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Frank Richter

SPD 04.05.2022 Sitzungen 7/49

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Mein geschätzter Kollege Volkmar Winkler hat gesagt: Es ist ein Vorteil, wenn man als Dritter reden darf. Vieles muss man nicht wiederholen. Man kann aber noch einige Akzente dazu setzen. Natürlich bitte ich Sie – wie meine Vorrednerinnen – um Zustimmung zu diesem Antrag. Ich möchte hinzufügen: Sie können diese Zustimmung, so wie ich, auch gern mit drei Ausrufezeichen versehen. Ich bin von diesem Antrag fast begeistert. Warum? Vielleicht deshalb, weil, wenn ich es richtig beobachtet habe, zum ersten Mal in den Debatten in dieser Legislaturperiode das Wort „Kunst“ in den Mittelpunkt gerückt wird. Das war nicht allzu häufig der Fall oder gar nicht. Dabei verdient dieser Begriff unsere Aufmerksamkeit. Welche zusätzlichen Argumente gibt es für die Zustimmung? Natürlich zunächst einen formalen Grund: Wir lösen damit ein Versprechen des Koalitionsvertrages ein bzw. bringen das Versprechen der Einlösung auf den Weg. Jugendkunstschulen gehören gestärkt, finanziell, strukturell, qualitativ und natürlich – es ist bereits gesagt worden – unter Einbeziehung der Fachverbände. Der zweite Grund ist eher inhaltlich. Mit diesem Antrag wird bezüglich der Kunst- und Kulturpolitik des Freistaates klar, dass auch ein starker Fokus auf die Nachfrageseite gelegt werden muss. Was nützen uns die vielen hochwertigen Veranstaltungen und Einrichtungen der Kunst und Kultur, wenn der nachwachsenden Generation der Zugang zu ihnen fehlt? Sachsen soll auch in Zukunft kein Museum für ausländische, vielleicht gut zahlende Touristen sein, sondern ein lebendiger Ort wertschöpfender Kunst und Kultur. Ich erinnere mich noch gut an eine Debatte im Sächsischen Kultursenat vor circa zehn Jahren. Schon damals rang dieses wertvolle Gremium, das unsere Aufmerksamkeit verdient, in seinen internen Debatten um den Perspektivenwechsel, Kunst und Kultur nicht nur aus der Perspektive der aktuellen Akteure zu diskutieren, sondern auch aus der Perspektive des kommenden Publikums, der Inhalte und der künftigen Rezipienten und Konsumenten. Kinder und Jugendliche brauchen Wegweiser und Vorbilder – Vorbilder im doppelten Sinne des Wortes –, aber natürlich auch geöffnete Türen und Räume, in denen sie sich ausprobieren und neue Entdeckungen machen können, auch an sich selbst. Es geht um politische Unterstützung von Kunst und Kultur, sowohl angebots- als auch nachfrageorientiert. Frau Staatsministerin, Sie haben, glaube ich, im Zusammenhang des ersten Lockdowns einmal emotional gesagt: Hoffentlich trocknen wir nicht aus. – Ich habe dieses Wort noch gut in Erinnerung, als wir so lange keine Theaterbesuche, keine Opernbesuche vornehmen konnten. Man kann auch unabhängig von der Pandemie in dieser Hinsicht kulturell und künstlerisch austrocknen. Auch diesbezüglich müssen wir etwas tun, und das machen wir mit diesem Antrag. Es braucht im Prinzip immer, aber umso mehr in einer heterogener werdenden Gesellschaft, den Zusammenhalt und den inneren Frieden, die Ausbildung und Entwicklung der Fähigkeiten von Empathie und Perspektivenwechsel. Wo erfolgt das? Gewiss auch an Orten der Jugendkunstschulen, dort, wo Menschen ihre Gedanken und Gefühle in künstlerischer und freier Weise ausdrücken und aufeinander beziehen können. Die Freiheit der Kunst gehört substanziell zu einer demokratisch verfassten Gesellschaft. Sie ist kein Nice-to-have. Jugendkunstschulen sind Orte der außerschulischen Bildung als Teil der kulturellen Bildung im Netzwerk regionaler Bildungslandschaften. Ein wichtiges weiteres Stichwort ist, regionale Bildungslandschaften zu stärken. Das ist im Koalitionsvertrag verankert. Bei aller Wertschätzung für die guten Curricula unserer Schulen: Lernen ist und bleibt ein Selbstaneignungsvorgang. Lernen braucht nicht nur Pläne, die von Lehrenden ausgedacht, durchgeführt und angepasst werden, Lernen braucht auch die Freiheit des Lernenden einmal ohne Vergleiche dort, wo Kreativität im informellen Lernen entstehen kann. Früher hätte man wohl gesagt: im musischen Lernen. Der Kultusminister heißt nicht zufällig Kultusminister und nicht etwa Schulminister oder gar Unterrichtsversorgungsminister, sondern Kultusminister. In diesem Wort schwingt Kult, Kultur und eben auch Kunst mit, all die Orte der freien Entfaltung des selbstaneignenden Lernens von Schülerinnen und Schülern. Wir glauben, dass Jugendkunstschulen dafür bestens geeignet sind und bitten um Ihre Zustimmung, gern auch mit der gleichen Begeisterung, wie ich sie vollziehen werde. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD, der CDU und den BÜNDNISGRÜNEN) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Kollege Richter sprach für die SPD-Fraktion. – Nun übergebe ich das Wort an die AfD-Fraktion, an Herrn Kollegen Kirste.

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