Holger Gasse
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Liebe Kollegin Sabine Friedel, zuallererst möchte ich feststellen: Der Schulfrieden im Freistaat Sachsen ist bereits vor Einführung der Gemeinschaftsschule und der Oberschule+ gesichert gewesen. Unser gegliedertes sächsisches Schulsystem ist in der Bevölkerung, insbesondere bei der Mehrzahl der Eltern und der Schülerschaft, anerkannt und wird hinsichtlich der Chancengerechtigkeit und der individuellen Förderung, aber auch der Abschlussbezogenheit sehr positiv bewertet. Die Leistungsfähigkeit und -gerechtigkeit des gegliederten Schulsystems wurde in vielfältigen Studien und Untersuchungen bestätigt, ohne dass es dafür einer Gemeinschaftsschule als zusätzlicher Schulart bedurft hätte; und mit dem Schulschließungsmoratorium – Kollegin Friedel hat bereits darauf hingewiesen – haben wir explizit die kleinen Schulen, besonders im Primarbereich und in der Sekundarstufe I, im ländlichen Raum nachhaltig gesichert. Mit der Einführung der Oberschule+ – auch das wurde bereits erwähnt – wird die Möglichkeit der Kooperation zwischen diesen beiden Schularten erweitert und somit ein weiteres Instrument zur Standortsicherung besonders im ländlichen Raum eingeführt. Und ja, die Gemeinschaftsschule als weitere Schulart ist das Ergebnis unserer Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD und berücksichtigt insbesondere die Forderungen unserer beiden kleinen Koalitionspartner. In Anbetracht dessen, dass Sie vorhin den Wechsel im Bund beklatscht haben, bin ich sehr dankbar, dass wir im Freistaat Sachsen an der Regierung sind. (Vereinzelt Beifall bei der CDU) Für die CDU-Fraktion stellt diese Schulart ein Angebot an die Eltern sowie Schülerinnen und Schüler dar, die den Weg des längeren gemeinsamen Lernens gehen wollen. Das ist auch in Ordnung so; aber es bedarf auch des großen Engagements von Lehrerinnen und Lehrern, die für diese Idee brennen, und natürlich auch der Eltern, welche darin die richtige Unterrichtsform für ihre Kinder sehen. Eine flächendeckende Entwicklung wird es aus unserer Sicht jedoch nicht geben, da die Eltern und Schüler, welche den Vorzug des sächsischen gegliederten Schulsystems und der individuellen Förderung nach der Primarstufe in den weiterführenden Oberschulen und an den Gymnasien mit Blick auf die Chancengerechtigkeit und den individuellen Leistungsanspruch schätzen, sich bewusst gegen die Beschulung an einer Gemeinschaftsschule entscheiden. Dieser Mehrheit tragen wir mit dem gegliederten sächsischen Schulsystem und dessen Leistungs- und Abschlussorentierung in besonderer Weise Rechnung. Insofern stellt die Gemeinschaftsschule für uns ein Angebot dar, welches gegenüber den Schularten im gegliederten Schulsystem über vergleichbare Rahmenbedingungen – beispielsweise mindestens vierzügig in Klassenstufe 5 – verfügen muss, um jedem Kind, welches sich für eine Beschulung an einer Gemeinschaftsschule entscheidet, den bestmöglichen Abschluss bis hin zum Abitur unter gleichwertigen Qualitätskriterien und Ressourcen zu ermöglichen. Abweichende Kriterien würden in der Sekundarstufe II beispielsweise dazu führen, dass Klassen zu klein wären, Kurse nicht in der erforderlichen Qualität mit qualifiziertem Lehrpersonal angeboten werden könnten und ein erfolgreicher Abiturabschluss damit gefährdet wäre, was wiederum zum Verlust der Akzeptanz von Gemeinschaftsschulen führen würde, liebe Kollegen. Das kann nicht in Ihrem Interesse sein. Der Freistaat unterstützt die Einführung von Gemeinschaftsschulen gleichwohl vollumfänglich durch entsprechende Beratungsleistungen im LaSuB sowie Fachreferenten und Lehrpersonal, welches bereit ist, den Unterricht an Gemeinschaftsschulen im Sinne eines erfolgreichen Abschlusses der Schülerinnen und Schüler zu gestalten. Auch im Bereich der Lehramtsausbildung findet diese zusätzliche Schulart Berücksichtigung. Mit der konzeptionellen Vorbereitung entsprechender Modellstudiengänge an der Uni Leipzig sowie der TU Dresden sollen weitere Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden. Gleichwohl zeigt die Anzahl der Initiativen zur Gründung von Gemeinschaftsschulen – auch Kollegin Friedel ist darauf eingegangen –, derzeit zwei in Dresden, dass offensichtlich der große Run auf diese Schulart noch ausgeblieben ist. (Lachen der Abg. Sabine Friedel, SPD) Das gegliederte Schulsystem hat in der Bevölkerung eine höhere Akzeptanz und sollte aus unserer Sicht auch weiterverfolgt werden. So viel von mir in dieser ersten Runde. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU)
