Andreas Nowak
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Henning Homann hat einen wichtigen Punkt angesprochen, auf den ich gleich zurückkomme: Es geht vor allem um Wertschöpfung und Arbeitsplätze der Zukunft. Das ist ein Thema, das bisher völlig unterbelichtet wurde, auch in den anderen Redebeiträgen. Herr Liebscher, wenn wir im Nutzkraftwagenbereich weg vom fossilen Verbrenner wollen, dann werden wir um H und Power-to-Liquid im Zweifel nicht herumkommen. Alles andere ist illusorisch. Herr Böhme, ich habe nichts in Richtung Individualverkehr gesagt – im Gegenteil. Dazu komme ich auch gleich. Wenn Sie aber jetzt warten wollen, bis alles nur aus erneuerbaren Energien herstellbar ist, dann wird das nie etwas, sondern wir müssen gegebenenfalls auch über Mischformen einsteigen. Herr Zwerg, die Betriebsstunden sind durchaus schon einmal ausprobiert, nämlich eben in Bozen. Dort haben die Hersteller für die Busse 4 000 Kilometer Garantie gegeben; am Schluss sind sie 2019 bereits 1,5 Millionen Kilometer gelaufen. Das dürfte als Nachweis dafür, dass das System stabil läuft, schon reichen. Das Innovationszentrum in Chemnitz ist schon angesprochen worden. Auch in der Lausitz gibt es ja diverse Forschungseinrichtungen, die wir dort jetzt etablieren. Das sächsische Problem ist aus unserer Sicht die Vernetzung. Es fehlt die Übersicht über die Infrastruktur und die Produkte. Es fehlt aber auch die Übersicht über die InvestBedarfe. Dabei kann die öffentliche Hand eine ganz zentrale Rolle spielen. Landkreise, Städte und der Freistaat betreiben alle selbst Nutzfahrzeuge. Über diese Nutzfahrzeuge – Kehrmaschinen, Müllautos, Busse, Bahnen und eben auch Züge; das ist schon angesprochen worden – kann man eine Grundlast im Wasserstoffbereich aufbauen. Das Problem ist, dass dies derzeit nicht integral gedacht wird. Jeder denkt nur in seinen Bereichen. Auf der einen Seite hat man die, die auf der Straße fahren. Dann wird mal so ein bisschen im Zugbereich herumgeschaut. Aber anstatt eine Sektorenkopplung zu untersuchen, machen derzeit diverse Akteure ihr Ding eben immer nur im eigenen Bereich. Das ist aus unserer Sicht deutlich zu wenig. Deswegen haben wir für den aktuellen Doppelhaushalt einen Änderungsantrag geschrieben, der eine Basisstudie und erste Maßnahmen in diesem Bereich ermöglichen soll. Wir wollen erfassen, wo Infrastruktureinrichtungen derzeit denn schon vorhanden sind, wo wir mit wenig Aufwand verdichten können, wo mehr investiert werden muss und auch, welche öffentlichen Hände denn in der nächsten Zeit dabei sind, auch über die Clean Vehicles Directive der EU ihre Fahrzeugparks entsprechend zu ergänzen. Deswegen müssen wir mehr Aktivität entfalten. Aus diesem Grund haben wir den Antrag geschrieben. Aber wichtig ist natürlich – das ist schon angesprochen worden – die Verfügbarkeit von CO -armem Wasserstoff. CO -freien Wasserstoff gibt es nicht, das gehört zur Wahrheit dazu, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, CO - armen Wasserstoff herzustellen. Dabei ist eben nicht nur die Elektrolyse aus PV-Anlagen oder Wind ein Thema. Insbesondere im russischen Bereich, auch mit deutschen Forschern, unter anderem von der TU Freiberg, wird derzeit die Methanpyrolyse untersucht; dies soll in Sibirien etabliert werden. Im Übrigen werden die Russen im Nordwesten des Landes auch Windkraft aufbauen. Deswegen ist es aus unserer Sicht auch notwendig, dass stabile internationale Beziehungen gepflegt werden. Aus dieser sächsischen Sicht ist auch Nordstream 2 ein interessantes Projekt, denn es ist schon jetzt „Wasserstoff-ready“ gebaut. Im Übrigen ist Wasserstoffproduktion, insbesondere aus Sonnenenergie, auch aktive Entwicklungshilfe. Man kann damit in den Staaten Afrikas zum Teil durchaus etwas erreichen. Wohin soll die Reise gehen? Aus unserer Sicht ist es notwendig, dass die Wertschöpfung in Sachsen vorangebracht wird, dass wir national und international führend in H - Technologien werden. Das wird nur funktionieren, wenn wir auch Dinge auf die Straße bringen. Deswegen wollen wir die Infrastruktur nicht nur abstimmen, sondern unterstützen. Daher wollen wir nicht nur auf andere Fördermittel warten, sondern wir wollen das Hand in Hand organisieren, inklusive eines koordinierten Tankstellennetzes. Es gäbe noch viel zu sagen zu Forschung und Entwicklung und zu gezielten Ansiedlungen von Unternehmen. Das wäre aber vielleicht ein Thema für eine weitere Debatte. Zum Schluss nur noch das Thema Individualverkehr: Man kann Pkw auch mit dem Lkw-Truck betanken. Dann hat man zwar nur 250 Kilometer Reichweite, aber auch das passiert ähnlich komfortabel wie heute bei Benzin und Diesel. Ich glaube, dass dies in der Zukunft zusehends noch eine Rolle spielen wird, denn es wird die Akzeptanz der Elektromobilität bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ebenfalls erhöhen, wenn sie merken, dass der Bus elektrisch mit Wasserstoff fährt, aber gegebenenfalls auch ihr Pkw. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU sowie vereinzelt bei den BÜNDNISGRÜNEN und der SPD – Beifall bei der Staatsregierung) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die AfDFraktion Herr Abg. Urban, bitte.
