschutz müssen sie kennen und beachten, das Beantragen von diversen Fördermitteln verstehen und den Betrieb kaufmännisch erfolgreich führen. Das trifft übrigens auf beide zu: auf Großbetriebe und Familienbetriebe gleichermaßen; alle sorgen auf ihre Weise, jeden Tag – und ich meine wirklich jeden Tag – dafür, dass die Regale in den Lebensmittelgeschäften gut gefüllt sind. Aber nicht nur das: Land- und Forstwirte betreiben aktiv Natur-, Klima- und Umweltschutz; denn einerseits sind der Boden und der Wald ihre Produktionsgrundlagen, und andererseits gelten für sie ganze Reihen von Programmen und Vorschriften, die den Natur-, Umwelt- und Klimaschutz zum Ziel haben; und schließlich hat das Prinzip nachhaltigen Wirtschaftens mit Carl von Carlowitz seinen Ursprung in Sachsen. Wenn das alles so bekannt und auch bewusst wäre, würde man die Leistungen der Land- und Forstwirtschaft, aber auch der Ernährungswirtschaft und des Gartenbaus mehr wertschätzen und den Menschen, die in diesen grünen Berufen tätig sind, mehr Achtung entgegenbringen. Vielleicht liegt es daran, dass wir immer alles verfügbar haben, die meisten von uns nie wirklich Mangel an Lebensmitteln kennengelernt haben, dass unser hoher Lebensstandard so selbstverständlich ist, dass sich viele überhaupt keine Gedanken mehr über die Herkunft machen. Stattdessen gerät der Berufsstand in die Kritik, weil Erntemaschinen mal bis in die Nacht zu hören sind oder es nach Land riecht, wenn der Mist aufs Feld gefahren wird. Viel schlimmer aber sind Medienberichte über Missstände in Tierhaltungsbetrieben, die völlig zu Recht kritisiert werden und unverzüglich abgestellt werden müssen. Solche schwarzen Schafe gibt es leider immer mal wieder, und sie verderben das Image für eine ganze Branche; denn Bilder von geschundenen Tieren bleiben bei den meisten Menschen haften. Auch hier kann man mit der Vermittlung von Wissen über Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft sowie Gartenbau etwas tun: die Zusammenhänge zwischen dem Preis für das Produkt und der Art und Weise der Produktion erklären und die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehen. Haltungsformen, die dem Tierwohl entsprechen, sind aufwendiger, und diese Produkte sind dann auch entsprechend teurer. Man kann den höheren Preis ausgleichen und weniger Fleisch – dafür aber bessere Qualität und aus artgerechter Haltung – auf den Tisch bringen. Hierbei geht es darum, junge Menschen zu befähigen, Verbraucherbewusstsein zu entwickeln. Auch Saisonalität und Regionalität sollten beim Kauf von Lebensmitteln Beachtung finden. Damit können Verbraucher die hiesigen Produzenten stärken und darüber hinaus einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Alles zusammen versteht man am besten am praktischen Beispiel. Also, nutzen wir doch die Möglichkeiten, die wir haben! Nutzen wir GTA und Projekte an außerschulischen Lernorten, um Einblicke in grüne Berufe zu ermöglichen. Ermutigen wir die Schülerinnen und Schüler, ihre Schülerpraktika in einem Betrieb der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft oder im Gartenbau zu absolvieren. Laden wir ausdrücklich auch die Branche ein, sich offensiv an Initiativen zur Berufs- und Studienorientierung zu beteiligen, und zwar nicht nur mit einem Infostand in der Ausstellungshalle zwischen einem Pflegedienst und der Sparkasse, sondern draußen vor der Halle mit moderner Technik und ihren Produkten zum Anschauen, Anfassen und Probieren. So kann man junge Menschen für diese Berufe begeistern und gewinnen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Die BÜNDNISGRÜNEN, Frau Abg. Melcher.
