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Daniela Kuge

CDU 22.09.2022 Sitzungen 7/57

Sehr geehrte Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Thema der Debatte, das wir hier in Sachsen nur bedingt ändern können, ist ein wichtiges, nämlich: Frauen in der Wirtschaft – auch wenn es hier den einen oder anderen nervt. Frauen fehlen als Führungskräfte und als Gründerinnen. (Beifall bei der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN) Es gibt einiges zu tun, damit sich das ändert. Wer denkt, dass der Markt alles schon irgendwie regle und die Wirtschaft einer gewissen inneren Logik folge, sollte sich die Situation der Frauen bzw. die Sache mit den fehlenden Frauen ansehen. In etlichen Studien ist nachgewiesen, dass Frauen im Topmanagement die besseren Gewinne erzielen; dennoch haben mehr als die Hälfte der großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland keine einzige Frau im Vorstand. Im EU-Vergleich liegt Deutschland hinsichtlich des Anteils von Topmanagerinnen im unteren Drittel. Noch ein Problem: Leider liegt der Anteil der Frauen unter allen deutschen Gründern unter 16 %, und Frauen, die gründen wollen, haben immer das Problem, dass sie weniger Kapital bekommen. Wirtschaftliche Logik und deutsche Realität klaffen auseinander. Deutschland kann sich diesen unprofessionellen und leichtsinnigen Umgang mit Innovationen nicht leisten. Die Wirtschaft verändert sich rasant hin zu einer digitalisierten, sozialeren und schnelleren Unternehmenswelt. Im internationalen Wettbewerb hat dieses Land nur eine Chance, wenn alle mitmachen. Nun ist es aber nicht so, dass alle Investoren, Chefs, BWLProfessoren, Mentoren und die anderen Männer, die zu den Entscheidern der deutschen Wirtschaft gehören, schlimme Sexisten wären. Sie stellen die weiblichen Nachwuchsführungskräfte oder Unternehmerinnen nicht bewusst kalt oder beißen sie gar weg. Das Problem ist in den meisten Fällen etwas, was man unbewusste Voreingenommenheit nennt. Kaum etwas ist so schwierig, wie gegen diese unbewusste Voreingenommenheit anzugehen. Es beruht nämlich meist auf unbewusster Voreingenommenheit, wenn Chefs einen Nachfolger aufbauen, der so aussieht wie er, der eine ähnliche Herkunft hat oder an der gleichen Stelle lacht wie er. Es ist meistens die unbewusste Voreingenommenheit, wenn Risikokapitalgeber lieber Christian Geld geben, der die blauen Hemdsärmel dynamisch hochgekrempelt hat, als Christiane, die schwanger werden könnte, als zu emotional gilt oder vielleicht einfach nicht laut genug „Ich!“ schreit. Unbewusste Voreingenommenheit führt zu schlechteren wirtschaftlichen Ergebnissen und zu unlogischen Entscheidungen. Man kann versuchen, mit Regulierung dagegen anzukommen, etwa mit einer Frauenquote, (Zuruf von der AfD: Oh!) aber viele Dinge lassen sich nicht einfach per Gesetz regeln. Es wäre ein doch zu starker Eingriff in die unternehmerische Freiheit, Wagniskapitalgebern vorzuschreiben, ihr Geld nur an gemischt geführte Teams zu vergeben. Auf Einsicht zu hoffen bringt allerdings auch nichts. Dazu war der Fortschritt in den letzten Jahren einfach zu langsam. Frauen müssen als wichtige Ressource für wirtschaftliche Entwicklung und Sicherheit verstanden werden. Mit der Benachteiligung von Frauen im Hinblick auf Führungspositionen wird nicht nur auf einen Beitrag verzichtet, welchen Frauen im Wirtschaftsgeschehen leisten können, sondern es werden auch Jahre in die Bildung von Mädchen und jungen Frauen verschwendet. Unternehmen sollten sich freiwillig Maßnahmen auferlegen, um gut ausgebildete weibliche Fachkräfte zu halten und den üblichen Spagat zwischen Karriere und Familiengründung zu vermeiden. Was aber nicht unterschätzt werden darf, ist die Kommunikation und die Rolle der Medien: ein Sichtbarmachen von Unternehmerinnen als Experten und Vorbilder unter anderem in Interviews, Artikeln, Podien, Diskussionsrunden und Beratungsgremien. Die Medien können das Thema besser thematisieren und Hindernisse für die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum aufzeigen, sie können Frauen und Männer, die Gründer(innen) oder Unternehmer(innen) sind, zu Wort kommen lassen, um über ihre eigenen Erfahrungen und Lösungsvorschläge zu sprechen. Was kann der Staat tun? Er kann das Steuer- und Abgabensystem revolutionieren. Denn noch immer ist unser Steuersystem auf eine Ein-Verdiener-Ehe ausgerichtet. Noch ein paar Ideen: Man könnte zum Beispiel statt des Ehegattensplittings ein Familiensplitting betreiben. (Dr. Rolf Weigand, AfD: Da habt Ihr bei der AfD geschaut, oder?) Dann wäre vielleicht auch die Gegenfinanzierung für die Kinderbetreuungskosten möglich. Man könnte überlegen, ob die Kinderbetreuungskosten von der Einkommensteuer absetzbar sein sollten.

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