Anna Gorskih
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! In diesem Antrag der Koalition wird ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag ausgegriffen, und ich muss sagen: Gut, dass Sie dieses Versprechen nicht vergessen haben und die Aufwertung des Engagements für junge Menschen umsetzen wollen. Ich muss jedoch auch sagen, ich finde Ihren Antrag ein wenig dürftig. Neben der nahezu hingeschmierten – könnte man fast sagen – Begründung, die gerade einmal zwei Absätze umfasst, enthält der Antrag einen recht banalen Berichtsteil. Diesen hätte man vielleicht auch als Kleine Anfrage stellen können. Auch finde ich es etwas „mau“, dass Sie bei den Forderungen offensichtlich nur auf die zwei recht dürren Zeilen aus dem Koalitionsvertrag zurückgreifen, ohne die pandemiebedingten neuen Probleme für die Ehrenamtlichen der Kinder- und Jugendhilfe in Betracht zu ziehen. Corona spielt gewissermaßen gar keine Rolle in diesem Antrag, und das finde ich etwas schade. Sie bringen in Ihrem Antrag die Ermöglichung des Zugangs der Juleica-Inhaber(innen) zu der Ehrenamtskarte ins Spiel. Mit Erhalt der Juleica kann man ja jetzt schon die sächsische Ehrenamtskarte beantragen, mit gewissen Problemen in der Praxis. Mir kam zu Ohren, dass die Träger schon versuchen, sie bei den Kommunen zu beantragen, aber leider oft ohne Erfolg. Sicher kann man die Juleica an die Ehrenamtskarte koppeln. Ich kann mir vorstellen, dass viele Vereine, Träger und Ehrenamtliche selbst das sehr begrüßen würden. Ich persönlich habe es zwar so erlebt, dass Menschen sich engagieren, weil sie für eine Sache brennen, und nicht, weil sie Vergünstigungen in Museen oder Schwimmbädern haben wollen, aber sicher kann die Kopplung der Juleica an die Ehrenamtskarte nicht schaden. Vielleicht gibt es dann wirklich Vorteile für die Ehrenamtlichen. Ich frage mich: Warum gehen Sie hier wieder nur einen Minischritt und wollen die Zugangsmöglichkeiten erst einmal prüfen? Ich fände es richtiger, den Zugang wenigstens schnell und unbürokratisch zu ermöglichen und gleich zu öffnen, damit die Juleica-Inhaber(innen) von etwaigen Vorteilen schnell profitieren können. In der Auseinandersetzung mit Ihrem Antrag habe ich die Gelegenheit genutzt und mich bei den freien Trägern der Jugendhilfe ein wenig umgehört, was man dort von der Jugendleitercard hält. Ich gebe das hier einmal wieder: Einer erzählte beispielsweise, dass, bevor die Jugendleitercard vor 20 Jahren eingeführt wurde, es schon eine recht auskömmliche Finanzierung und Förderung der Aus- und Weiterbildung von Betreuer(inne)n von Kinder- und Jugendgruppen gab. Dann wurde diese Förderung an die Kriterien der Jugendleitercard gebunden. Das hat es ein bisschen bürokratischer gemacht, aber gut; man hat dadurch trägerübergreifende Mindeststandards für die Ausbildung geschaffen. Später wurde die finanzielle Förderung für diese Aus- und Weiterbildung gekürzt. Geblieben sind die Anforderungen an die Träger für die Jugendleiterausbildung gemäß Jugendleitercard. Schlechter geworden ist jedoch die finanzielle Unterstützung für die Durchführung dieser Aus- und Weiterbildung. In diesem Zusammenhang muss man auch die Forderung nach Kostenfreiheit der Aus- und Weiterbildung der Jugendleiter(innen) sehen. Dass junge Menschen für ihre Aus- und Weiterbildung zum ehrenamtlichen Engagement nichts bezahlen müssen, war früher eine schlichte Selbstverständlichkeit. Niemand wäre vernünftigerweise auf die Idee gekommen, ihnen dafür auch noch Geld abzunehmen. Wenn es diese Probleme heute gibt, dann ist das wahrscheinlich nur damit zu erklären, dass einzelne Träger sich gezwungen sahen, die Kosten für die Aus- und Weiterbildung zumindest teilweise auf die Teilnehmenden umzulegen, weil sie nicht mehr auskömmlich finanziert und gefördert werden. Wenn die Rahmenbedingungen jetzt so gestaltet werden, dass die Aus- und Weiterbildung für die Teilnehmenden kostenfrei ist, dann ist das gut – aber nur, wenn die Beitragsfreiheit wiederum nicht zulasten der entsendenden Vereine geht. Sie fragen unter anderem danach, welche Vergünstigungen den Inhaber(inne)n der Jugendleitercard gewährt werden. Auch hierzu habe ich mich ein wenig umgehört, und ich habe großes Kopfschütteln über die sogenannten Vergünstigungen vernommen; denn erstens scheint es keine zu geben und zweitens findet man sie nirgendwo übersichtlich und einheitlich. Die Internetseiten, auf denen ich dazu recherchiert habe, waren größtenteils leider veraltet. Die Vergünstigungen erwecken oftmals den Eindruck von Marketingmaßnahmen der Rabatt gewährenden Einrichtungen und scheinen weniger den Charakter einer substanziellen Unterstützung der eigentlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu haben. Ein weiteres Beispiel aus der Praxis, das mir mitgeteilt wurde, ist: Jemand, der Kinder- und Jugendfreizeiten organisiert, beklagt, dass es bei der Jugendleitercard schon deshalb Probleme gibt, weil die Basisausbildung von 44 Stunden in keinem vernünftigen Verhältnis bei den jungen Menschen, die eine- oder zweiwöchige Freizeit als Betreuer(innen), begleiten wollen, steht, zumal in den vorgeschriebenen Ausbildungsinhalten wesentliche Aspekte für diese ehrenamtlichen Tätigkeiten noch nicht einmal enthalten sind. So wurde mir das gespiegelt. Sie sehen: Schon bei dieser kurzen Umschau in der Trägerlandschaft, die keineswegs einen Anspruch auf Repräsentativität erhebt, bin ich auf zahlreiche Probleme gestoßen, die in Ihrem Antrag leider gar nicht vorkommen. Nun kann man sagen, dass man die grundsätzliche Diskussion um diese Aufgabe im jugendpolitischen Fachgremium des Landesjugendhilfeausschusses führen sollte. Ich würde mir tatsächlich wünschen, dass wir gemeinsam im Ausschuss mit den Fachkräften und den freien Trägern dazu anhören und fachlich fundiert unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven über das Thema Jugendleiterausbildung diskutieren. Letzter Satz: Da wir trotzdem finden, dass das ehrenamtliche Engagement im Allgemeinen sowie das Engagement in der Kinder- und Jugendhilfe im Besonderen gewürdigt werden sollte, werden wir Ihrem Antrag hier und heute zustimmen – mit einigen benannten Fragezeichen. Wir bleiben hinsichtlich der Umsetzung gespannt und werden diese – wie immer – konstruktiv-kritisch begleiten. Vielen Dank. (Beifall bei den LINKEN) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Wird von den Fraktionen noch einmal das Wort gewünscht? Das scheint nicht der Fall zu sein. Frau Ministerin, bitte.
