Anna Gorskih
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Tag damals an der Uni in einer mir noch sehr fremden Stadt und einem unbekannten Ort, der Hochschule. An meine erste Vorlesung mit vielen anderen Studierenden in einem großen Hörsaal erinnere ich mich auch gut. Da kannte ich noch niemanden und wusste auch noch nicht so richtig, was auf mich zukommen wird. Meiner Sitznachbarin ging es genauso, also kamen wir ins Gespräch. Im Anschluss an die Vorlesung waren wir noch zusammen in der Mensa Mittagessen und dann hat sich uns noch eine Gruppe von anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen angeschlossen. Also kamen wir ins Gespräch und haben am Ende eine Lerngruppe gebildet. Am Ende des Tages habe ich mich nicht mehr so einsam gefühlt an diesem unbekannten Ort Hochschule und bin so langsam in dieser bis dahin noch fremden Stadt angekommen. (Unruhe im Saal) Ich vermute einmal, einige von Ihnen werden sich vielleicht auch so oder ähnlich an ihren ersten Tag an der Uni erinnern. Vielleicht haben Sie auch ähnliche Erfahrungen gemacht. Unsere heutigen Studierenden sind hingegen seit anderthalb Jahren in einer komplett anderen Situation. Mit Beginn der Corona-Pandemie im letzten Jahr wurden die Hochschulen in einen digitalen Betrieb versetzt. Das gelang mal mehr, mal weniger gut. Vor allem die Lehrenden und die Studierenden waren gefordert und haben sich auch schnell auf die digitale Lehre eingestellt. Viele können sich gar nicht mehr erinnern, wann sie denn das letzte Mal an der Hochschule waren, wann sie das letzte Mal eine Vorlesung in Präsenz gehört haben. Wir kommen jetzt zur Abstimmung über die Drucksache 7/5414 und ich bitte bei Zustimmung um das Handzeichen. – Vielen Dank. Wer ist dagegen? – Wer enthält sich der Stimme? – Bei Stimmen dafür und einer Mehrheit dagegen ist der Drucksache nicht entsprochen worden und dieser Tagesordnungspunkt ist beendet. Wir kommen nun zu vergessen – Perspektive für Studium Corona-Bedingungen entwickeln! der Fraktion DIE LINKE, der Staatsregierung (Unruhe im Saal) Zahlreiche Studienanfänger(innen) haben noch nie eine Hochschule von innen gesehen, und sie kennen ihre Professorinnen und Professoren und Kommilitoninnen und Kommilitonen nur als bunte Kacheln an ihren Bildschirmen. Immer wieder wurde auch Kritik laut, zum Beispiel, dass die Hochschulen auf Bundes- und auf Landesebene bei den Verordnungen zum Schutz vor der Pandemie kaum erwähnt wurden und dass sie auch bei Lockerungen entweder hintangestellt oder komplett sich selbst überlassen wurden. Bis heute gibt es weder für die Studierenden noch für die Lehrenden bzw. Mitarbeitenden an Hochschulen Klarheit, wie es im nächsten Semester weitergehen kann. Während im Bereich Schule und Kita immer wieder über Öffnungsschritte und Konzepte diskutiert wird, was auch gut und richtig ist, sitzen Studierende und Hochschulmitarbeitende zum großen Teil immer noch vor ihren Bildschirmen ohne eine Perspektive, wie es weitergeht. Zu Recht haben viele das Gefühl, von den Regierenden vergessen worden zu sein, und dieses Gefühl breitet sich aus. So habe ich in den letzten Wochen und Monaten immer wieder solche Überschriften gelesen wie: „Wer nichts produziert, hat eben nichts zu melden.“ Oder: „Die Politik macht sich in der Pandemie mehr Gedanken über Gartenmärkte und Fußpflege als über die Hochschulen.“ (Unruhe im Saal) Vor einigen Monaten meldeten sich deswegen Studierende selbst zu Wort mit einer gegründeten Initiative „#Nichtnuronline“, mit der zwar keine sofortige Rückkehr – in Anbetracht der damals noch sehr hohen Inzidenzen –, aber – – Dritte Vizepräsidentin Luise Neuhaus-Wartenberg: Frau Kollegin Gorskih, einen kleinen Moment. Könnte ich um ein bisschen mehr Ruhe bitten? – (Beifall bei den LINKEN, den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Ich verstehe kaum, was hier vorn gesprochen wird. (Unruhe im Saal) Ich bitte noch einmal um Ruhe! – Danke schön.
