Andreas Heinz
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir wollen uns heute damit befassen, wie regionale Erzeugung und Vermarktung gestärkt werden können. Wir beziehen uns dabei auf eine Studie aus dem Jahr 2018, die zum Thema „Wie regional ist Sachsen?“ in Auftrag gegeben wurde. Aufbauend auf dieser Studie gab es in der Zwischenzeit zahlreiche Bemühungen, um bei diesem Thema vorwärtszukommen. So wurde unter anderem das Verbraucherportal „REGIONALES.SACHSEN.de“ weiterentwickelt, um die Online-Präsenz zu verbessern. Die Agrarmarketing-Strategie aus dem SMUL vom Jahre 2015 bis 2020 wurde im Rahmen der Regierungsneubildung mit Schwerpunkt auf regionaler Wertschöpfung und Ökolandbau geschärft. Es wurde ein Referat „Regionale Wertschöpfung, Ökolandbau“ neu gegründet. Die Förderrichtlinie Absatzförderung wird voraussichtlich noch im zweiten Quartal dieses Jahres verabschiedet und um weitere Förderschwerpunkte erweitert. Ziel ist hier die Stärkung von kleineren und mittleren Unternehmen. Neu werden sogenannte Bio-Regio-Modellregionen sein, in denen auch ein entsprechender Regionalmanager oder eine Regionalmanagerin gefördert werden kann, um dieses Thema federführend zu begleiten. Auf das Portal „REGIONALES.SACHSEN.de“ habe ich schon verwiesen. Dann ist das SMEKUL dabei, zum Thema Vermarktung ein Regionalfenster mit dem Zusatz „Sachsen-Signet“ zu entwickeln. Das wäre dann seit 2014 das erste bundesweit einheitliche und transparente Kennzeichnungssystem. Hoffen wir, dass es gelingt. Bis Mitte des Jahres 2022 soll uns die neue Strategie zur Absatzförderung vorgelegt werden – auch da bin ich sehr gespannt, welche Wege wir vorgeschlagen bekommen. Das Erzeugerinnen und Erzeuger stärken – Verarbeitung und stärker unterstützen CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD, der Staatsregierung Ziel, Wertschöpfungsketten in der Land- und Forstwirtschaft zu stärken, kann man nur unterstützen. Ich hoffe und wünsche, dass auch der Antrag des Sächsischen Landesbauernverbands zu einer Machbarkeitsstudie über einen eigenen Schlachthof bzw. einen größeren Schlachthof in Sachsen demnächst beschieden werden kann, um auch hier weitere Verarbeitungskapazitäten anzusiedeln. Vieles ist noch im Fluss. Ich möchte mir an dieser Stelle gestatten, noch auf ein bis zwei Zielkonflikte hinzuweisen. Wenn man einmal die vorhandene landwirtschaftliche Nutzfläche ins Verhältnis zur sächsischen Einwohnerzahl setzt, so errechnet man eine Fläche von 1 800 Quadratmetern, die zur Verfügung steht, um für jeden einzelnen Sachsen möglichst viele regionale Produkte zu erzeugen. Wenn man weiß, wie zurzeit der durchschnittliche ProKopf-Verbrauch aussieht, heißt das: Auf dieser Fläche von 1 800 Quadratmetern – das ist ungefähr so groß wie zwei Drittel des Innenhofs des Gebäudekomplexes des Sächsischen Landtags – müsste dann das Getreide für 80 Kilogramm Brot stehen, das Futter für 50 Kilogramm Schweinefleisch, für 15 Kilogramm Rindfleisch, für 23 Kilogramm Geflügel, für 2,5 Kilogramm Schaf, Ziege, Pferd usw., und auch Platz für 100 Kilogramm Gemüse müsste gefunden werden. Das ist schon anspruchsvoll oder eigentlich kaum möglich auf diesen 1 800 Quadratmetern. Dann bietet es sich an, einmal den Selbstversorgungsgrad in Sachsen mit diversen Produkten zu beleuchten. Bei Getreide liegen wir bei 120 %, Raps 100 %, Kartoffeln 75 %, Obst 30 % und Gemüse 15 %. Das heißt, wir müssten erhebliche Produktionserweiterungen bei Kartoffeln, Obst und Gemüse vornehmen, um uns in Sachsen selbst versorgen zu können. Auch bei tierischen Produkten gibt es da erhebliche Reserven. Bei Rindfleisch liegen wir bei 60 %, Schweinefleisch 40 %, Schaf 25 %, Geflügel 40 %. Lediglich mit Milch und Eiern können wir uns selbst versorgen. Das heißt im Klartext: Wir müssten einen massiven Bestandsaufbau durchführen, um uns aus eigener Kraft zu versorgen. Das Defizit wird sich noch vergrößern mit einem steigenden Anteil Ökolandbau, der politisch ja erwünscht ist, (Zuruf von der SPD: Nein, notwendig ist!) zumindest von einigen. Damit wird sich das Defizit noch weiter vergrößern und der Selbstversorgungsgrad weiter sinken. Das war ein kurzer Hinweis auf den einen oder anderen Zielkonflikt. Ich für meinen Teil hoffe, dass bei den Bemühungen auch der Handel mitspielt und regionale Produkte in den Regalen fair behandelt, sodass nicht die Butter aus Irland deutlich preiswerter ist als die aus der Vogtlandmilch, die 100 oder 500 Meter neben dem Supermarkt erzeugt wurde – wie es mir selbst beim Einkaufen schon aufgefallen ist. Ich möchte zum Schluss kommen und noch einmal betonen, dass die Initiativen diesbezüglich gut und richtig sind und man durchaus mehr tun kann. Ich hoffe und wünsche, dass die Maßnahmen gelingen, und möchte Sie bitten, auch dazu beizutragen, indem Sie die sächsischen Landwirte, Bäcker, Fleischer, Brauer und Winzer unterstützen und ganz einfach sächsisch kaufen. Danke schön. (Beifall bei der CDU sowie vereinzelt bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD) Zweiter Vizepräsident André Wendt: Für die CDUFraktion sprach Kollege Heinz. Nun übergebe ich das Wort an Kollegen Zschocke von der Fraktion BÜNDNISGRÜNE. Bitte schön, Herr Kollege.
