Holger Hentschel
So lustig! Sehr schön. (Staatsminister Christian Piwarz: Ein Running Gag. Hat aber nichts mit Ihnen zu tun!) – Herr Piwarz, dass Sie mich da nicht enttäuschen, das ist auch gewiss. Sehr gut. Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Am verminderten Bewegungsdrang der jungen Generation hat nicht allein die Schule Schuld. Wenn Eltern ihre Kinder auf kurzen Schulwegen mit dem Auto bis zur Schultür fahren – manche Eltern würden es auch bis zum Stuhl im Klassenzimmer schaffen – und wenn die Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit Chillen heißt, sind Übergewicht, Kreislaufprobleme und motorische Defizite vorprogrammiert. Wäre aber die Schule im Ort, sodass Kinder nicht täglich zweimal bis zu 45 Minuten im Bus sitzen müssten – die Wartezeit ist noch gar nicht mit eingerechnet –, könnten sie diese Zeit im Sportverein verbringen. Für viele Kinder ist das also circa 2 Stunden verlorene Zeit. Das ist das Ergebnis der sächsischen Schulpolitik der letzten Jahre. (Martin Modschiedler, CDU: Jahrzehnte!) Sportliche Ganztagsangebote sind wichtig, um Neugier, Interesse und vielleicht sogar Begeisterung für den einen oder anderen Sport zu wecken. Verpflichtende Schnupperstunden für die angebotenen Sportarten in diesem Rahmen wären eine erste Kontaktmöglichkeit besonders für die Sportvereine vor Ort, welche teils mit schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen haben. Dies kann bereits auch in den Kindertageseinrichtungen stattfinden. (Sören Voigt, CDU: Das findet schon statt!) – Sehr gut, dann intensivieren wir das doch. Wie sehen verpflichtende Schnupperstunden denn aus? Die Sportvereine stellen sich an einem Nachmittag mit Angeboten zum Ausprobieren vor. Der Basketballkorb ist mit dem Ball zu treffen, das Ruderergometer wird ausprobiert, jedes Kind setzt sich einmal aufs Pferd. Die Vereine haben da sicher sehr gute Ideen. Und so merken die Kinder schnell, ob sie sich dafür begeistern können. Mir ist klar, dass Sie jetzt wieder mit der Eigenverantwortung beim Lernen und Bildung als Selbstbildung besonders im Hinblick auf den sächsischen Bildungsplan um die Ecke kommen. Aber hier gehen unsere Ansichten doch weit auseinander. Wer immer nur das tut, wozu er gerade Lust und Laune verspürt, wer jeder Konfrontation mit dem inneren Schweinehund aus dem Weg geht, wird sich selten für etwas Neues begeistern. Für sportliche Ganztagsangebote sind nur wenige Sportarten nicht geeignet bzw. bedürfen besonderer Genehmigungen. Natürlich muss man schauen, welche Möglichkeiten regional vorhanden sind, aber für die meisten Kinder sollte doch etwas zu finden sein. Nicht wahr, Herr Gebhardt? (Rico Gebhardt, DIE LINKE: Ja!) Den Löwenanteil am Bewegungsvolumen vieler Kinder aber leisten meist die Sportlehrer an einer Schule. Oft unbemerkt von der Allgemeinheit organisieren sie mit teils hohem organisatorischen Aufwand neben dem regulären Sportunterricht viele andere Aktivitäten, begleiten die Schüler oft an Nachmittagen und mitunter auch an Wochenenden zu Wettbewerben: Jugend trainiert für Olympia, Bundesjugendspiele verschiedener Sportarten, Schulsportfeste, Deutsches Sportabzeichen, Turniere mit Schülermannschaften. Für engagierte Sportlehrer sind dies sicher keine Fremdwörter. Trägt eine Schule den Titel „Sportfreundliche Schule“, so ist das ein Gütesiegel für die Arbeit der Sportlehrer an dieser Einrichtung. Schaut man sich allerdings die Ausfallquote im Sportunterricht an, so herrscht offensichtlich auch hier ein Lehrermangel. Von September bis November 2020 fielen beispielsweise 6,4 % Sportstunden an den allgemeinbildenden Schulen aus und 1 394 Lehrer unterrichten Sport fachfremd. 2019/2020 gab es 138 Studienplätze für das Lehramt Sport bei insgesamt 403 zugelassenen Bewerbern. Die Aufstockung dieser Studienplätze wäre also ebenfalls ein wichtiger Schritt in Richtung Kampf gegen den Bewegungsmangel. Letztlich hoffen wir, dass eine Neuauflage des Programms „Bewegte und sichere Schule“ nicht der Steigbügelhalter für einen Personalaufwuchs in Form von sogenannten Bewegungsassistenten bzw. Animateuren in den Schulen ist. Bekämpfen Sie endlich die Ursachen der Schulmisere. Doktern Sie nicht an den Symptomen herum. (Beifall bei der AfD) Meine Damen und Herren! Ihr Antrag enthält viele Punkte, welche wir Ihnen bereits vorgeschlagen haben, geht uns aber andererseits nicht weit genug. Wir werden uns deshalb der Stimme enthalten. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD –
