Juliane Pfeil
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin froh, dass die anderen Kollegen sich schon sehr intensiv mit dem Thema Landwirtschaft auseinandergesetzt haben, denn ich wollte gerne noch über ein paar andere Punkte sprechen, die regional Wert schaffen. Ich selbst bin ein Gewächs des ländlichen Raums. Ich komme aus dem Vogtlandkreis. Ich glaube – wie alle aus den ländlichen Räumen –, dass regionale Werte über kleine, innovative, aber wunderbare Ideen geschaffen werden, die regionale Händler in den Regionen mittlerweile anbieten. Zum Beispiel ist es der kleine Hofladen, der mittlerweile Versorgungslücken schließt, die wir leider auch in den ländlichen Räumen haben, und der sich in der letzten Zeit, während Corona, immer stärker digitalisiert und Bestellsysteme aufgebaut hat, um das Umland mit regionalem Obst, Fleisch, Brot etc. zu beliefern. Ich glaube, liebe Kolleginnen und Kollegen, an dieser Stelle können wir für die Förderung deutlich mehr machen. Es gibt auch Beispiele wie den Wurstautomaten der Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz. Für die Kollegen aus den Städten: Das ist so etwas wie ein Späti auf dem Dorfplatz. Aber genau das brauchen wir auch. Auch das schließt die Versorgungslücken und hilft, regionale Werte zu schaffen. Ich weiß, dass die Einwohner des Dorfes sehr stolz darauf sind, dass es dieses Angebot gibt. Regionalwerte schaffen wir aber auch, indem wir uns noch einmal intensiver mit den Lohnverhältnissen in der Landwirtschaft oder bei den Saisonarbeitskräften auseinandersetzen. Wir wissen ganz genau, dass diejenigen, die produzieren und verkaufen, dafür entsprechend entlohnt werden wollen. Ich glaube, dort haben wir ein Problem; denn das schafft Wert und lässt die Landwirte in der Region bleiben. Wir müssen auch mehr über angemessene Preise für regionale Waren sprechen. Eine Förderung dafür wird entscheidend sein. Ein weiterer Titel der Debatte war: Gesunde Esskultur fördern. Ich durfte im letzten Jahr als Leiterin der Verbraucherzentrale Dresden das Projekt der Ernährungsberatung begleiten. Ich glaube, an der Stelle haben wir noch Nachholbedarf. Die Nachfragen an die Kolleginnen aus der Ernährungsberatung waren um ein Vielfaches höher als das, was wir abbilden können. Es kommen nicht nur Anfragen aus den Kitas oder Schulen; es kommen auch die Anfragen von Senioren, von Eltern, die sich ganz bewusst weiterbilden wollen, die ein Gefühl dafür bekommen wollen, was das Klimalabel aussagt, wie sie den Nutri-Score bestimmen können, wie sie vegetarischer leben können oder welchen Einfluss Trendgetränke auf junge Menschen haben. Wenn ich sehe, dass der Bedarf an dieser Stelle so groß ist, können wir auch im Landtag etwas Gutes tun und sagen: Ja, die Ernährungsbildung ist uns wichtig. Sie fördert bewusst, dass wir mehr regionale Produkte konsumieren, weil gerade die jungen Menschen in den Schulen bewusst darauf hingewiesen werden, was es für einen Wert hat an dieser Stelle. Ich möchte noch einen Punkt zum Thema Verbindung Land und Stadt nennen. Gerade im Bereich der Digitalisierung können wir noch unglaublich viel nachholen. Wenn auch in den Städten bekannt ist, welche wunderbaren Produkte regional in den ländlichen Räumen angeboten werden und wir es über Bestellsysteme etc. schaffen, diese in die Städte hineinzubringen, dann schaffen wir Werte und wieder mehr Bewusstsein dafür. Letztendlich werden wir in den kommenden Monaten wahrscheinlich an einen Punkt kommen, bei dem sich Stadt und Land definitiv miteinander verbinden – nämlich dann, wenn der Cannabis-Anbau legalisiert wird. Vor Kurzem haben die vogtländischen Landwirte in einem Interview gesagt, sie werden damit einsteigen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie kann man besser Stadt und Land verbinden, als wenn man in Dresden, Leipzig oder Chemnitz sagen kann: Ich habe mein Gras von einem vogtländischen Landwirt gekauft, von einer vogtländischen Weide. Ich glaube, dann haben wir alle miteinander verbunden. Auch das wird Regionalwert schaffen. (Beifall bei der SPD und den BÜNDNISGRÜNEN – Zuruf von der AfD) Auch dieser Entwicklung müssen wir uns positiv gegenüberstellen; denn schon jetzt sagen die Landwirte, sie werden es mit aufnehmen, es wird für ihre Böden gut sein, die Blütenfolge entsprechend zu ergänzen. Ich freue mich weiterhin auf die Debatte. Ich glaube, wir haben dort viel Potential. Die Landwirtschaft muss definitiv gestärkt werden, aber wir haben in den letzten Jahren gute und positive Ansätze in der Förderung gefunden. Ich glaube, wir befinden uns auf einem guten Weg. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und den LINKEN)
