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Petra Čagalj Sejdi

GRÜNE 14.07.2022 Sitzungen 7/54

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Damen und Herren! Sucht ist kein Brandthema, das irgendwo fernab von uns stattfindet. Nein, Sucht betrifft uns alle, ob es stoffgebundene Suchtmittel sind – wie Nikotin, Alkohol, Beruhigungs- und Schmerzmedikamente, illegale Drogen – oder ob es nicht stoffgebundene Suchtmittel sind, zum Beispiel Onlinespiele, Social Media oder Glücksspiele. Wir alle haben entweder selbst schon Suchterfahrungen gemacht oder wir haben in unserem näheren Verwandten- und Bekanntenkreis Menschen, die Suchterfahrungen gemacht haben. Sucht ist ein Thema direkt von uns, ein Thema direkt aus unserer Mitte und es geht uns alle an. Genau deshalb müssen wir es gemeinsam angehen. Die letzten zweieinhalb Jahre haben uns alle stark gefordert. Die Pandemie hat uns das Leben oft schwer gemacht und in dieser Zeit Suchtproblematiken verstärkt. Die Suchthilfe steht seitdem vor vielen neuen Aufgaben. Zum Beispiel sind therapierte Suchtkranke in der Pandemiezeit oft rückfällig geworden oder in problematische Lebenssituationen geraten, weil zum Beispiel der strukturierte Alltag nicht mehr so vorhanden war, wie sie ihn kannten, die wichtigen Treffen mit der Selbsthilfegruppe nicht mehr stattfinden konnten oder plötzlich Einsamkeit, Depressionen, Gesundheits- und Existenzängste aufkamen. Wir alle haben diese Momente sicherlich mehr oder weniger stark selbst erlebt. Ich denke, die meisten von uns können sich vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man so stark in einer Belastung ist und nicht mehr herauskommt, und wie schlimm es werden kann, wenn man eine Suchtvorgeschichte hat. Noch schwerer ist es für die vorbelasteten, kranken und die suchtkranken Menschen gewesen. Zukunftsängste, psychische Belastungen und Stress durch die Coronakrise haben das Suchtpotenzial erhöht. Das kann man jetzt schon feststellen. Wir haben in Sachsen eine professionelle und gute Suchthilfelandschaft und können auf Dinge zurückgreifen, die vorhanden sind. Aber genau diese gilt es, zu stärken und weiter auszubauen. Dafür ist eine Analyse der Bedarfe und der möglichen Veränderungen aufgrund der Pandemie wichtig. Deshalb wollen wir uns von der Staatsregierung umfassend berichten lassen, an welchen Stellen sich das Suchtverhalten wie verändert hat und wo nachgebessert werden muss. Dabei möchten wir illegale Drogen genauso in den Blick nehmen wie legale Drogen, nicht stoffgebundene Mittel wie stoffgebundene Suchtmittel. Suchtkranke, die Unterstützung suchen, brauchen sie schnell, und deshalb müssen wir schnell handeln. Der 4. Drogen- und Suchtbericht der Staatsregierung soll im nächsten Jahr vorgelegt werden und die Auswirkungen der Corona-Pandemie darlegen. Es ist wichtig, dass die Analyse in Zusammenarbeit mit den Fachkräften aus der Suchthilfe geschieht; denn sie haben den genauen Einblick in das Leben. Sie haben den genauen Einblick in die Problematik der Betroffenen. Unser Fokus liegt nicht nur auf der Entwicklung durch die Coronakrise. Bereits im Koalitionsvertrag hatten wir uns die Themen Suchthilfe, Suchtprävention und Sucht genau angeschaut. Diese Ziele, die wir uns damals gesetzt haben, wollen wir mit dem Antrag angehen. Wir lenken damit vor allem den Blick auf die jungen Menschen. Es ist leider kein Einzelfall, dass Familien, auch Eltern mit Kindern von Sucht betroffen sind und dass Eltern mit Kindern in Therapie gehen müssen. Es ist wichtig, dass die Kinder in dieser wichtigen Therapiezeit nicht auf das gemeinsame Familienleben verzichten müssen. Es ist wichtig, dass ein Augenmerk auf die Kinder gelegt wird, da sie durch die Krankheit ihrer Eltern oftmals Belastungen haben. Wenn es ihnen nicht gut geht, brauchen sie Hilfe und Unterstützung. Genau diese Hilfe und Unterstützung muss weiter gestärkt und ausgebaut werden, genauso wie die stationären Angebote für Jugendliche mit Suchtproblemen. Ein weiteres wichtiges Anliegen unseres Antrags ist die Unterstützung und Behandlung von Kindern, die bereits im Bauch ihrer Mutter in Verbindung mit Drogen gekommen sind. Dazu gehören die Behandlung und Begleitung von Crystal-geschädigten Säuglingen und Kindern bis ins Schulalter. Sie findet bei uns in Sachsen bereits statt, muss aber weiterhin stattfinden, gestärkt und ausgebaut werden. Nicht nur der Drogenkonsum ist eine große Gefahr; ich habe es angesprochen. Ein großes Problem stellt leider auch die Spielsucht dar, die sich in Zeiten der Pandemie ebenfalls verstärkt hat. Ich habe viele Jugendliche kennengelernt, die sich in dieser Zeit angewöhnt haben, Casinos aufzusuchen oder Online-Spiele zu spielen. Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, Zukunftsängste waren oft Auslöser, die dahin geführt haben. Wenn man ein, zwei Mal damit angefangen hat, kann so etwas leider schnell zur Sucht führen. Aber nicht nur die jungen Menschen haben Suchtprobleme, auch die älteren Menschen sind in Problemlagen geraten. Sie waren in der Pandemie oft besonders belastet durch Einsamkeit, Existenzängste und Gesundheitsängste. So etwas kann den Konsum von Tabletten, Alkohol und anderen Suchtmitteln verstärken. Hier sind Langzeiteffekte zu erwarten, die wir besonders im Blick haben müssen. Ein weiteres wichtiges Thema liegt mir und meiner Fraktion besonders am Herzen – ich habe es schon genannt –: Das ist das Thema Alkohol. (Heiterkeit) – Ja, Sie lachen. – Ich glaube, so manch einer hier in der Runde wartet sehnlichst darauf, dass draußen angestochen wird. Genau das ist das Problem. Fast die Hälfte aller Beratungsgespräche haben im letzten Jahr aufgrund von suchtgefährlichem Alkoholkonsum stattgefunden. Dreiviertel aller Suchtdiagnosen in Krankenhäusern gab es aufgrund alkoholbezogener Süchte. Alkohol ist ein Problem in unserer Gesellschaft. Das müssen wir in den Blick nehmen. Deshalb ist es wichtig, dass wir das nationale Gesundheitsziel, Alkoholkonsum zu reduzieren, in Sachsen unterstützen. Danke schön. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU, der SPD und der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Und die SPDFraktion. Frau Abg. Lang, bitte.

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