André Barth
Es hätte jetzt noch schlimmer kommen können! – Weitere Zurufe von der AfD und den LINKEN) Allen anderen in diesem Hohen Haus, denen Karl Marx kein so rotes Tuch ist, die also interessiert sind an einer kritischen Auseinandersetzung mit Marx und Engels, würde ich gern aus einer des Kommunismus ganz und gar unverdächtigen Quelle zitieren. Hier heißt es: „Wie das Neue Testament noch immer von Millionen Menschen gelesen wird, die sich nicht lange bei der Frage aufhalten, ob Christus eines Tages in seiner Herrlichkeit zurückkehren wird oder nicht, so wird das Kommunistische Manifest noch immer auch von denen gelesen, die hoffen und glauben, dass wirkliche soziale Gerechtigkeit ohne eine Revolution, wie sie Marx prophezeite, erreichbar ist, dass eine klassenlose Gesellschaft, eine Welt, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist, als Ergebnis dessen zustande kommen kann, was Marx als bürgerlichen Reformismus abtat. Eltern und Lehrer sollten junge Menschen dazu ermuntern, beide Bücher zu lesen. Es wird der moralischen Haltung der jungen Leute förderlich sein.“ Erstens. Die Quelle, in der der vollständige Text nachzulesen ist, ist die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ von 1998. Veröffentlicht wurde der Text anlässlich des 150. Jahrestages des Erscheinens des Kommunistischen Manifests. Zweitens. Der Verfasser des Artikels, aus dem das Zitat entnommen ist, ist der weltweit anerkannte Philosoph des Pragmatismus Richard Rorty aus den USA. Drittens. Mit dem Autoritätsbeweis sollte nichts bewiesen, sondern zur Zeitungslektüre angeregt werden. Viertens. Denn es gibt – und das wollte ich eigentlich zeigen – unter den Konservativen bis Erzkonservativen auch Köpfe, die eine differenzierte und generöse Sicht auf das Werk von Marx und Engels haben. Mit denen lohnt nicht nur der Streit, sondern auch das Gespräch, und nicht mit denen, die unbedingt Feindbilder brauchen. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN und der SPD) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Vielen Dank. Das war Franz Sodann für die Fraktion DIE LINKE. Für die BÜNDNISGRÜNEN jetzt Valentin Lippmann, bitte.
