Iris Firmenich
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Jugendarbeit, Erholung kann auch echt emotional sein, wenn man diese Debatte so verfolgt. Ich möchte sagen, wir haben eine sehr, sehr schwere Zeit hinter uns und wir sind jetzt alle eigentlich ausgehungert und hoffen darauf, dass sich das normalisiert, dass das Leben wieder so möglich ist, wie wir es lieben. Man merkt es, die Akkus sind leer, und das betrifft eben alle, die politisch damit zu tun haben, alle, die in der Jugendarbeit und in den Vereinen tätig sind. Es betrifft aber im größten Maße die Familien, denn die Familien haben seit Anfang der Schulschließungen durch diese ganzen Einschränkungen, die Auswirkungen auf ihren Alltag haben, so viel leisten müssen. Sie haben Homeoffice gemacht, sie haben die Kinder betreut, ihnen beim Lernen geholfen; sie haben nebenbei noch Kindergartenkinder auf dem Schoß gehabt, während sie am Computer sitzen und ihren Job zu machen versuchen, den Haushalt usw. Ich glaube, vor allem die Mütter haben die Hauptbelastung getragen. Das ist enorm und die Akkus sind einfach leer. Deshalb müssen wir, wenn wir solche Debatten führen, auf Balance achten – Balance zwischen dem, von dem wir wissen, wir haben im letzten Jahr nicht alles geschafft in der Schule; wir haben dort Lernrückstände aufzuholen. Es gibt viele Ideen, wie man das machen könnte, und viele Forderungen. Wir haben aber auf der anderen Seite auch gesehen, dass sich diese ganzen Einschränkungen auch auf die Seele der Menschen auswirken – vor allem auf die Seele junger Menschen –, mehr, als dies vielleicht schon sichtbar ist. Man merkt es vielleicht daran, wenn jemand an Gewicht zugelegt hat, wenn die Sachen nicht mehr passen – spätestens dann, wenn man auf die Waage tritt –; das ist übrigens nicht nur bei Kindern so, stelle ich fest. (Heiterkeit und Beifall bei den LINKEN) Aber das, was an seelischen Narben bleibt, werden wir erst danach sehen. Deshalb glaube ich, dass zu dieser Forderung nach Aufholen im gleichen Maß jetzt die Erholung in den Blick genommen werden muss – Erholung für Familien, für Familien mit Kindern –, am besten vielleicht gemeinsam in Sachsen oder in Deutschland, gemeinsam aber auch Kinder untereinander, Jugendliche untereinander, weil auch die gesamten sozialen Aspekte, das Miteinander, die emotionale soziale Entwicklung bei dem einen oder anderen Schaden genommen haben kann und weil die Kinder einfach danach dürsten. Das ist wichtig. (Beifall des Abg. Marko Schiemann, CDU) Was mich in dieser Debatte ein klein wenig gestört hat und bei dem ich glaube, wir müssen auf die Balance achten: Wir dürfen die Generationen nicht gegeneinander ausspielen. Wir dürfen nicht sagen, die Jungen waren disziplinierter als die Alten und sie mussten alle zurückstehen. Ich denke, wir schaffen das nur gemeinsam, wenn wir nicht irgendjemandem Schuld zuweisen und nicht irgendjemandem etwas vorhalten, sondern Alt und Jung müssen sich gegenseitig stützen, müssen sich unterstützen und helfen. (Beifall bei der CDU) Es ist eine außergewöhnliche Zeit und die schaffen wir nur gemeinsam. Aufholen aus dem Blick der Schulpolitiker heißt, dass wir den Sommer brauchen, um uns zu erholen und Möglichkeiten zu nutzen, wo man vielleicht zum Beispiel in der Musik Probenlager machen und es mit Spaß und Freizeit verbinden kann. Dort kann man die Akkus wieder voll aufladen, um nach den Ferien in das neue Schuljahr zu starten. Ich bin dem Bund dankbar, dass er dafür viel Geld gibt. Wir werden gemeinsam mit den Ländern noch abstimmen – der Kultusminister ist in den Abstimmungen –, wie das alles genau ausgestaltet wird, welche Maßnahmen für das Aufholen dann zur Verfügung stehen. Das sind Fördermaßnahmen in der Schule direkt zum einen; das sind aber auch außerschulisch begleitende Maßnahmen, in die wir unsere Partner in den Vereinen, in den Verbänden einbeziehen. Da sehe ich vor allem auch den Sport oder die Musik und Kunst als große und wichtige Partner, Bildung in einer Art und Weise zu vermitteln, die Spaß macht, die den Kindern viel bringt und die vor allem dabei hilft, dass unsere Gesellschaft wieder zusammenwächst. Ich halte das für wichtig. Dank deshalb an alle, die durchgehalten haben, die sich engagiert haben. Dank an die Familien, die Kinder, die Jugendlichen, die Großeltern, die mitgeholfen haben, und an die Lehrer. Ich wünsche mir, dass wir das gemeinsam alles gut bewältigen, dass wir niemanden zurücklassen und dass wir uns gegenseitig nicht verletzen. (Beifall bei der CDU und vereinzelt bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD)
