Gerhard Liebscher
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wasserstoff – der Stoff, aus dem die Träume sind, Herr Nowak. Es sind leider noch teure Träume. Noch eine kurze Bemerkung an Sie, Herr Zwerg: Auch Frankreich stellt auf erneuerbare Energien um. Das wissen Sie. (Jan-Oliver Zwerg, AfD: Nein, das macht es nicht!) Denn Atomkraft ist die teuerste elektrische Stromherstellung, die es auf der Welt gibt. Das ist eine rein wirtschaftliche Betrachtung. Da können Sie gern noch dazulernen. Wasserstoff wird unser Energiesystem der Zukunft signifikant mittragen und punktuell das Transportwesen speisen. Ich sage „punktuell“, weil das wahrscheinlich nur für Schwerlastverkehr infrage kommt – wenn überhaupt. Aber noch einmal zurück zur Basis: Umweltfreundliche Verkehrsmittel sind in erster Linie dadurch gekennzeichnet, dass sie die Umwelt und das Klima schützen. Nur grüner Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, ist wirklich klimaneutral und garantiert null Emissionen. Die Rechnung ist also einfach: Wer in Sachsen Wasserstoff nutzen möchte, muss in den Ausbau erneuerbarer Energien in Sachsen besonders stark intensivieren. Damit man einmal ein Gefühl dafür bekommt, wie sich die Wasserstoffherstellung im Primärenergiebedarf darstellt, möchte ich ein kurzes plastisches Beispiel nennen: Eine 3-Megawatt-Windkraftanlage ist in der Lage, die Primärenergie von ungefähr 1 600 Pkws, elektrisch betrieben, zu erzeugen. Wenn man die Rechnung jetzt für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge anstellt, dann kommt man auf 600. Und nebenbei bemerkt: E-Fuel schafft es nur auf 250 Fahrzeuge. Wir haben also einen Faktor von circa 3 der Energieherstellung für Wasserstoff – für die gleiche Leistung. Es muss wohlüberlegt sein, was man da tut. Dann haben wir noch ein anderes Thema. Wir wollen ja nicht nur den Verkehr, sondern auch unsere Industrie umstellen. Ich habe mir letztens einen Vortrag der BASF angehört, in dem dargestellt wurde, was es für sie energetisch bedeutet, wenn sie komplett auf erneuerbar umstellen. Dabei brauchen wir sehr viel Wasserstoff. Den sollten wir dort verwenden, wo es sonst keine Alternative gibt. Deshalb ist es sehr zu empfehlen, sich genau zu überlegen, wo man Wasserstoff einsetzt. Ich denke, dass es in der chemischen und auch in der Halbleiterindustrie größere Bedarfe gibt. Wir brauchen strukturelle Veränderungen im Verkehrsbereich. Die Erzählung vom Wasserstoff darf nicht die Fiktion aufbauen, alles bliebe beim Alten, wenn wir einfach fossile Energieträger durch Wasserstoff ersetzten. Meine Damen und Herren, diese politische Erzählung wäre nicht haltbar. Diese Erzählung würde uns wertvolle Jahre kosten, die uns bei der Transformation im Verkehrsbereich fehlten. Wir müssen alle miteinander anerkennen, dass uns für die Mobilitätswende tiefgreifende Veränderungen bevorstehen: Veränderungen in der Automobilindustrie, der öffentlichen Infrastruktur und im individuellen Mobilitätsverhalten. Diese Transformation müssen wir jetzt entschieden angehen – gemeinsam mit der Wirtschaft, den Kommunen und den Bürgerinnen und Bürgern. Wir dürfen die Verkehrswende nicht durch die Illusion des „Weiter so mit Wasserstoff!“ verzögern. Die Sektoren, die klimaneutral umgebaut werden können, sind nicht der beste Einsatzzweck für dieses knappe Gut. Wasserstoff ist einfach zu wertvoll für den Straßenverkehr. Weitere Ausführungen dazu später. (Beifall bei den BÜNDNISGRÜNEN) Erste Vizepräsidentin Andrea Dombois: Für die SPDFraktion Herr Abg. Homann, bitte.
