Dr. Claudia Maicher
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, die sächsische Industrielandschaft zeigt in der Geschichte und der Gegenwart eine beeindruckende Vielfalt und eine beeindruckende Forschungs- und Entwicklungsstärke. Mein Kollege Oliver Fritzsche ist bereits auf konkrete Erfindungen eingegangen, die von Sachsen aus in die Welt gingen. Alle eint der treibende Motor, durch intelligente Lösungen das Leben der Menschen zu verbessern, anderes Wirtschaften zu ermöglichen, das Wirtschaften zu verändern und sich den drängendsten Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Mit einem der dichtesten Standorte an außeruniversitären Forschungseinrichtungen und einer breit aufgestellten Hochschullandschaft sind wir in Sachsen attraktiv für Forscherinnen und Forscher aus aller Welt. Eine gelebte Willkommens- und Integrationskultur, ausgerichtet auf offenes Zugehen und das Bleiben der Menschen, ist dabei unverzichtbar – genauso wie die Notwendigkeit, für die Absolventinnen und Absolventen unserer Hochschulen attraktive Lebens- und Arbeitsbedingungen in ganz Sachsen zu schaffen. Wissenschaft kann sich nur in demokratischen Strukturen bestmöglich entfalten. Die Achtung der Wissenschaftsfreiheit ist dabei unerlässlich. Deshalb ist es unsere Aufgabe, jeden Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit zurückzuweisen – übrigens auch in diesem Hohen Hause. Die Menschheit steht zurzeit vor enorm großen technologischen, ökologischen, ökonomischen, aber auch sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen. So viele Krisen wie zurzeit, die auf einmal zu bewältigen sind, gab es selten. Daher ist es unverzichtbar, neben dem naturwissenschaftlich-technischen Blick auch die geisteswissenschaftliche Forschung viel stärker in den Blick zu nehmen. Diese ist notwendig, um die gesellschaftlichen Prozesse zu verstehen und den Wandel zu bewältigen und zu gestalten. Deshalb brauchen wir, wie ich finde, ein neues Verständnis von Innovation, das neben dem technischen auch sozialen und ökologischen Fortschritt stärker in den Blick nimmt. Wissenschaft und Forschung übernehmen eine immer wichtigere Rolle für das Miteinander und die Verständigung in der Gesellschaft; das hat nicht zuletzt die CoronaPandemie gezeigt. Deshalb sind der Transfer in die Gesellschaft, die Wissenschaftskommunikation oder Citizen Science bzw. Bürger(innen)wissenschaft die Aspekte, die die Wissenschaft weiterbringen. Beispielhaft finde ich die Arbeit des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung, iDiv, das nicht nur bei der Entwicklung der Citizen Science Strategie 2030 und den Prozess dorthin, sondern auch bei der Vermittlung und Bereitstellung öffentlicher Forschungsdatenbanken zur Pflanzenvielfalt, zu Biodiversitätsveränderungen und zum Policy Impact auf allen Ebenen beispielhaft vorangeht. Die Suche nach nachhaltigen, umwelt- und ressourcenschonenden Herstellungs- und Verwertungsprozessen durchzieht aber auch eine Vielfalt von Forschungsbereichen und -standorten in Sachsen. Ich möchte ein paar nennen: Um Chemnitz und Zwickau herum ist seit der Industrialisierung das Zentrum des Fahrzeug- und des Anlagenbaus angesiedelt. Auch dort wird nun an Veränderungen des Mobilitätsverhaltens und der gewählten Antriebe geforscht, es geht sozusagen wieder um das Thema Elektrifizierung. Die Region kann insbesondere durch das Cluster HZwo erneuerbaren Energien, Klimaneutralität und dem Potenzial des grünen Wasserstoffs einen Schub verleihen. Dresden ist nicht nur bekannt als Zentrum der Mikroelektronik, sondern die TU widmet sich in mehreren erfolgreichen Verbünden der Forschung an künstlicher Intelligenz – eines der großen Zukunftsthemen der Menschheit – und kann hierfür nun eine von deutschlandweit drei Konrad Zuse Schools aufbauen, die die internationale Sichtbarkeit erhöhen. Die Corona-Pandemie hat verdeutlicht, wie wichtig eine herausragende, vielfältige medizinische und biotechnologische Forschung ist, und der demografische Wandel – gerade auch in Sachsen – macht das unverzichtbar. Ich bin froh, dass wir mit den medizinischen Fakultäten in Leipzig und Dresden und dem dichten Netz an außeruniversitären Forschungseinrichtungen hier besonders erfolgreiche Projekte laufen haben, zum Beispiel die Nationale Kohorte und die Erforschung der Entstehung von Volkskrankheiten, OncoRay oder LIFE, die zu den bedeutenden Forschungsstandorten in Deutschland gehören. Diese nur beispielhaft erwähnte, breit aufgestellte Forschungslandschaft ist unsere Stärke und soll unser Merkmal bleiben; denn die Traditionen von morgen sind die Innovationen von heute. Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Bitte zum Ende kommen.
