Norbert Mayer
Legen Sie doch mal eine neue Platte auf!) Ich will Ihnen noch eine Zahl nennen, weil ich finde, auch diese macht es sehr deutlich. – Ich würde eine neue Platte auflegen, wenn Sie mal zuhören, verstehen und entsprechend handeln würden, Herr Kollege. (Vereinzelt Beifall bei der CDU – Beifall bei der SPD) Ich habe das in den Debatten der letzten Monate häufig gesagt: Es ist nicht so, dass ich eine Obsession dafür hätte, auf Ihren Blödsinn zu reagieren. Ich glaube nur einfach, man darf es nicht unwidersprochen lassen. Es ist eben der Mühe wert, das, was Sie hier jedes Mal an Desinformation, an Falschbehauptung, an Hetze und an Hass über uns, über die Staatsregierung und auch über den gesamten Komplex Corona auskippen, nicht unwidersprochen stehen zu lassen. (Beifall den BÜNDNISGRÜNEN, der SPD und der Staatsregierung) Wenn Sie sich die Zahlen mal anschauen – in Deutschland ist einer von 696 Bürgern an Corona gestorben, im Freistaat Sachsen ist es einer von 286. Diese Zahlen – sie zu ermitteln, ist mit Sicherheit nicht ganz so einfach, sie zu verstehen dafür umso leichter – müssten Ihnen doch im Grunde zeigen, dass wir in Sachsen im Bereich des Impfens den zentralen Unterschied zu vielen anderen Regionen Deutschlands haben. Staatsminister Schenk hat zu Recht auf die Situation in den Krankenhäusern in den Vereinigten Staaten von Amerika hingewiesen. Die Vereinigten Staaten von Amerika – einige Bundesstaaten zumal – ähneln dem Freistaat Sachsen bei der Impfquote eben mehr als viele mittel- und westeuropäische Nachbarländer. Das erklärt den Unterschied in der Sterblichkeit und in der Zahl unterschiedlicher Krankheitsverläufe. Das ist ein augenfälliger Fakt. Ich schaue immer zu Ihnen und stelle fest, da passiert nichts, aber man sieht das doch. Man kann es sehen, wenn man es sehen möchte. Ich glaube, dass die Mehrheit von Ihnen in der Lage wäre, es zu sehen. Es nicht sehen zu wollen ist im Grunde aber noch viel schlimmer, als es nicht sehen zu können, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen. (Vereinzelt Beifall bei der CDU und der SPD) Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir immer wieder deutlich machen: Wenn wir mit Blick auf den Sommer aus der Pandemie ausbrechen wollen, braucht es zwei Dinge, nämlich zum einen maßvolle Öffnungen mit Blick auf das Infektionsgeschehen – das hat jetzt mit der neuen CoronaSchutz-Verordnung stattgefunden – und zum anderen alle Anstrengungen, die Impfquote zu erhöhen, vorbereitet zu sein auf den nächsten Herbst. Sie wären doch die Ersten, die wieder sagen würden, die Staatsregierung habe sich nicht vorbereitet. Was ist da passiert? Es gab wieder keine Tests oder dieses und jenes. Es gibt Kollegen von Ihnen, die bei Sitzungen sehr gern hinter diesen possierlichen Plexiglasscheiben Platz nehmen, weil sie nicht einmal bereit sind, sich zu testen. Momentan sitzt da zum Glück niemand, aber die sind dann die Ersten, die sagen, es gebe zu wenig Tests. Ich meine, auch das passt nicht zusammen, auch das ist eine ganz offensichtliche Schere im Kopf; aber ich will da gar nicht ins Detail gehen. Es zeigt augenfällig, wie unheimlich inkonsistent und wie instrumentell Sie mit einer Krise umgehen, die es so in den letzten 30 Jahren, wahrscheinlich sogar in den letzten 75 Jahren in diesem Land nicht gegeben hat. Ich will noch einen eher beispielhaften Aspekt der Diskussionen aufgreifen. Sie sagen immer, das Gesundheitswesen in Deutschland sei zu keinem Zeitpunkt an der Grenze der Belastbarkeit gewesen. Ich bin vor Weihnachten in diverse Kliniken gefahren und habe dort mit dem Personal gesprochen, einerseits um Danke zu sagen für den Dienst, den die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegerinnen und Pfleger in diesen schwierigen Zeiten geleistet haben, aber natürlich auch, um ein Gefühl für die tatsächlichen Situation zu bekommen. Zahlen und Statistiken sind das eine und das persönliche Erleben der Fachkräfte das andere. Im Diakonissenkrankenhaus Dresden – gar nicht weit von hier, da könnten Sie fast einen Spaziergang hin unternehmen – wurde mir gesagt: Es ist schon schwierig, für sich selbst zu akzeptieren und das mit dem Berufsethos bzw. dem eigenen Anspruch zu verbinden, den man an die Arbeit als Krankenschwester, als Pfleger oder eben auch als Ärztin oder Arzt hat, wenn man dieselbe Frau mit derselben Krebserkrankung, für die sie nichts kann und kein individuelles Risikoverhalten vorhanden ist, zum zweiten Mal wegschicken muss, weil die Operation verschoben werden muss, um unmittelbar beatmungspflichtige Corona-Patienten zu versorgen. (Norbert Mayer, AfD: Blanke Demagogie!) Wenn man das hört, und das kann man hören und sehen, weil es findet statt – – – Wissen Sie, Sie können hier irgendwelche auswendig gelernten Fremdwörter wiederholen, das ist vielleicht schön für Sie und Sie lernen dabei auch noch etwas. Aber das ändert doch nichts an der Richtigkeit der Aussage. (Norbert Mayer, AfD: Krebs wird nicht verschoben!) Wenn diese Eingriffe zum zweiten Mal verschoben werden und wenn die Heilungschancen dieser Menschen zum zweiten Mal verringert werden, dann ist es doch im Brennglas – individuell an diesem Schicksal festgemacht – ganz deutlich zu sehen, dass unser Gesundheitswesen zwar nicht über der Grenze der Belastbarkeit war und wir Corona-Patienten nicht mehr behandeln konnten, aber sehr wohl an der Grenze der Belastbarkeit, andere Menschen behandeln zu können. Das Schicksal dieser Leute ist Ihnen vollkommen egal. (Norbert Mayer, AfD: Sie lügen! –
