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Hans-Jürgen Zickler

AfD 25.03.2021 Sitzungen 7/26

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben ja jetzt schon einige Ansichten zu Cancel Culture gehört. Ich möchte allerdings sagen, dass mir bereits dieser Begriff zuwiderläuft. Es mag da, wie von meinem Kollegen schon gesagt wurde, unsererseits eine gewisse Abneigung gegen Anglizismen geben – ich würde es auch eigentlich lieber Verbotsunwesen nennen, denn das trifft für mich den Kern mehr. Es ist ein Unwesen, bei dem es oft keine Rolle spielt, ob jemand konservativ oder progressiv ist. Allein der Verdacht, eine Meinung zu äußern, die aus irgendeinem Grund nicht vertretbar sein soll, genügt bereits, um in Verruf zu geraten. Wir haben hier schon einige Beispiele dafür vorgeführt bekommen. Ich möchte mich dem anschließen und auch einige Beispiele in die Runde werfen. Da gibt es das Beispiel der Frau Rowling, der Autorin der Harry-Potter-Romane. Sie ist eigentlich eine progressive Linke, wie sie im Buche steht. Sie ist eine entschiedene Gegnerin von Trump, eine bekennende Feministin, eine Verfechterin von Diversity. Nun hat es aber auch Frau Rowling gewagt, Zweifel an der Transgender-Debatte zu äußern. Was war das Resultat? Seitdem gilt sie in der Szene als Unperson. Purer Hass schlägt ihr entgegen. Im Internet wird sie als Hure, als Abfall, als Fundamentalistin beschimpft; Boykottaufrufe werden laut. Nicht nur sie selbst soll gecancelt werden, sondern gleich ihr ganzes Werk: Aufgebrachte Fans laden Videos hoch, wie sie ihre Harry-Potter-Bücher verbrennen. Leute! Aus der Geschichte wissen wir: Wer Bücher verbrennt, begeht auch weiteres Unrecht! (Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Rico Gebhardt, DIE LINKE) Es wurde vorhin schon erwähnt: Wolfgang Thierse, das Urgestein der SPD, erlebt in seiner eigenen Partei die Ausgrenzung. Er hatte sich gewagt, in einem Essay in der FAZ diese linke Verhinderungskultur zu kritisieren. Ich zitiere ihn: „Menschen, die andere, abweichende Meinungen haben und die eine andere als die verordnete Sprache benutzen, aus dem offenen Diskurs in den Medien oder aus der Universität auszuschließen, das kann ich weder für links noch für demokratische politische Kultur halten.“ Es dauerte nicht lange, bis die Parteichefin Saskia Esken und Kevin Kühnert reagierten. Man sei beschämt über derartige Parteimitglieder. (Martin Dulig, SPD: Das wurde nie gesagt! Das ist eine eindeutig falsche Wiedergabe von Sachverhalten!) Ich möchte das jetzt nicht alles im Detail ausführen; ich habe es kurzgehalten. Das Wort „beschämt“ ist natürlich in Anführungsstrichen zu verstehen. (Zurufe von CDU und SPD) Es geht aber weiter mit der ganzen Problematik. Denn es ist nicht nur so, dass diejenigen Leute, die sich irgendwie nicht ganz genehm äußern, in Verruf geraten. Nein – auch wer sich mit diesen Personen solidarisiert, gerät bereits in Verdacht, diese Meinungen zu teilen. Das musste jetzt Michael Beleites erleben. Dieses Phänomen nannte er „Kontaktschuld“. Bereits der Kontakt zu Ausgestoßenen genügt, um selbst zum Ausgestoßenen zu werden. Er hat das am eigenen Leibe erfahren. Er war es als DDR-Bürgerrechtler gewohnt, mit allen Seiten zu sprechen, soweit man das in der DDR konnte, und sich anschließend seine Meinung zu bilden. So war es für ihn nicht unüblich, auch einmal mit der „neuen Rechten“ zu sprechen, ohne sich deren Meinung unbedingt zu eigen zu machen. Genau das wurde ihm zum Vorwurf gemacht: Die Antifa bezeichnete ihn als „völkischen Rassisten“ und rief dazu auf, seine Produkte zu boykottieren. Seine Dresdener Agrargenossenschaft hatte ihm bereits im Vorfeld die Zusammenarbeit aufgekündigt. Die Genossenschaft rechtfertigte ihr Handeln mit ebendieser Kontaktschuld: Man wolle durch den Umgang mit Herrn Beleites nicht in den Verdacht kommen, mit den Rechten etwas zu tun zu haben. An diesem Beispiel zeigt sich, wie die Mechanismen der Cancel Culture wirken: Die Angst, selbst diskriminiert zu werden, führt dazu, dass man sich an Diskriminierung beteiligt. Dadurch entsteht eine Kaskade. Genau davor warnt uns die Geschichte. Lassen wir also alle zu Wort kommen – Rechte und Linke, Realisten und Kommunisten, Konservative und Progressive, die Fleißigen und die weniger Fleißigen. Meine Damen und Herren! In den letzten Jahren haben wir erlebt, wie Argumente zunehmend durch Haltung ersetzt werden.

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