Franziska Schubert
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der Koalitionsfraktionen zum Sechsten Bericht kommt zur Halbzeit der Legislaturperiode, damit wir bis zum Ende der Wahlperiode praktische Schlussfolgerungen daraus ziehen können und konkrete praktische Schritte zur Anwendung kommen. Wir bekennen uns mit dem Antrag zu wichtigen Schwerpunkten. Das ist erstens die Wirksamkeit des Maßnahmenplans zur Ermutigung und Belebung des Gebrauchs der sorbischen Sprache, zweitens die Effektivität verschiedener Maßnahmen für die Gewinnung von mehr sorbisch Lernenden und drittens natürlich die Berücksichtigung der Interessen des sorbischen Volkes im Prozess des Strukturwandels. Wir haben schon bei der Erarbeitung des Antrages eine gute Zusammenarbeit mit dem sorbischen Dachverband gepflegt. Auch hier gilt für uns, es ist eine Leitlinie „Nicht ohne uns über uns“. Insofern ist uns die Beteiligung an dieser Stelle besonders wichtig. Die sorbische Kultur und Sprache sind ein Schatz für Sachsen, den wir schützen, bewahren und weiterentwickeln wollen. Der Bericht zur Lage des sorbischen Volkes im Freistaat Sachsen ist uns dabei eine wichtige Unterstützung, denn er zeigt uns Handlungsbedarfe auf. Diese nehmen wir als Politiker auch ernst und verknüpfen sie in unserem Antrag mit konkreten Arbeitsaufträgen an die Sächsische Staatsregierung. Um die sorbische Sprache zu erhalten – und das ist eine sehr, sehr grundlegende Sache –, muss sie weiterhin an den Schulen stattfinden, und zwar durchgehend. Auch hier ist der Nachwuchsbedarf besonders groß. Der Freistaat hat bereits 2016 ein Maßnahmenpaket beschlossen, um dem Mangel entgegenzuwirken. Wir wollen wissen, wo wir jetzt noch rangehen müssen, um den Unterricht in sorbischer Sprache sichern zu können. Es hat sich im Freistaat in den letzten Jahren viel getan. Bereits im frühkindlichen Bereich, wo wir auf sieben Witaj-Kitas mit 700 Kindern und noch einmal 11 Kitas mit ein oder zwei Witaj-Gruppen mit insgesamt 240 Kindern zurückschauen können, wo eine immersive Sprachvermittlung stattfindet. Das ist sehr erfolgreich. Dieses Projekt gilt es zu stabilisieren und zu stärken. Bei den Schulen geht es um das 2plus-Konzept, ein schulartübergreifendes Konzept. Auch hier geht es uns um eine Stabilisierung und um eine Ausweitung. Das hatte Kollege Schiemann schon vorgetragen. Gleichzeitig besteht – und das ist der dritte Punkte in unserem Antrag – eine riesige Chance durch die Gelder für den Strukturwandel. Zwischen 2022 und 2038 werden vom Bund jährlich 2,5 Millionen Euro für sorbische Projekte zur Verfügung gestellt. Wir als Koalition wollen dazu beitragen, dass die verfügbaren Mittel dem Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur zugutekommen. Ich möchte einen weiteren Punkt ansprechen, der mit Sprache sehr eng verwoben ist. Die Sorben haben längst erkannt, dass ihre Sprache, wenn sie zukunftsfähig sein soll, den Sprung in den digitalen Raum schaffen muss. Es gab letzten Dezember die sorbische Digitalisierungskonferenz. Da wurde der Startschuss für das Digitalkonzept gegeben. Es soll die sorbische Sprache auf elektronischen Geräten besser unterstützen. Man weiß, dass vieles im heutigen Alltag digital stattfindet, und es sollen mehr digitale Inhalte auf Sorbisch zur Verfügung gestellt werden. Damit geht natürlich auch die Stärkung digitaler Kompetenzen und deren Vermittlung einher. Dieses Digitalkonzept setzt konsequent auf offene Daten, einen offenen Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen und freie Lizenzen. Einen großen Schritt für die Digitalisierung im Sprachbereich ist die Veröffentlichung des ersten Online-Übersetzers Sorbisch – Deutsch sowie das Arbeiten an einer automatischen Vorlesefunktion und der sorbischen Spracherkennung. Als BÜNDNISGRÜNE werden wir diese Prozesse weiterhin begleiten und uns innerhalb der Staatsregierung auch dafür einsetzen. Ich bitte um Unterstützung für unseren Antrag. Vielen Dank. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN, der CDU und der Staatsregierung) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Es sprach Franziska Schubert für die BÜNDNISGRÜNEN. Ich bitte jetzt für die SPD-Fraktion Frau Hanka Kliese, bitte.
