landtag.sachsen.de ↗

Volkmar Winkler

SPD 29.09.2021 Sitzungen 7/36

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die Freude ist auch auf meiner Seite, und ich schließe mich der Freude der Kollegin Mertsching an und bin den GRÜNEN über dieses Thema dankbar, das sie zum Wald wieder gesetzt haben. Darüber kann man nicht oft genug reden. Ich möchte aber dieses Thema in seiner Komplexität und Konflikthaftigkeit darstellen, um jedem vor Augen zu führen, womit wir es in den nächsten Jahren zu tun haben. Waldumbau, Forst und Holzwirtschaft sind nicht erst seit den Schadensereignissen der letzten Jahre aktuell, sondern haben historische Dimensionen. Beide Weltkriege haben dafür gesorgt, dass Wälder gestorben sind. Auch das Waldsterben in den Achtzigerjahren hat Schaden an den Wäldern angerichtet. Ich erinnere in dem Zusammenhang an die Orkanschäden Anfang der Neunzigerjahre. Nach den heutigen Maßstäben begann der Waldumbau der Bundesrepublik vor 40 Jahren, hier im Osten Deutschlands natürlich erst nach der Wende so richtig – weitestgehend ohne Berücksichtigung von Klimaschutzaspekten. Es war aber trotzdem, und ist es immer noch, eine Abkehr von der Kahlschlagwirtschaft und von Monokulturen. Mischung in den Wäldern und ein höheres Durchschnittsalter der Bäume wird regelmäßig von der Bundeswaldinventur festgestellt. Im Kontext von Natura 2000 sind inzwischen 25 % der deutschen Waldflächen FFH-Schutzgebiete. So weit vielleicht zur Genese. Der Wald in Deutschland und in Sachsen hat in den vergangenen Jahren – das haben wir von jedem Redner gehört – durch Sturm, Trockenheit, Borkenkäfer, aber auch durch Pilze, natürlich auch als Folge des Klimawandels, erhebliche Schäden erlitten. Wir verzeichnen teilweise einen Landschaftswandel, weil ganze Forsten und Wälder abgehen. Der in der Fachwelt hoch geachtete Prof. Dr. Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde hat in Anbetracht dieser Entwicklung nicht nur von einem globalen, sondern auch von einem lokalen und regionalen Klimawandel gesprochen. Über 285 000 Hektar Kahlflächen bedrohen nicht nur die Holzproduktion, sondern auch die Kohlenstoffbindung, die Trinkwasserreinigung, die Biodiversität, aber auch die Erholungsfunktion. Der notwendige Umbau der Wälder zu mehr Klimaresilienz bei Wahrung der bisherigen Zielsetzung, ist wohl die größte Herausforderung und sollte nach Waldeigentum, Standort, Schutzstatus oder auch Ausgangssituationen der Schäden differenziert und durchgeführt werden. Aufgrund der Vielzahl von Funktionen ergeben sich durchaus Zielkonflikte, die heute teilweise angesprochen worden sind, zwischen den verschiedenen Funktionen. In erster Linie zwischen der Schutzfunktion auf der einen Seite und der Nutzfunktion auf der anderen. Das ist in den Ausführungen meiner Vorredner deutlich geworden. Darin liegt wie gesagt die größte Herausforderung, der wir uns in den nächsten Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten stellen müssen; denn es stellt sich die Frage, wo das Rohholz herkommen soll, das wir mehr brauchen und vor allem im Bau vermehrt einsetzen wollen. Wir reden in diesen Tagen von Holzkompetenzzentren in Sachsen, die die Holznutzung forcieren wollen. Eine weitere Herausforderung ist der Faktor Waldeigentum. Denn nahezu 50 % der Wälder sind Privatwälder. Diese Waldflächen und die vielen Tausend Waldbesitzer können und dürfen wir nicht außen vor lassen. Wir brauchen bessere regulative Vorgaben, sowie eine noch stärkere Förderung, als sie derzeit besteht. Ich möchte nur das Stichwort Ökosystemdienstleistung und die Honorierung derselbigen darlegen. Ein weiterer Zielkonflikt lässt sich zwischen Wald, Waldumbau und Biodiversität feststellen, sprich Wild im Wald, Wald vor Wild. Diese Geschichte möchte ich nicht ausmalen, aber dennoch ist sie ein Konfliktpunkt. Apropos Zielsetzungskonflikte: Ich erinnere an die letzte Anhörung im EKULA vor circa zwei Wochen zum Thema ungenutzter Wälder. Dort ging es um die Frage der Stilllegung von Waldflächen oder nachhaltiger Bewirtschaftung im Zusammenhang mit dem Klimaschutz und der Fähigkeit des Waldes, Kohlenstoff zu speichern. Die Wissenschaftler unter den Sachverständigen haben deutlich gemacht, dass Substitutionseffekte, also die Entnahme von Holz aus dem Wald, zu einer mittel- bis langfristigen Nutzung, zum Beispiel in Dachstühlen oder in Möbeln, der eigentlich beste Weg sind, um Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entnehmen und dauerhaft zu binden. (Beifall des Abg. Georg-Ludwig von Breitenbuch, CDU) Stehende Biomasse im Wald ist auf Dauer nicht unbedingt der neutralste Speicher –

Alle Reden von Volkmar Winkler Protokoll ↗