landtag.sachsen.de ↗

Jörg Markert

CDU 24.03.2021 Sitzungen 7/25

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Staatsministerin Kleppsch hat dargelegt, wie es derzeit um die Kultur und den Tourismus im Freistaat Sachsen steht. Wir erleben eine Zeit von großer Sorge, mit Wut und Verzweiflung, von großen persönlichen Risiken, gesetzten Hoffnungen und Erwartungen, aber auch von Ängsten, Leere und Stille. Ich möchte nicht alles wiederholen, was schon genannt wurde, aber Ihnen ein Beispiel nennen, was die derzeitige Situation ganz gut verdeutlicht. Schauen wir uns in der Gemäldegalerie Alte Meister die Sixtinische Madonna an, die auch schon zitiert wurde. Der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski hat sie als sein Lieblingsgemälde bezeichnet; in seinem Arbeitszimmer hängt immer noch eine Reproduktion des Gemäldes. In der russischen Literatur gilt die Sixtinische Madonna als eine russische Madonna. Von ihr wird viel in Geschichten und Erzählungen berichtet, und selbst in den Schulbüchern soll davon die Rede sein. Dieses Verständnis löste bei vielen russischen Bürgern regelrechte Pilgerfahrten nach Dresden aus. Es ist ein Glück für sie, einmal vor dem Gemälde zu stehen. Mit diesen Gästen verbinden sich Kultur und Tourismus in direkter Weise. Uns fehlen heute diese Gäste, die nach Dresden und nach Sachsen kommen, um unsere einzigartige Kultur und Landschaft kennenzulernen, die hier verweilen, hier Freunde finden, schöne Erinnerungen mit in ihre Heimat nehmen. Davon lebt der Tourismus, davon leben die vielen Beherbergungsbetriebe, Gaststätten, Gästeführer, Busunternehmen, Reisebüros und viele mehr. Sobald es die Lage wieder zulässt, brauchen wir einen Neustart in einen sicheren Tourismus; sicheres Reisen muss wieder möglich werden. Die Sachsen freuen sich auf ihre Gäste und sehnen den Tag herbei, an dem das wieder möglich ist. (Vereinzelt Beifall bei der CDU) Deshalb brauchen wir ein verantwortungsvolles Öffnungsszenario für den Tourismus in Sachsen und damit praktikable Ansätze für ein Leben mit dem Virus. Hier halte ich den Ansatz des kontaktarmen Urlaubs grundsätzlich für geeignet, sofern er sich auf erlaubte Kontaktgruppen beschränkt. Das wäre ein Anfang und ein besseres Signal als Reisen nach Mallorca, die hier vor Ort nicht helfen. Das Virus hat gelernt, sich zu verändern und anzupassen; das zu lösen ist nun unsere Aufgabe, meine Damen und Herren. Deshalb begrüße ich es sehr, dass es die Modellprojekte in Oberwiesenthal und Augustusburg gibt, die nun rasch umgesetzt werden müssen. Dort soll der praktische Nachweis unter wissenschaftlicher Begleitung erbracht werden, dass ein sicherer Tourismus in Zeiten einer Pandemie möglich ist. Ich möchte ausdrücklich das außerordentliche Engagement der Akteure vor Ort betonen. Wir brauchen diese Ergebnisse auch für unsere politische Bewertung, um für einen Neustart Erkenntnisse zu gewinnen. Wichtig ist, dass der Tourismus und die Kultur in Sachsen gleichwertig gegenüber anderen Wirtschaftsbereichen behandelt werden. Wir sollten Vertrauen in die Unternehmerinnen und Unternehmer setzen und schrittweise einen Neuanfang wagen. Entsprechende Vorschläge liegen dazu in zahlreichen Arbeitsgruppen und Stellungnahmen der Akteure auf dem Tisch. Ich wäre der Staatsregierung sehr verbunden, wenn sie dies auch weiterhin in ihre künftigen Überlegungen mit einfließen ließe. Trotz allem sehe ich viele Chancen für Sachsen, was den Neustart von Kultur und Tourismus angeht. Wir können von einer Stärkung des Inlandstourismus ausgehen und profitieren. Mit Kontaktnachverfolgungen, Hygienekonzepten und Teststrategien – mit konsequentem Testen und damit ausschließlich sicheren Kontakten im touristischen Bereich – können wir wieder mehr ermöglichen. Die Veranstaltungs-, Event- und Messebranche hat sich mittlerweile mit Konzepten darauf eingestellt und möchte digitale Lösungen nutzen. Bei allem, was wir vielleicht auch wagen müssen, um Dinge auszuprobieren, um die Folgen abzuschätzen, bleibt oberste Richtschnur unseres Handelns jedoch der Schutz der Schwächsten, das Verhindern der Ausbreitung des Virus auch durch unentdeckte Ansteckung sowie die Überforderung und Überlastung unseres Gesundheitssystems. Dessen sind sich die Akteure in Kultur und Tourismus auch bewusst. Deswegen kann es kein unkontrolliertes Öffnen geben, sondern nur maßvolle Schritte mit deutlicher Ansage, auch darauf zu reagieren, wenn das gewünschte Ergebnis nicht eintritt oder sich umkehrt. Wir wollen ein attraktives Tourismusland in Deutschland und der Welt bleiben. Gerade unsere Welterberegionen freuen sich auf Gäste aus aller Welt. Ich halte es deshalb für wichtig, dass wir als Parlament entsprechende Signale senden und dies auch in der Beschlussfassung zum Staatshaushalt deutlich machen. Wir müssen auf die Zukunft bauen, dabei unsere Stärken stärken, in Köpfe und Ideen investieren, mutig sein und neue Ansätze sowie Trends aufgreifen und in Sachsen umsetzen. Freuen wir uns also auf künftige Gäste, die auch wieder aus Russland zu uns kommen und staunend vor der Sixtinischen Madonna in der Gemäldegalerie stehen werden. Wenn es so weit ist, sind wir wesentlich weiter. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU und vereinzelt bei der SPD – Beifall des Staatsministers Martin Dulig)

Alle Reden von Jörg Markert Protokoll ↗