Doreen Schwietzer
Nein. – Davon sind 85 % Mütter und 15 % Väter. Immerhin gehen 81 % einer Erwerbstätigkeit nach. Zwar konnten fast drei Viertel der alleinerziehenden Frauen und Männer mit minderjährigen Kindern im Jahr 2019 den überwiegenden Lebensunterhalt durch eigene Erwerbstätigkeit bestreiten, aber – das ist das große Problem – fast 15 % der Alleinerziehenden waren auf Hartz IV angewiesen. Im Vergleich dazu waren es bei Paarfamilien mit minderjährigen Kindern lediglich 2,8 %. Eigentlich sollten 0 % angestrebt werden. Damit sind wir bereits beim Kernproblem, mit dem Haushalte Alleinerziehender zu kämpfen haben: die große Gefahr, zu verarmen – sei es, weil ihr Einkommen aus Teilzeitarbeit nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, oder weil aufgrund fehlender Arbeitsangebote oder der Kita-Betreuungskosten eine Erwerbstätigkeit überhaupt nicht möglich ist. Zur Wahrheit gehört, dass Probleme nicht erst bei fehlendem Gestaltungsspielraum der Arbeitgeber oder bei fehlenden Betreuungsangeboten vorhanden sind. Es ist wirklich erschreckend für den Bildungsstandort Sachsen, dass viele der arbeitslosen Alleinerziehenden keinen Berufs- oder Schulabschluss haben – zumal die Tendenz jener ohne Abschluss steigend ist. Der Anteil der arbeitslosen Alleinerziehenden ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist in Sachsen von circa 25 % im Jahr 2010 auf 42 % im Jahr 2020 gestiegen und auf knapp 46 % im Jahr 2021. (Daniela Kuge, CDU: Stimmt das?) 16,2 % haben keinen Schulabschluss. Diese Zahlen sind schockierend. Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass es in unserer Verantwortung liegt, unseren Kindern eine gute Bildung zukommen zu lassen. Es liegt in unserer Verantwortung, sie mit einem Abschluss und Ausbildungsreife aus der Schule zu entlassen. Für all diejenigen, für die es nun leider schon zu spät ist, sollte es weitere Unterstützungsangebote geben. Ich begrüße daher, dass Alleinerziehenden Wege eröffnet werden sollen, um verpasste Schul- und Berufsabschlüsse nachzuholen. Auch die vorgegebene Bestrebung, Ausbildungsmöglichkeiten in Teilzeit und eine Einbeziehung der Unternehmen anzubieten, halte ich für durchaus begrüßenswert. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass eine Teilzeitausbildung gleichzeitig auch bedeutet, dass finanzielle Einbußen hingenommen werden müssen. Das wird viele davon abhalten, eine solche Ausbildungschance zu ergreifen. Ich bin gespannt auf Ihre Vorschläge, ob und wann Sie diese Einbußen ausgleichen wollen. Was den Ausbau von Modellen flexibler Kinderbetreuung betrifft, findet auch dieses Vorhaben meine Zustimmung, denn diejenigen Alleinerziehenden, die unregelmäßige Arbeitszeiten haben oder in Schichten arbeiten, brauchen Kitas mit flexiblen Öffnungszeiten, um überhaupt arbeiten gehen zu können. Es wurde schon genannt: acht Stunden arbeiten, wenn die Kita neun Stunden geöffnet hat – es gibt viel zu wenige Kitas, die flexible Öffnungszeiten anbieten. Sachsen muss flexibler werden. Meine Damen und Herren, die Probleme sind nicht neu, sie sind uns allen bekannt. In den letzten Jahren hat sich die Staatsregierung nicht um Lösungen bemüht. Deswegen ist es an der Zeit, dass jetzt wirklich etwas passiert und dass Vorhaben konkretisiert und vor allem zeitnah umgesetzt werden, aber nicht nur wieder Versprechungen gemacht werden. Wir wissen ja: Es stehen bald Wahlen an. Halten Sie bitte Ihre Versprechungen. Wir werden Ihrem Antrag aber zustimmen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Eine Kurzintervention; Herr Kollege Patt, bitte.
