Henning Homann
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir stehen vor der größten Modernisierung unserer Industrie und unserer Mobilitätssysteme seit über 100 Jahren. Ich glaube, es ist für uns alle elementar, dass wir ein gemeinsames Verständnis davon haben, was vor uns liegt und worauf es jetzt ankommt. Denn in den nächsten Jahren wird die industrielle Landkarte der Welt, Europas und Deutschlands neu geschrieben. Das, was selbstverständlich erscheint, ist infrage gestellt. Auch unser Wohlstand wird infrage gestellt, wenn wir es nicht begreifen, dass sich Dinge verändern werden. Für uns liegt darin aber die Chance, dass wir es schaffen – das erste Mal seit 1990 –, gerade auch in Ostdeutschland jetzt, in einer Zeit, in der die industrielle Landkarte neu geschrieben wird, Industrien hier anzusiedeln, hier zu entwickeln, sodass wir nicht mehr darauf angewiesen sind, westdeutsche Erfolgsprojekte nachzubauen, sondern einen eigenen Vorsprung Ost generieren können. Das heißt, es entscheidet sich jetzt, in diesen Jahren, ob wir in Zukunft mit VW in Zwickau und Chemnitz, mit BMW in Leipzig die Autos der Zukunft bauen oder ob dies Apple und Tesla oder irgendein chinesischer Hersteller tun. Es geht hier in Sachsen allein um 100 000 Kolleginnen und Kollegen, die in der Automobil- und Elektroindustrie arbeiten. Wir wollen nicht denselben Fehler machen, wie es Nokia oder Sony getan haben, die zu spät die Veränderungen im Bereich der Telekommunikation oder auch der digitalen Musik erkannt haben. Die meisten Unternehmen haben das bereits verstanden. Die großen Unternehmen wissen, dass es darauf ankommt, die Transformation hin zu E-Mobilität in Deutschland zu schaffen. Ich will dazu beispielhaft nur Volkswagen in Zwickau nennen, die dort inzwischen sechs Modelle von drei unterschiedlichen Konzernmarken fertigen. Genau das zeigt, dass wir in Sachsen eine große Chance haben. Falsch wäre es jetzt, an Technologien festzuhalten, die es wahrscheinlich in einigen Jahrzehnten nicht mehr gibt. Im Gegenzug ist es so, dass diejenigen die Zukunft gewinnen und auch die ökonomischen Herausforderungen bewältigen werden, die bereit sind, diese Veränderungsprozesse politisch zu begleiten und auf Innovationsgeist, Engagement und Zukunftsinvestitionen zu setzen. Wir alle haben dazu die Chance, gerade hier in Sachsen. Deshalb brauchen wir einen realistischen Blick, auch auf die Technologie der E-Fuels. Wo können sie helfen und wo nicht? Wir müssen feststellen, dass durch verlustintensive Umwandlungsstufen die Energiebilanz beim Einsatz von EFuels im Vergleich zur Elektromobilität um den Faktor 5 zurückliegt. Das bedeutet, dass sehr wahrscheinlich EFuels keine Option im Vergleich zum batterieelektrischem Pkw sind. Das bedeutet aber nicht, dass die Herstellung von E-Fuels keine sinnvolle Technologie ist – ganz im Gegenteil. Das wurde auch von meinen Vorrednerinnen und Vorrednern immer wieder klar gesagt. Wir werden E-Fuels brauchen, wenn es darum geht, in der Luft, wahrscheinlich auch in der Seefahrt und natürlich in der chemischen Industrie klimaneutrale Kraftstoffe zu besitzen, um die Herausforderungen eines klimaneutralen Umbaus unseres Verkehrssystems, unserer Gesellschaft und unserer ganzen Industrie zu organisieren. Dazu gehört aber auch das Bekenntnis, dass man, wenn man E-Fuels fördern will, wenn man findet, dass E-Fuels eine wichtige Rolle beim klimagerechten Umbau unserer Industrie spielen, alles dafür tun muss, um erneuerbare Energien auszubauen. Wir werden anderen Ländern nicht vorschreiben können, das für uns zu tun. Wir müssen unsere Hausaufgaben schon selbst machen. Deshalb werbe ich dafür, dass wir uns in dieser Diskussion ehrlich machen und zur Kenntnis nehmen, dass es im Vergleich zu anderen Technologien wahrscheinlich ein Fehler wäre, wenn wir der Meinung wären, dass wir im Grunde genommen so weitermachen werden, wie wir wollen, und es in Zukunft eben nur mit Wasserstoff oder E-Fuels machen. Nein, die Veränderungen sind tiefgreifender. Es werden diejenigen gewinnen, die diese Herausforderungen annehmen, die bereit sind, sie politisch zu begleiten, um auch in Zukunft in Sachsen ein Industrieland zu sein, um auch in Zukunft führend beim Thema E-Mobilität zu sein. Das sind die Zukunftsindustrien. Genau die wollen wir in Sachsen haben. (Beifall bei der SPD und vereinzelt bei der CDU) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Wir beginnen wieder mit der CDU. Herr Abg. Nowak, bitte.
