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Jörg Dornau

AfD 30.09.2021 Sitzungen 7/37

Was ist denn das für ein Vergleich?! – Zuruf des Abg. Lars Kuppi, AfD) – Aber vielleicht, Herr Kuppi, um Ihren Puls noch ein bisschen zu erhöhen, lag das Wirtschaftswunder ja auch an den vielen ausländischen Fachkräften. (Beifall bei der SPD, der CDU, den LINKEN und den BÜNDNISGRÜNEN) Sie behaupten in Ihrem Antrag, es gebe eine Benachteiligung des – wie Sie es nennen – Mehrheitsfamilienmodells. Als gebe es Prämien für alle, die es anders machen würden oder – das ist mir auch sehr wichtig – anders machen müssen. Diese gibt es nämlich auch. Das Gegenteil ist der Fall. 43 % aller Ein-Eltern-Familien gelten als einkommensarm. Das ist Benachteiligung! (Thomas Thumm, AfD: Und warum? Weil sie SPD gewählt haben!) Würden wir tatsächlich umsetzen, was in Ihrem Antrag steht, wären diese Familien nicht nur weiterhin stärker von Armut betroffen, sondern auch stigmatisiert. In Wirklichkeit zielt Ihr Antrag nicht auf eine Beseitigung von vermeintlichen Nachteilen, denn für diese Nachteile für traditionelle Familien sind Sie jeden Beleg schuldig geblieben. Ihr Antrag zielt auf eine Stigmatisierung von allem, was davon abweicht, und das ist ein ganz wichtiger Unterschied. Denn wie von Ihnen gefordert, ein positives Bild des Lebensentwurfs der traditionellen Familie als Lerninhalt geht gleichzeitig einher mit einer Abwertung anderer Entwürfe. Niemand relativiert – wie Sie es schreiben – das Konstrukt aus Vater, Mutter, Kind. Das tut überhaupt niemand, das hat auch noch niemand von Ihnen hier nachweisen können. Aber Sie werten Konstrukte ab, und das kann für Kinder folgenreich sein. Wie mag es sich denn für einen Jungen anfühlen, dessen Vater die Familie verlassen hat und der gern in einer Mutter-Vater-Kind-Familie aufwachsen würde, wenn ihm im Kindergarten erklärt wird, dass dieses Modell, was er sich selbst oft wünscht und nicht bekommen wird, das einzig wahre ist? Und wieso muss eine Tochter, die von zwei Frauen großgezogen wird – mit viel Liebe und Empathie –, sich weniger wert fühlen als andere? Das müssen Sie mir erklären. Zuletzt noch ein paar Worte zu den von Ihnen so verteufelten Projekten. Ich würde gern wissen, wer von Ihnen schon einmal einen Träger dieser Projekte besucht hat und wer auch schon einmal an so einem Projekttag teilgenommen hat. Das würde mal ganz guttun. Nehmen wir zum Beispiel einmal den different people e. V. Chemnitz. Sie wissen wahrscheinlich gar nicht, was die machen. Sie gehen an Schulen und reden mit Kindern und Jugendlichen darüber, dass es normal ist, verschieden zu sein – das, was Sie hier permanent leugnen. Gerade im ländlichen Raum kann das jungen Menschen sehr helfen; denn in Regionen, wo bis zum heutigen Tag gleichgeschlechtliche Paare noch immer mit Ausgrenzung bis hin zu körperlichen Übergriffen zu rechnen haben, ist es wichtig, Ermutigung zu erhalten und Hilfe zu bekommen. (Zuruf von der AfD: Das ist doch Blödsinn, was Sie sagen!) – Es ist überhaupt kein Blödsinn. Und wenn im Erzgebirge Neonazis – – (Zurufe von der AfD – Zuruf der Abg. Sarah Buddeberg, DIE LINKE – Starke Unruhe und weitere Zurufe) Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Also, bitte! Es war abzusehen, dass das heute hier eine emotionale Debatte wird – und trotzdem bitte ich um Mäßigung, und zwar auf allen Seiten, aber besonders von mir aus auf der rechten. (Zuruf von der AfD: Das ist ja klar!) – Nein, das ist eben nicht klar.

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