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Andreas Nowak

CDU 22.09.2022 Sitzungen 7/57

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Thumm, dass das Jahr 1989 vielfältige Transformationserfahrungen gebracht hat, ist ja wohl unstreitig. Dass man daraus auch noch heute lernen kann, mag Ihnen nicht so richtig einleuchten, macht es aber nicht weniger relevant. Ein Satz zu Frau Neuhaus-Wartenberg: Die Ausschreibung, die wir jetzt haben, ist vorhanden. Diese können wir nicht mehr ändern; wir können uns also nur noch in diesem Feld bewegen. Der Zukunftszug ist ja in diesem Zusammenhang schon angesprochen worden; ich komme noch darauf zurück. (Zuruf der Abg. Luise Neuhaus-Wartenberg, DIE LINKE) Am 7. Oktober 1989 gab es Proteste in Dresden, in Berlin und auch in Plauen. Ich war zwei Tage später in der Schule, am 9. Oktober – das war der Tag der ersten legendären großen Demo in Leipzig. Ich war damals 14 und wohnte im Leipziger Nordosten – dort, wo heute BMW, die Neue Messe und ein großes Logistikzentrum sind. Das war damals alles unvorstellbar. An jenem 9. Oktober haben uns die Lehrer gewarnt: Geht bloß nicht in die Stadt, da ist die Konterrevolution! Das war für uns eher eine Aufforderung, dort direkt einmal vorbeizuschauen. Aber meine Mutter kam von der Arbeit, und sie musste am Hauptbahnhof umsteigen – von der einen Bimmelbahn in die andere. Dort, wo mein Vater sonst immer unseren Trabi parkte, standen Soldaten und diese hatten Bajonette auf ihren Kalaschnikows. Meine Mama war eine sehr resolute Person, aber an diesem Tag habe ich sie so erschüttert erlebt wie nie zuvor und nie wieder danach. Wir wissen alle, wie dieser Tag ausgegangen ist; und eine Woche später waren es 100 000 Leute auf dem Leipziger Ring. Damit ist eigentlich schon der Hauptgrund erzählt, warum dieses Zentrum nach Leipzig und eben auch nach Plauen gehört. Das sind einfach die authentischen Orte für eine Erinnerungskultur, die weit in die Zukunft reicht. Aber es gibt natürlich noch mehr Gründe – und das wird Sie nicht wundern, dass ich vor allem als Leipziger über meine Heimatstadt reden möchte. Seit 800 Jahren ist in Leipzig die Welt zu Hause. Heute pulsiert dank der Ereignisse im Herbst 1989 das Leben bei Kunst, Kultur und Wirtschaft. Leipzig ist immer noch die Musikhauptstadt, aber eben mittlerweile auch die Stadt von BMW, Porsche und DHL. Es ist die Stadt der Neuen Leipziger Schule, des Auwaldes, der großen Seen im Süden, die ewige Rivalin von Dresden, cooler als Berlin, nur funktionierend, international und doch Provinz erster Klasse. Es ist eine Stadt, in der es genauso ein Zwei-SterneRestaurant gibt wie die Pleißenburg, wo man nachts um drei noch Nudeln mit Wurstgulasch bekommt und wo man bisweilen unterschiedliche Leute trifft. Frau Nagel von den LINKEN und ich haben uns dort einmal getroffen, und wir waren beide recht überrascht, im gleichen Laden zu sein. Das ist Leipzig. Leipzig ist die Stadt, wo mit dem Gewandhaus das größte und älteste bürgerliche Orchester der Welt zu Hause ist, wo die über 800 Jahre evangelische Thomaskirche neben der sieben Jahre alten katholischen Probsteikirche steht, die im Leipziger Volksmund ob ihrer Architektur „Sankt Tetris“ genannt wird. In Leipzig gibt es spannende Biotech-Startups genauso wie die älteste Agrarboden-Bearbeitungsgeräte-Firma. In Leipzig sind RB-Fans genauso zu Hause wie Chemiker und Logistiker. Wir haben den größten Kopfbahnhof Europas und auch eine S-Bahn-Station direkt unter dem Markt, der übrigens der schönste in ganz Sachsen ist, (Lachen und Zurufe von der AfD und den LINKEN) und Leipzig ist nur gut eine Stunde von der Kulturhauptstadt Europas – Chemnitz 2025 – entfernt. Ich könnte jetzt noch viele weitere Gründe nennen, aber ich will auf einen Punkt besonders eingehen, was die verkehrspolitisch Interessierten hier im Hohen Hause auch nicht überraschen wird. Der charmanteste Ansatz ist der schon erwähnte Zukunftszug. Dieser Zug verbindet Leipzig und Plauen mit den Menschen in den anderen Regionen Deutschlands. Dieser Zug kann das Zukunftszentrum zu den Leuten herausbringen. Genau das trägt die Themen eben hinaus – dahin, wo die Dinge passieren. Wir können damit an jeden Ort fahren, wo es einen Gleisanschluss gibt, und die entsprechende Veranstaltung durchführen. Schon vor der Eröffnung dieses Zukunftszentrums kann der Zug losfahren. Damit nimmt das ganze Thema sofort Fahrt auf. Es passt deswegen perfekt zu Leipzig. Leipzig ist dynamisch. Letztendlich ist das auch eine Reminiszenz an den Grund, warum Leipzig solch eine Erfolgsgeschichte hat – nämlich Mobilität, Handel und geistiger Austausch. Meine Stadt entstand an der Kreuzung von Via Regia und Via Imperii, und deswegen ist die Idee des mobilen Zukunftszentrums – zusätzlich zu den Standorten in Leipzig und Plauen – so unglaublich überzeugend und macht den Ansatz in meinen Augen auch so viel überzeugender als die Bezugnahme auf rein statische Mitbewerber. Kämpfen wir also alle gemeinsam um diesen Zuschlag! Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation gehört nach Plauen und Leipzig. Es ist die Reminiszenz an Sachsen, an alle die Orte, die um die friedliche Revolution gekämpft haben und aus denen Leute zu den großen Demos in die Städte gekommen sind. Deswegen sind wir der richtige Standort. Vielen Dank, dass Sie mir zugehört haben. (Beifall bei der CDU, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die AfDFraktion Herr Abg. Ulbrich, bitte.

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