Anna Gorskih
Danke schön. Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Ich habe in meinem ersten Redebeitrag die Bedeutung von Kinder- und Jugendbeteiligungen betont. Ich finde wirklich, dass die Sorgen der jungen Generation keineswegs Luxusprobleme sind und sie deshalb in das Zentrum der politischen Debatte gehören. Ich habe vorhin gesagt, Politikerinnen und Politiker sollten in einen Dialog mit Kindern und Jugendlichen treten. Das sage ich nicht nur so, ich habe das selbst umgesetzt. Ich habe zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 in Deutschland eine digitale Umfrage an die Kinder und Jugendlichen in Sachsen gestartet. Im Jahr 2021 habe ich das wiederholt. Beide Male haben tatsächlich auch 30 bis 35 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Das ist keineswegs repräsentativ, das soll es auch nicht sein. Das sollte einige Stimmen einfangen und einen kleinen Einblick in die Perspektiven der jungen Menschen zeigen. Es haben junge Menschen im Alter zwischen 13 und 27 teilgenommen, einige wenige über 27 waren auch dabei. Es waren alle Landkreise und die kreisfreien Städte vertreten. Es sind Perspektiven dabei, die nicht nur die urbanen Zentren betreffen, sondern auch die ländlichen Räume. Es sind Perspektiven von Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden, von jungen Menschen in Übergangssituation, aber auch von Studierenden. Weil ich in meinem Redebeitrag vorhin betont habe, dass Kinder- und Jugendbeteiligung wichtig ist und dass die Stimmen von Kindern und Jugendlichen bisher viel zu kurz gekommen sind, hoffe ich, Sie erlauben mir, dass ich meine restliche Redezeit dafür nutze, einige Antworten zu zitieren und damit die Sorgen und Ängste aber auch Wünsche von Kindern und Jugendlichen hier ins Parlament zu tragen. Ich beginne mit den Zitaten, die Kinder und Jugendliche selbst geäußert haben: „Ich fühle mich nicht einsam, aber sehr im Stress und ich kann durch Schule nie das Wetter genießen. Als es geschneit hat, war ich nie draußen und als gestern die Sonne geschienen hat und es 20 °C waren, hatte ich Online-Konferenzen. Außerdem ist die Motivation für alles andere gerade weg.“ „Bei den Homeschooling-Aufgaben fühle ich mich oft alleingelassen, da meine beiden Eltern arbeiten und sie ihre Freizeit mit meiner Schwester verbringen, da sie ihre Aufgaben ohne direkten Antrieb nicht machen würde.“ Weitere Zitate: „Eigentlich bin ich jemand, die gern zu Hause ist. Aber langsam fällt mir echt die Decke auf den Kopf, vor allem der Ausgleich fehlt. Offengestanden habe ich es auch in den letzten 12 Monaten der Pandemie noch immer nicht hinbekommen, einen vernünftigen Rhythmus zu Hause zu etablieren. Arbeit und Freizeit verschmelzen einfach nur noch.“ „Ich war mehrere Wochen seit der zweiten Welle in völliger Selbstisolation und habe das irgendwann nicht mehr richtig wahrgenommen, dass sich mein Leben nur noch zwischen meinem Schreibtisch zum Lernen und Serien streamen im Bett abgespielt hat.“ Ich habe die Frage gestellt: Was belastet dich? Die Jugendlichen haben Folgendes geantwortet: „Freunde in der Schule zu sehen, ist nicht mehr dasselbe, da man ständig Maske trägt und Abstand halten soll. Aber das Schlimmste ist nicht die Maske, sondern die eintönigen Nachmittage.“ Weitere Antworten: „Ich denke, mir geht es im Vergleich zu anderen relativ gut ...“
